Katholische Umtriebe. Landtag von 1830. 425
sondern der katholischen Kirche ein sehr fühlbarer Vorrang ein-
geräumt sei. Spuren von Proselytenmacherei und anderen
unerlaubten Einwirkungen katholischer Geistlicher waren nicht
selten und erbitterten um so mehr, je weniger sie, meist auf
das Priratzimmer und den Beichtstuhl beschränkt, sich erweisen
ließen 2).
Bei dieser allgemeinen, politischen wie kirchlichen Erregtheit
der Gemüther sah man der Ständeversammlung von 1830
mit einer in Sachsen noch nicht dagewesenen Spannung ent-
gegen. Am 6. Januar wurde dieselbe ganz in der alten Form
eröffnet; erst für die Zukunft wurde den vier vorsitzenden
Städten die Gewährung ihrer seit 1818 vergeblich wieder-
bolten Bitte, daß bei der Eröffnungs= und Schlußfeierlichkeit
ihren Deputirten gleich denen der beiden ersten Curien der
Eintritt in die Schranken gestattet werden möge, zugesagt. Die
ministerielle Eröffnungsrede und die Landtagsproposition sprachen
die Versicherung des unveränderten Bestehens der Landesver-
fassung und der in derselben begründeten Rechte aus, legten das
erfreuliche Ergebniß mehrerer Verbesserungen in der Verwal-
tung während der seit dem letzten Landtage verstrichenen sechs
Jahre dar und verhießen einige wohlthätige Einrichtungen, wie
die bedingte Aufhebung des Geleites, Vorbereitungen zu Ab-
lösung der Frohnden und anderer grundherrlicher Gerechtsame,
eine neue Gewerbeordnung, Abhilfe der Gebrechen des Prozeß-
ganges und Fortsetzung der Bearbeitung des Strafsgesetzbuches.
Die Bewilligung wurde in der bisherigen Höhe wiederum auf
sechs Jahre gefordert. Allein diesmal trat auf dem Landtage
die liberale Opposition stärker als je hervor, nur gieng sie
weniger von den Städten aus, deren Abgeordnete, die ja nicht
die Gemeinde sondern nur die Magistrate vertraten, bei den all-
gemein gegen die Mißstände in den Communalverwaltungen laut-
1) Die amtlichen Anzeigen bestätigten den den dresdner katholischen
Geistlichen gemachten Vorwurf allerdiugs nicht, indem danach in den Jahren
1827—1832 nur 23 Erangelische zum Katholicismus, dagegen 26 Ka-
tholiken zum evangelischen Glauben übergetreten waren.