— 830 —
der Aähe und Ferne viele Wallfahrten. An dem Zschopaustrome
in der Gegend, wo sich jetzt die sogenannte Großmühle befindet,
stand ein sehr großer Weidenbaum, bei und unter welchem die
Wallfahrer Mittagsruhe hielten und die Pferde auf die Weide
gehen ließen. Dieser Ort wurde von denen, die aus der Gegend
von Oederan und Augustusburg kamen, für die Mitte der Straße
nach Seelitz gehalten, und als sich nach und nach hier Leute ansiedelten,
nannten sie den neuen Ort Mittweida.
1021. Der Volksname von Geringswalde.
Das Sachsenland 1901, Heft 2, S. 61.
Geringswalde führt im Volksmunde den Namen „Däßdch“.
Die Entstehung desselben wird aber folgendermaßen berichtet: Als
dort einst das Vogelschießen abgehalten wurde, fehlte ein Schütze
wiederholt den Vogel, und ärgerlich darüber rief er aus: „Däß
dich doch der Kuckuck hole!“ Die beiden ersten Worte dieses Ausrufs
hat man zu „Däßdich", „Däßdch“ zusammengezogen und dadurch
den Volksnamen für die Stadt gebildet.
1022. Der Name des Dorfes Westewitz (Wists).
Prof. Mogk in d. Mitteil, des Vereins für Sächsische Bolkskunde, Bd. I,
Heft 2, S. 11.
Einst erzählte mir ein älterer Bauer von der Bischofswiese —
oder Bischwiese, wie sie der Volksmund nennt, jener großen Wiesenfläche,
die sich zwischen Döbeln und Leisnig in der Muldenaue
hinzieht, — wie das Dorf Westewitz zu seinem Namen gekommen
sei. Dies heißt im Volksmund allgemein Wists. Dem Dorfe
gegenüber, auf dem linken Ufer der Freiberger Mulde, erhebt sich
unmittelbar über dem linken Muldenufer ziemlich steil der Spitzzstein.
Auf diesem gelangte einst, so erzählte mein Gewährsmann, ein
Reiter (nach Sage Ar. 1109 ist es der heilige Georg gewesen), der
von seinen Feinden verfolgt wurde, an und sah plöätzlich vor sich