151 Ärztin — aschgrau.
Arzte: schlug in den ürzten nach Lichtwer Fab. 4, 17.
— Astztin, k. weiblicher Arzt: kunigs Theuers gemachel
sol ein grosze ärstin gewesen sein Aventin 1, 1198;
jetzt fusz-, zuhnürztin. — eritiich „zum Arzt gehörig
(erst seit 18. Ih.): ärztliche mittel, verordnungen, bemuhungen;
alle ärztliche kunst vermochte nichts; da
ohnehin meine langwierige krankheit mich dem ürztlichen
näher gebracht hatte Goethe DuW. 8.
As, v. 1) Eins im Karten= und Würfelspiel, mhd.
esse aus lat. assis, noch bei Stieler esz, bei Adelung
äsz und asz (franz. as). 2) lleinstes Goldgewicht. 3) in
der Musik das um einen halben Ton erniedrigte a.
Asch, m. 1) Eschenbanm, Esche (s. d.), und das darans
Verfertigte; in Baiern ein Kahn; in andern Gegenden
Napf, Schüsfel, ursprünglich von (Eschen-)Holz, jetzt
irden, blumenasch, milchnsch. 2) ascb, auch äsche, der
Forelle ähnlicher Flußfisch, salmo thymallus.
Asche, k. erdiger Rückstand verbrannter Körper; goth.
azgô, altnord. aska, altengl. asce, ahd. asca, mhd.
asche, duntler Abtunft; im bair. Sprachgebiete Masc.
Schmeller; verprent zue lauterm aschen Aventin
1, 102; seltener, aber alt auch eine sem. Form #sche,
mhd. esche: durch die asche geseyet Zinkgref 1, 220.
Aschenbecher — Atem. 152
becher, m. Becher für Cigarrenasche. — Aschenbrödel, m.
Name für einen schmutzigen Küchenjungen, der in der
„Asche brodelt"“ d. i. herum stäubt: ich russichter aschenprödel
Luther; auch von Küchenmädchen und sonst unsaubern
Dirnen: alle aschenbrödel Chr Weise Erzn. 71;
jetzt zumeist von der bekannten Heldin des Märchens,
gewöhnlich das aschenbrödel. — Ascheneimer, m. Eimer
zur Aufbewahrung der Küchenasche. — Aschensall, m.
in der Feuerung des Ofens Offnung zum Durchfall der
Asche. — Aschengrube, k. Grube an einem Hause zur
Aufbewahrung der Küchenasche. — Aschenlasten, m. Kasten
an einem Osen zum Auffangen der Asche. — Aschentrug,
m. zur Aufbewahrung der Asche verbrannter Leichen.
— Aschenurne, f. dasselbe. — Aschermittwoch, k. Mittwoch
nach Fastnacht, wo in der kathol. Kirche sich die
Gläubigen mit geweihter Asche zur Buße bestreuen
(escher- auf eine seltene Nebensorm ascher zu asche
zurückweisend). — Ascher, m. bei Gerbern Mischung von
Asche und Kalk zum Beizen der Häute; bei Seisensiedern
Lauge aus Asche und Kall und der dazu dienende
Bottich. — äschern, 1) als Gewerkswort: häute äschern,
in den Ascher legen; garn äschern, mit Lauge behandeln.
2) zu Asche brennen, f. einüschern. 3) mit Asche be-Jin
genannten oder gedachten Zusammenhang mit teucr, streuen: verneige dein geüschert haupt Lenau 381.—
brand, glut: asche dieses verbrannten sundopkers 4. Mos. aschig, Asche enthaltend: aschige teile des tabaks; pulver-19,
17; hat die stedte Soäom und Gomorra zu aschen rauch wo glüh und aschig jeder hauch Droste 415.
gemacht 2. Petr. 2, 6; uber tausend schlösser, flecken
und dörfer wurden in die asche gelegt Schiller 8, 387;
zu asche gluhn die flammen Geibel 1, 60; mit kuche,
berd, ofen: die asche des herdes, ofens; in der asche!
Apfel (Garg. 298), kastanien, kartoffeln hraten; man
siehts an der asche noch, wo der topf gestanden hat;
die speise fällt in die asche, wenn der Topf umstürzt,
davon bildlich: da fiel uns der mut in die öschen
B. d. Liebe 2025v; Bettler, Niedrige sitzen in der asche
vor dem Herd: er muog hie tälanc scharren vor mir
iu der eschen Ges. Ab. 1, 217; Hiob zas: in der
aschen Hiob 2, 8; ob sie fremde herde sucht, und stumm
sich in die asche setzt Freiligrath 3, 181; Büßer:
thu busze in staub und aschen Hiob 12,6; im sack
und in der aschen buszen gethan Matth. 11, 21; in der
Bibelsprache asche aufs haupt streuen, als Sinnbild
des Leides, der Erniedrigung: warf Thamar aschen auf
jr heubt 2. Sam. 13, 19; asche in Bildern: bleich, fahl,
Aschlauch, m. Lauch aus Acscalon, Schelotte; der
Name als asclouh schon ahd.
sen, Jäger= und Fischerwort, vom Weiden der Hirsche
und Fressen der Fische: das wild äst friedlich Heyfse
4, 3tI; auch ausen (s. d.).
Ajsel, k. graubraunes Kerbtier, Tausendfuß; aus lat.
#rellus; bisweilen auch der assel.
Ast, m. stärkerer Seitenteil eines Baumes; außer dem
hochdeutschen (ahd. mbd. ast) nur noch im goth. (asts)
bezeugt, niederd. entspricht öst, altengl. ost Knoten,
Knorren am Stamme, als urverwandt wird angeseben
griech. Gzos aus Esdos Zweig, Knoten am Baum; im
eigentlichen Sinne: grüner, durrer ast; ein cederbaum
.. hatte schöne, grosze und lange este Hes. 31, 7; ein
goldner apfe! .. an einem langen aste Uhland 60;
an des baumes aste Rückert; bei Holzarbeitern die Stelle
im Holz, wo ein Afst gesessen: der hobel, die säge stöszt.
auf einen ast; uneigentlich, in Bezug auf einen Stammbaum:
ein geschlecht, in äste und zweige geteilt; sie
grau wie asche; der veid, zorn glimmt, gluht voch
unter der asche; ah, dasz der geist ermanns voch 6 der letzte 2weig ihres astes Goethe Wanderj. 3, 10;
in der asche glimmte! Schiller Räub. 1, 2; wie ein was sonst baumartig gedacht wird, uste der blutgefüsze;
bhönix aus der asche aufsteigen; ungebrannte asche##eines wosserlaufs, fusses (Goethe 30, 30); scherzhaft
scherzhast von Prügeln. Von der aschenähnlichen Erde,
in die der Leichnam zersällt: daz sin lip mueste werden
darnäch ze aschen unde ze erden Lamprecht Franz.
3971; wie wol ich erde und aschen bin t. Mos. ts, 27:
von einem Buckligen, er hat einen ast. — ästeln, in
Aste spalten, refl. eine pflanze, ein wasserlauf ustelt
sich viellach. — isstig, viele Aste habend: krumm und
estig holz Weish. Sal. 13, 13; che äslgen rustern Geibel
wenn unsre asche modert Gotter 1, 141; als Wunsch 2, 254. — Astloch, v. Loch im Holz, wo ein Ast gean
einen Verstorbenen: sanft ruhe scine usche!; tricc sessen; bei Webern, kleines Loch im Gewebe, von einem
seiner asche! — Zufammensetzungen, vergleichend mit knotigen Faden entstehend.
Adjectiven: aschbleich, bleich wie Asche: uschbleichen Aster, k. Sternblume, aster chinensis, seit 18. Ih.;
ungesichts Schiller 1, 245. — aschblond, blond mit auch der aster.
einem Stich ins Aschenfarbene: die uschblonden haare Atem, m. Einziebung und Ausstoßung von Luft
Heyse Par. 1, 64. — aschsahl, sahl wie Asche: du asch- durch die Lunge und diese Lust selbst: nur westgerm.
lahle memme Bürger Macb. 5, 2. — aschfarb, aschen= Wort, ahd. atum. mhd. ätem lauch in persönlicher Bed.
jarb, von der Farbe wie Asche, mhd. uschenvar: ihre der heilege ätem heilige Geist), alts. übom, altengl. #öm,
haut war von natur mehr uschenfarb als schwarz! dem griech. atmos Dampf, Dunst, sanstr. ötman Hauch,
Simpl. 2, 281; aschfarb von antlitz Geibel 2, 140;
auch aschfarben, aschfarbig, aschenfarbig. — aschgran,
grau wie Asche: von dickem aschgraucm staude Goethe
26, 29; eine ganz aschgrauc haut Heyse Par. 2, 308;
bildlich: unsere breitschwalzenden freiheitshelden in
ihrer aschgraucn armscligkeit HHeine 13, 108; verwundernd,
zur Bezeichnung von etwas ganz Abliegenden:
das geht ins aschgraue!; als aschengran: ja, cie sind
grun und blau, ich armes thier ganz aschengrau Kind
d. Stieglitz. Bestimmend mit Substantiven: Aschen-Geist,
Atem urverwandt. Die ursprünglich mundartliche
Nebenform odem (durch Luthers Bibel verbreitet) in
dichterischer Spr., neben atem, was uhd. nur in sinnlicher
Bed. steht: atem zichen, holen, schöpfen, alt atten
laben Aventin, den atem anhalten; das nimmt mir
den atem; der atem vergeht, geht aus, stockt; auszer
atem sein, kommen; freier, schwcrer, suszer, stinkender
atem; ich was sô volle scheltens daz min äten stano
Walther 29, 2; der himmlische athem ihres mundes
Goethe 16, 54; sauge seinen balsamischen athem ein