Volltext : Medizinal-Statistische Mittheilungen aus dem Kaiserlichen Gesundheitsamte. Vierter Band. (4)

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Im  Berichtsjahre  1894  hat  sich  nun  eine  erfreuliche  Abnahme  der  Sterbefälle
  aus  fast  allen  hier  in  Betracht  kommenden  Ursachen  gezeigt.  In  den  zehn  Staaten
des  Reiches,  welche  für  beide  Jahre  Ausweise  lieferten,  haben  sich  von  1893  zu  1894

verringert:

die  Todesfälle  an  Altersschwäche  um  14750  (etwa  um  18  00),
5  „  „  Lungenentzündung  „  14  617  (ô.  „  1900),
2  „  sonstigen  entzündl.  Kranky.  d.  Ath#n.-Org.  „  8  297  („  „  10  oo),
"  "  r  Diphtherie  „  12  160  (  „  P„  16  v0),
5  „  „  Magen=  und  Darmkatarrh  „  11  528  C„  „  800),
"  :  „  Scharlach  „  4691  („  „  35  00),
„  »  „  angeborener  Lebensschwäche  "  3  198  C,  „  600),
5  »  «Lungentubetknloie  »1670(,,,,1,«0-0),
a  a-  Typhus  n  1078  (  v  n  15  0%
.  „  „Pocken  67  („  „  4400%,
„  „  imB  Wochenbett  „  1675  („  „  1900),
„  an  sonstigen  benannten  Krankheiten  „  25  784  („„  80%),

2  aus  unbekannter  Ursache  „  4918  („  „  180).

Zugenommen  haben  von  1893  zu  1894  die  Todesfälle  an  Masern  (um
2575—  19%),  an  Keuchhusten  (um  1715  —  8,,  %,  an  Tuberkulose  anderer
Organe  als  der  Lungen  (um  359—  4,,  %),  an  Neubildungen  (um  1124—  3,%)
durch  Selbstmord  oder  Unglücksfall  (zusammen  um  572=  2,,  %),  endlich  die
Todexfälle  an  einigen  selteneren  gemeingefährlichen  Krankheiten,  wie  Flecktyphus  (4  28),
as.  Cholera  (+  119),  bösartiger  Ruhr  (A#597),  Genickstarre  (+56),  und,
soweit  Angaben  vorliegen,  auch  an  Syphilis  (+  129).

I.  Die  Hänfigbeit  der  Sterbefälle  in  jeder  der  vier  Altersblassen.

Einufluß  der  Kindersterblichkeit  auf  die  Sterbefälle  der  Erwachsenen,
besonders  auf  deren  Sterblichkeit  an  Tuberkulose.

Nach  dem  für  die  Gesammtheit  der  zehn  Staaten  gewonnenen  Ergebniß  vorstehender
Zusammenstellung  ist  im  Hinblick  auf  die  Vorjahre  der  Schluß  erlaubt,  daß  während  des
Jahres  1894  die  Bevölkerung  des  Reiches  sich  in  durchschnittlich
günstigen  Sterblichkeitsverhältnissen  befunden  hat,  daß  in  dieser  Hinsicht
das  Jahr  1894  etwa  ein  Normaljahr  gewesen  ist,  zumal  da  weder  Cholera  noch  Influenza
noch  sonstige  todbringende  Seuchen  in  erheblichem  Umfange  geherrscht  haben.

Diese  annähernd  normalen  Verhältnisse  des  Berichtsjahres  gestatten  es,  den  Umständen
eingehender  nachzuforschen,  welche  die  erhebliche  Verschiedenheit  der  Sterbeziffern  in  den
einzelnen  Staaten  und  großen  Staatsgebieten  des  Deutschen  Reiches  bedingen,  da  ja  die
durch  das  verschieden  heftige  Auftreten  von  Seuchen  verursachten  Fehlerquellen  fortfallen.

Die  Erfahrungen  des  Vorjahres  geben  zunächst  Anlaß,  der  Erörterung  der  Frage
näher  zu  treten,  inwieweit  die  Lebensaussichten  der  Erwachsenen,  insbesondere  die  Gefahr,
vor  Ablauf  des  60.  Lebensjahres  der  Tuberkulose  zu  erliegen,  etwa  durch  die  Höhe  der
Kindersterblichkeit  beeinflußt  wird.

Bekanntlich  ist  in  vielen  Gebieten  des  Deutschen  Reiches  die  Gesammtsterbeziffer
der  Bevölkerung  nur  deshalb  eine  auffallend  hohe,  weil  Jahr  für  Jahr  im  ersten  Lebensjahre
  Kinder  in  großer  Anzahl  dahinsterben.  In  Folge  dessen  giebt  aber  diese  Gesammtsterbeziffer
  sehr  oft  ein  ganz  unzutreffendes  Bild  von  den  Lebensaussichten  gerade  desjenigen

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