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der Einwohnerschaft wegen irgend eines Verbrechens angeklagt wird.“ Aber
die meisten dieser Verbrechen hängen mit Trunkenheit zusammen. Der
Gefängnißgeistliche von Liverpool, Rev. James Nugent, berichtet kürzlich,
daß Trinken schreckliche Verwüstungen unter der weiblichen Einwohnerschaft
dieser Stadt anrichtet, indem es nicht allein auf die Jungen demoralifirend
einwirkt, sie von Stufe zu Stufe in das Verbrechen und die tiefsten Tiefen
des Lasters führt, sondern auch den heiligen Charakter des Familienlebens
zerstört und Frauen und Mütter zu grausamen Barbaren macht. Feuerzange,
Flasche, Messer und Glas find unter diesem unwiderstehlichen Einfluß
zu gewöhnlichen Waffen des Angriffs und der Vertheidigung geworden,
die oft die unglücklichsten Konsequenzen herbeiführen.
Eine traurige Verbündung selbstsüchtiger Bestrebungen beherrscht bis
heute unsere Regierung und Gesetzgebung und verhindert jede Abnahme der
durchschnittlichen Ursachen der Verbrechen, welche durch Unmäßigkeit entstehen.
Doch nimmt unter dem verständigen religiös gefinnten Theil der
Bevölkerung die Ueberzeugung zu, daß endlich eine Verhütung derselben
gesichert werden muß. So weit die Gesetzgebung betheiligt ist, kann dies
wahrscheinlich nur dadurch geschehen, daß man den benachtheiligten Steuerzahlern
die Oberaussicht über die Schanklokale überträgt und gleichzeitig
nachdrücklichere Gesetze für die Schankordnung einführt. Die private Anstrengung
in derselben Hinsicht besteht in einer ernsteren Ueberredung zur
Enthaltsamkeit und in der Gewährung von ausreichenden Mitteln, um der
Bevölkerung zu einem billigen, aber keineswegs unprofitablen Preis harmlose
Erholung und gesunde Erfrischungen zu bieten, doch dürfen letztere nicht,
wie in einigen Fällen, aus ungenießbarem gekochten Thee oder schlechtem
Cacao bestehen.
Gegenwärtig wird in englischen Gefängnissen viel Aufmerksamkeit auf
die wichtige Materie des Religionsunterrichts verwendet, so daß an jedem
Gefängniß wenigstens ein Geistlicher angestellt ift. Das geistige Wohl der
Gefangenen ist somit nicht mehr wie sonst den zufälligen Besuchern oder
der Anwendung des Motto's „was Jedermanns Sache ist, wird leicht
Niemands Sache“ üÜüberlassen. Viele der Geistlichen erfüllen ihre heilige
Pflicht mit dem Bewußtsein ihrer Verantwortlichkeit vor einem allwissenden
und allgegenwärtigen Gott. Ihre Arbeit, obwohl schwierig und oft entmuthigend,
ist nicht ohne erheblichen Erfolg. Dennoch, so schätzbar ihre
Dienste sind, wird von erfahrenen Gefängnißbeamten zugegeben, daß ein
regelmäßiger Unterricht in Religion und weltlichen Gegenständen durch verständige
freiwillige Besucher von großem Nutzen sein würde. Die Hülfe
solcher Personen würde besonders in großen Gefängnissen eine nützliche Beihülfe
für die Arbeit der Geistlichen sein. Wir wollen daran erinnern, daß
John Howard, Elisabeth Fry, Sarah Martin und Fawell Buxton freiwillig
die Gefängnisse besuchten. Gefangene äußern über den Rath eines
Geistlichen: „Er wird dafür bezahlt, daß er uns predigt, er muß es thun.“
Hingegen verständige unbezahlte Besucher würden nie so beurtheilt werden.
Dennoch ist regelmäßige Unterweisung durch verantwortliche Geistliche oder
Gefängniß-Beamten wenigstens in den meisten Fällen unentbehrlich.
Viele der nicht ständigen Gefängniß-Beamten, sowohl Gouverneure als
Aufseher, üben thatsächlich einen religiösen Einfluß auf die unter ihrer Ob-