Full text : Sagenbuch des Königreichs Sachsen

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der  Aähe  und  Ferne  viele  Wallfahrten.  An  dem  Zschopaustrome
in  der  Gegend,  wo  sich  jetzt  die  sogenannte  Großmühle  befindet,
stand  ein  sehr  großer  Weidenbaum,  bei  und  unter  welchem  die
Wallfahrer  Mittagsruhe  hielten  und  die  Pferde  auf  die  Weide
gehen  ließen.  Dieser  Ort  wurde  von  denen,  die  aus  der  Gegend
von  Oederan  und  Augustusburg  kamen,  für  die  Mitte  der  Straße
nach  Seelitz  gehalten,  und  als  sich  nach  und  nach  hier  Leute  ansiedelten,
  nannten  sie  den  neuen  Ort  Mittweida.

1021.  Der  Volksname  von  Geringswalde.
Das  Sachsenland  1901,  Heft  2,  S.  61.

Geringswalde  führt  im  Volksmunde  den  Namen  „Däßdch“.
Die  Entstehung  desselben  wird  aber  folgendermaßen  berichtet:  Als
dort  einst  das  Vogelschießen  abgehalten  wurde,  fehlte  ein  Schütze
wiederholt  den  Vogel,  und  ärgerlich  darüber  rief  er  aus:  „Däß
dich  doch  der  Kuckuck  hole!“  Die  beiden  ersten  Worte  dieses  Ausrufs
  hat  man  zu  „Däßdich",  „Däßdch“  zusammengezogen  und  dadurch
  den  Volksnamen  für  die  Stadt  gebildet.

1022.  Der  Name  des  Dorfes  Westewitz  (Wists).

Prof.  Mogk  in  d.  Mitteil,  des  Vereins  für  Sächsische  Bolkskunde,  Bd.  I,
Heft  2,  S.  11.

Einst  erzählte  mir  ein  älterer  Bauer  von  der  Bischofswiese  —
oder  Bischwiese,  wie  sie  der  Volksmund  nennt,  jener  großen  Wiesenfläche,
  die  sich  zwischen  Döbeln  und  Leisnig  in  der  Muldenaue
hinzieht,  —  wie  das  Dorf  Westewitz  zu  seinem  Namen  gekommen
sei.  Dies  heißt  im  Volksmund  allgemein  Wists.  Dem  Dorfe
gegenüber,  auf  dem  linken  Ufer  der  Freiberger  Mulde,  erhebt  sich
unmittelbar  über  dem  linken  Muldenufer  ziemlich  steil  der  Spitzzstein.
Auf  diesem  gelangte  einst,  so  erzählte  mein  Gewährsmann,  ein
Reiter  (nach  Sage  Ar.  1109  ist  es  der  heilige  Georg  gewesen),  der
von  seinen  Feinden  verfolgt  wurde,  an  und  sah  plöätzlich  vor  sich