Full text : Geschichte der Hohenzollern.

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und  behalten  solle,  obgleich  das  neue  Gesangbuch  vermuthlich  verständlicher,
vernünftiger  und  dem  wahren  Gottesdienste  angemessener  sei,  weil  so  viele
andere  Gemeinden,  bei  welchen  so  in  allgemeinem  Ansehen  stehende  Männer
sich  befänden,  demselben  den  Vorzug  eingeräumt  haben.“  Eigenhändig  fügte
er  seiner  Gewohnheit  nach,  größeren  Nachdrucks  halber  die  Worte  hinzu:  „Ein
Jeder  kann  bei  mir  glauben,  was  er  will,  wenn  er  nur  ehrlich  ist.  Was
die  Gesangbücher  angeht,  so  steht  einem  Jeden  frei,  zu  singen:  Nun  ruhen  alle
Wälder,  oder  dergleichen  dummes  und  thörichtes  Zeug  mehr;  aber  die  Priester
müssen  die  Toleranz  nicht  vergessen,  denn  ihnen  wird  keine  Verfolgung  gestattet
  werden.“

Des  Königs  weiser  und  toleranter  Sinn  bestand  noch  härtere  Proben.
Als  Kaiser  Joseph  II.  in  seinen  Staaten  die  Klöster  aufhob,  gab  er,  der
geschworene  Gegner  „alles  sogenannten  Pfaffenthums,“  den  Ordenzgeistlichen
im  Preußischen  die  königliche  Versicherung,  daß  sie  „von  ihm  nichts  zu  befürchten
  hätten,  so  lange  sie  sich  wie  treue  und  redlich  gefinnte  Unterthanen  verhielten;
  er  würde  nie  etwas  rühren  und  ändern  in  ihren  Sachen,  wie  es  einmal
  eingerichtet  wäre;  er  würde  nicht  das  Mindeste  weiter  von  irgend  einem
Stift  oder  Kloster  verlangen  oder  gar  etwas  einziehen.“  Welche  weise  Würdigung
  der  menschlichen  Verhältnisse  geht  aus  diesen  Worten  des  Königs,  den
einige  Fanatiker  als  einen  Feind  aller  Religion  haben  darstellen  wollen,  hervor!
Deshalb  auch  sein  Benehmen  gegen  die  Jesuiten;  als  von  Portugal  und  Spanien
  aus  unter  Zustimmung  der  Bulle  „dominus  se  redemptor  noster“  durch
alle  katholische  Staaten  hindurch  die  Verfolgung  über  die  Jesuiten  hereinbrach,
durfte  die  päpstliche  Verordnung  in  Friedrich's  Gebiete  nicht  einmal  verkündet,
viel  weniger  ausgeübt  werden;  sein  Agent  in  Rom  aber  erhielt  folgende  Weisung;
  „Sagen  Sie  es  Jedermann,  der  es  hören  will,  jedoch  ohne  Prahlerei
und  Affectation,  und  suchen  Sie  auch  eine  schickliche  Gelegenheit,  es  dem  Papfste
oder  ersten  Minister  zu  sagen,  daß  in  Ansehung  der  Jesuiten  mein  Entschluß
dahin  gefaßt  sei,  sie  in  meinen  Staaten  in  jenem  Zustande,  in  welchem  sie  sich
bis  jetzt  befinden,  beizubehalten.  Im  Breslauer  Frieden  habe  ich  in  Ansehung
der  Religion  den  Status  quo  für  Schlesien  garantirt.  Ich  habe  in  allen  Rücksichten
  nie  bessere  Priester  als  die  Jesuiten  gefunden.  Fügen  Sie  zugleich  auch
hinzu,  daß,  da  ich  in  die  Klasse  der  Ketzer  gehöre,  der  heilige  Vater  mich
ebensowenig  von  der  Obliegenheit,  mein  Wort  zu  halten,  als
von  den  Pflichten  eines  ehrlichen  Mannes  und  eines  Königs  dispensiren
  kann.“  Dieser  Zustand  währte  von  den  Jahren  1773  bis  1776,
wo  die  Jesuiten  den  Namen,  so  wie  ihre  bisherige  Ordenstracht  ablegten  und
sich  mit  dem  Unterricht  der  katholischen  Jugend  beschäftigten;  sie  sollten  von
den  Gütern  ihrer  Collegien  unterhalten  werden  und  in  allen  Dingen,  welche
auf  Verwaltung  ihres  Amtes  Beziehung  hätten,  dem  Obergerichte  unter  dem
Namen  einer  Schulcommission  unterworfen  sein.  Unter  verschiedenen  Formen
bestand  die  Schulanstalt  der  Jesuiten  bis  in  die  folgende  Regierung.