Grofbritannien. (Mai 10. 11.) 511
Thronfolger. Er ist vermählt mit der als Prinzessin von Teck am
26. Mai 1867 geborenen Königin Mary. Ihre sechs Kinder sind
die fünf Prinzen Eduard, 16 Jahre alt, Albert, 15 Jahre alt,
Henry, 10 Jahre alt, Georg, 8 Jahre alt, Johann, 5 Jahre alt,
und die 13jährige Prinzessin Viktoria Alexandra.
10. Mai. Proklamation des Königs, die Landestrauer während
der Pfingsttage zu unterbrechen.
„Da ich die Anschauungen meines in Gott ruhenden Vaters wohl
kenne, bin ich sicher, daß es seinen persönlichen Wünschen nicht entsprechen
würde, wenn die allgemeinen Festlichkeiten der Pfingstfeiertage irgendwelche
Unterbrechungen erleiden sollten. Ich hoffe daher, daß die allgemeine
Landestrauer meine Engländer nicht davon abhalten wird, die sich ihnen
mit den Pfingstfeiertagen bietende Gelegenheit zu benutzen, sich von der
Anstrengung ihrer Arbeit auszuruhen sowie der Erholung und dem Vergnügen
sich hinzugeben.“
11. Mai. (Unterhaus.) Würdigung der politischen Tätigkeit
des verstorbenen Königs.
Premierminister Asguith: Die Regierungsjahre des verewigten
Königs wiesen eine Fülle großer Ereignisse sowohl im Mutterlande wie
außerhalb auf. In unseren Beziehungen zum Auslande sind sie Jahre
wachsender Freundschaften, neuer Einverständnisse und sicherlich auch festerer
Bürgschaften für den Frieden der Menschheit gewesen. Innerhalb des
Reichs hat sich der Sinn für die Abhängigkeit der einzelnen Reichsteile
voneinander, das Bewußtsein gemeinsamer Interessen und Gefahren, die
immer fester werdenden Bande korporativer Einheit in einer Weise entwickelt,
wie dies nie zuvor der Fall gewesen ist. Hier im Heimatlande
gelangen Fragen ernstester Art, Fragen wirtschaftlicher, sozialer und konstitutioneller
Natur zu schnellster Lösung. In allen diesen vielgestaltigen Ereignissen
im Lande und im Reiche wird die Geschichte dem großen Herrscher,
den wir verloren haben, den Einfluß besonderer Würde und besonderen
Ansehens zuerkennen. In den äußeren Angelegenheiten war sein mächtiger
persönlicher Einfluß fest und unaufhörlich darauf gerichtet, nicht bloß jeden
Anlaß, sondern auch jeden Vorwand zum Kriege aus der Welt zu schaffen.
Er hat den Namen eines Friedensstifters der Welt, unter dem er
für immer bekannt sein wird, wohl verdient. Im Inneren hat er, erhaben
über Staub und Dunst des Kampfes der Meinungen, losgelöst von den
Parteien, einzig nach dem allgemeinen Interesse gestrebt, das erkennen wir
alle an. Wir besaßen in ihm einen Schiedsrichter von reifer Erfahrung
und scharfem Urteil, einen ergebenen Verehrer unserer Ueberlieferungen.
und wachsamen Hüter unserer konstitutionellen Freiheiten. Asquith pries
dann des verewigten Königs starkes Gefühl für öffentliche Pflichten, seinen
unvergleichlichen Takt im Verkehr mit Menschen, seinen Scharfsinn, um
aus verwickelten Lagen den besten Ausweg zu finden, seine Menschenliebe,
seine Loyalität und Güte gegenüber seinen Ratgebern und seinen Dienern.
In seinem Volke habe er eine Erinnerung an große, günstige Gelegenheiten,
die in großartiger Weise verwertet wurden, hinterlassen. Mit offensichtlicher
Bewegung sprach der Premierminister dann von der Königin
Mutter und brachte ihr das aufrichtigste Mitgefühl des Hauses dar.
Dann wandte Asquith sich zu dem neuen Souverän und führte aus:
Er nimmt zu einer heiklen und schwierigen Zeit eine Bürde auf sich, so