Full text: Hermann Stegemanns Geschichte des Krieges. Vierter Band. (4)

Wilsons 14 Punkte 515 
Waffen zu entsagen. Osterreich--Ungarn nahm den Deutschen die Führung 
der Friedensverhandlungen mit den Rumänen aus der Hand, indem es dem 
rumänischen König ohne Vorwissen Deutschlands die Erhaltung der Dynastie 
zusicherte. Rumöänien verlor die Dobrudscha und die Höhen der Trans- 
splvanischen Alpen und wurde gezwungen, 8 Divisionen seiner Armee auf- 
zulösen, erhielt aber die Anwartschaft auf Beharabien. Der Vorfriede wurde 
am 6. März zu Buftea abgeschlossen, der Frieden am 7. Mai 1918 zu Bu. 
karest unterschrieben, der Rumäne wich aber der NRatifikation aus, bis das 
Rad sich drehte. Kam es auch nach dem Abschluß des Vorfriedens in der 
Moldau nicht mehr zu Kämpfen, so blieben doch vier deutsche und zwei öster. 
reichische Divisionen unter dem Befehle Mackensens in der Walachei gefesselt, 
um die Numänen im Jaume zu halten und die Donauschiffahrt und die Ol. 
und Geereidezufuhren sicherzustellen. Auch dieser Frieden war mit dem 
Schwert geschrieben worden, aber er trat an Bedeutung hinter dem Friedens- 
schluß von Brest-Litowsst, dessen Werdegang von der ganzen Welt mit leiden- 
schaftlicher Teilnahme verfolgt worden war, weit zurück. Da die Mittel- 
mächte sich nicht damit begnügt hatten, unter der Agide ihrer Armeen einen 
Wasffenstillstand abzuschließen, nachdem der Versuch, alle kriegführenden 
Parteien nach Brest-Litowss zu laden, gescheitert war, sondern ihren ganzen 
diplomatischen Apparat aufgeboten hatten, um in aller Form Rechtens 
einen Frieden zu schließen, der ihnen nicht nur vom Finnischen Mcerbusen 
bis zum Asowschen Meer Gewal gab, sondern diese milicärische Besehung 
auch mit politischen Folgerungen versah und Protektionsslaaten schuf, be- 
mächtigte sich die Entente dieses willlommenen Instrumentes, um ihre Völker 
zur Durchkämpfung des Krieges anzutreiben und Deutschland der „Ercbe- 
rungögier und mittelalterlicher Anschauungen“ zu zeihen. 
Wilsons 14 Hunkte 
Die deutsche Staatskunst hatte sich in Brest-Litowst eine Blöße ge- 
geben. Kein Geringerer als Woodrow Wilson, der sich zum Vorkämpfer 
neuer völkerrechtlicher Ideale aufgeworfen hatte, benut#te die Gelegenheit, 
an Bresl-Litewst nicht nur Kritik zu üben, sondern auch positiven Vorteil 
daraus zu ziehen und allgemeine Richtlinien eines Weltfriedens aufzu- 
stellen, die hinfort die geistige Atmesphäre des Wellkrieges beherrschten. 
Der Dräsident der Bereinigten Staaten gab seine Thesen in einer 
Botschaft bekannt, die am 9. Jantar 1918 im Parlament zu Washington 
verlesen wurde und unmittelbar an die Brest-Litowster Verhandlungen 
anknüpfte. Wilson wünschte, die Bolschewisten zu schonen, um Nußlands 
im Kampfe nicht entraten zu müssen und behauptete daher, die Vertreter 
Rußlands seien in Brest aufrichtig, guten Willens, guten Glaubens und