Contents : Bavaria. Landes und Volkskunde des Königreiches Bayern.

396  Oberpfalz  u.  Regensburg

höheren  Bürgerschulen.  Diese  reichten  wenig  über  die  Gegenstände  der  Oberklasse
  einer  gut  eingerichteten  Bürgerschule  hinaus,  und  die  ihnen  besonders
zugewiesenen  Fächer:  Zeichnen,  Mathematik,  französische  Sprache,  hielten  sich
fast  durchgehends  innerhalb  der  Anfangsgründe.

Um  das  gesammte  Realschulwesen  in  eine  den  Bedürfnissen  der  Zeit
mehr  entsprechende  Bahn  zu  leiten,  erließ  König  Ludwig  am  7.  Febr.  1820
und  dringender  am  16.  Febr.  1833  Aufforderungen  zur  Gründung  technischer
Lehranstalten,  welche  die  Errichtung  der  Kreislandwirthschafts=  und  Gewerbsschule
  zu  Regensburg")  und  der  Landwirthschafts=  und  Gewerbsschule  zu  Amberg
  zur  Folge  hatten.  Ihre  Aufgabe  ist,  den  Geschäftsbetrieb  selbst  auf  jene
Stufe  zu  bringen,  welche  den  Fortschritten  der  Technik  und  der  Conkurrenz
des  Auslandes  entspricht,  und  die  Kunst  in  die  Gewerbe  überzutragen.  Mit
jeder  dieser  beiden  Schulen  ist  eine  Handwerkssonn=  und  Feiertagsschule  für
Gewerbslehrlinge  und  Gesellen  verbunden.

Zu  den  Schulanstalten  sind  auch  zu  zählen  die  bei  allen  Militärabtheilungen
  zur  Heranbildung  von  Soldaten  zu  Unteroffizieren  und  deren  Ausbildung
  in  eine  niedere  und  höhere  Klasse  getheilten  Schulen,  in  deren  ersteren
Lesen,  Schön=  und  Rechtschreiben  und  die  vier  Rechnungsarten,  in  der  zweiten
  außer  Fortbetrieb  der  obigen  Gegenstände,  die  gemeinen  und  Dezimalbrüche,
  Anfertigung  von  militärischen  Aufsätzen,  die  Elemente  der  allgemeinen
Geographie,  dann  specieller  die  vaterländische  Geographie  und  Geschichte,  so“
wie  in  beiden  Klassen  das  Tabelliren  gelehrt  wird.

In  geschichtlicher  Beziehung  sind  noch  anzuführen:  die  nach  Uebergabe
der  Stadt  Regensburg  an  die  Krone  Bayern  erfolgte  Vereinigung  des
evangelischen  Gymnasiums  mit  dem  des  Collegiums  Sct.  Paul;  die  1807
nach  längerem  Bestehen  als  Privatanstalt,  geschehene  Errichtung  eines  Schullehrerseminars
  in  Amberg  dessen  Verlegung  im  Jahre  1824  nach  Straubing,
und  die  1844  geschehene  Errichtung  eines  bischöflichen  Knabenseminärs  für
die  Diöcese  Regensburg,  das  aber  außerhalb  des  Kreises  in  Metten  seinen
Sitz  hat

Zum  Schlusse  geben  wir  noch  folgende  vergleichende  Uebersicht  des  Standes
  der  Lehr=  und  Erziehungs-Anstalten  nach  der  Statistik  von  187/m2,  und
187/,  zusammengestellt  von  Siebert.

1)  Regensburg  besaß  schon  1803  eine  durch  den  Kur-Erzkanzler  mit  jährlich  2000  fl.
dotirte  bürgerliche  Realschule,  bestehend  aus  einem  Curfus,  der  der  katholischen
Volksschule  beigegeben  war,  und  in  welchem  die  Elementar  =  und  gemeinnützigen.
Gegenstände  vorgetragen  wurden.  Sie  bestand  bis  zum  Jahre  1810.  Ueberhaupt
sorgte  Dalberg  mit  christlicher  Toleranz  für  Hebung  der  deutschen  Schulen,  Erhöhung
  der  Gehalte  der  Lehrer  beider  Confessionen,  Anstellung  eines  Lehrers  der
französischen  Sprache  in  Regensburg.