Full text: Das Lehrlingswesen und die Berufserziehung des gewerblichen Nachwuchses.

D. Besondere Einrichtungen zur industriellen Lehrlingsausbilbung. 241 
Nach beendigter Lebreeit, hat sich der Lehrling einer Gesellen- 
prüfung nach Maßgabe d g ng für die in den 
Haupt- und Nebögwerkskätten der Staatseisenbal waltung be- 
schäftigten Handwerkslehrlinge zu unterwerfen. Die Prüfung besteht 
in einem praktischen und einem theoretischen Teil. 
Aus dem Lehrplan für Schlosser sei folgendes mitgeteilt: Im 
ersten Halbjahr Kennenlernen der Kaltbearbeitung der Metalle und 
der gelorderlüchen Werkzeuge; Befeilen kleiner Arbeitsstücke, z. B. 
Würfel, Sechskant, Lineal, Winkel für 90° und 120°, Hämmer, Rund- 
stücke, Spitze, Ring, Knopf usw., Schleifen, Schmirgeln und Löten. 
Abhauen und Bemeißeln von Stab- und Formeisen und Eisenblech, 
Biegen derselben, Bördeln, Falzen von Blech. Fertigstellung einfach 
gestalteter Teile nach Mutterstück, E. B. einfacher Lehren; Einpassen 
von Schraubenmuttern in Schlüssel und umgekehrt, von Riegeln, 
Schloßteilen, Schlüsseln, Scharnieren, Türbändern, Beschlagteilen 
und ühnlichen Gegenständen. Im zweiten Halbjahr Bearbeiten von 
Winkeln, Klammern, Schellen usw. nach Maßangabe, Bohren und 
Versenken. Gewindeschneiden i in Eisen und Messing mit Bohrer und 
Kluppe; Kaltnieten, besonders von Eisenblechsachen aller Art; An- 
cichnen, vollständiges Bearbeiten und Zusammenpassen kleinerer 
trbeitsstücke, z. B. Schlösser aller Arten, Taster, Zirkel, Zangen und 
earbeiten Jes Ersatzes beschädigter Teile an Gcräten aller Art:; 
Jolieren. Im dritten Halbjahr Kennenlernen des Bearbeitens von 
fisen und Stahl im Schmiedefeuer und der dabei gebräuchlichen 
Werkzeuge. Zu solchen Arbeiten sind zu rechnen: Biegen, Strecken, 
Etasten, Absetzen und Schweißen von Eisenstücken; Schmieden der 
Rohrstücke für die von Lehrlingen des ersten Lehrjahres zu bearbeiten- 
den Gegenstände; Abschmieden von einfachen Stahlwerkzeugen, z. V. 
Körnern, Durchschlägen, Meißeln, Bohrern u. dergl., Fertigarbeiten 
und nachheriges Härten derselben usw. 
In dem letzten abgeschlossenen Rechnungsjahre 1909 waren 
68 Lehrlingswerkstätten vorhanden. Es standen im 1. Lehrjahre 
838 Lehrlinge, 2. Lehrjahre 796 Lehrlinge, 3. Lehrjahre 770 Lehr- 
linge, 4. Lehrjahre 685 Lehrlinge, zusammen 3089 Lehrlinge. Neu 
eingestellt wurden 811 Lehrlinge. In den Eisenbahnwerkstätten 
wurden beschäftigt 50 162 Handwerker, 8 040 handwerksmäßig aus. 
gebildete Handarbeiter, 7 991 sonstige Handarbeiter einschließlich 
Magazinarbeiter, 3 089 Lehrlinge, zusammen 69 282 Personen. 
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III. Beurteilung der Lehrwerkstätten. 
Die hiermit in aller Kürze skizzierten Einrichtungen zur Lehr- 
lingsausbildung, vor allem die Lehrwerkstätten sind Mustertypen für 
diejenigen Berufszweige, in denen heute die Lehrlingsfrage am 
brennendsten ist, für die auch die Heranbildung wohlgeschulter Fach- 
arbeiter geradezu eine Lebensfrage genannt werden kann. Haupt- 
sächlich die Maschinenschlosser, die Feinmechaniker und die Möbel- 
tischler werden einer eingehenderen Fachausbildung auf die Dauer 
nicht entraten können, und gerade für diese drei Bern fearuppen 
Echristen d. Zentralstelle f. Bollswohlsahrt. N. ð. Nr. 7.