Metadata : Heinrich der Löwe Herzog von Bayern und Sachsen.

Heinrichs  Fürsorge  für  Sachsen.  397

festigt"),  jetzt  sollten  nicht  nur  die  Wälle  verstärkt,  sondern  auch  die  innere
Stadt  selbst  mannigfach  geschmückt  und  verschönert  werden.  Es  wurde  der
Bau  der  großen  Blasiuskirche  ernstlich  begonnen?“);  zwischen  ihr  und  dem
Schlosse  Dankwarderode  befand  sich  das  Standbild  des  Löwen,  das  Heinrich
einst  den  aufrührerischen  Fürsten  zur  Warnung  errichtet  hatte.  Auch  die  uralte
  finstere  Burg  Dankwarderode  begann  Heinrich  besser  und  schöner  umzubauen,
  wobei  auch  ihr  früherer  Name  verschwand,  so  daß  sie  nur  noch  als  „die
Burg“  bezeichnet  wurde.  Aber  die  Apostel  Peter  und  Paul,  deren  Kirche  dem
Blasiusdome  hatte  Platz  machen  müssen,  sollten  der  gebührenden  Ehre  nicht
ermangeln,  und  so  errichtete  er  in  der  Altstadt  dem  heiligen  Petrus  eine  eigene
Kirche,  St.  Paul  dagegen  wenigstens  eine  Kapelle.  Die  Stadt  bestand  damals
aus  vier  Quartieren  oder  Weichbildern,  der  Altstadt,  Neustadt,  alten  Wiek
und  dem  Sack;  daran  grenzte  noch  das  Weichbild  des  Hagens,  das  nur  einige
vereinzelte  Gehöfte  umfaßte,  übrigens  aber  wüst  lag  und  nur  durch  schlechte
Hecken  und  Mauern  eingefaßt  war.  Diesen  Hagen  nun  zog  Heinrich  zu  den
übrigen  Vierteln  hinzu.  Dabei  aber  war  vor  allem  nötig,  die  sumpfige  Beschaffenheit
  des  Bodens  zu  verändern.  Zu  diesem  Zwecke  regulierte  Heinrich
zuerst  den  Lauf  der  Ocker;  dann  erhöhte  und  pflasterte  er  den  Sumpfboden
und  legte  zur  Ableitung  des  überflüssigen  Wassers  in  den  Fluß  den  Stein=  und
den  Wendengraben  an.  Noch  immer  befand  sich  zwischen  dem  Hagen  und  der
Altstadt  ein  sumpfiger  Raum;  damit  nun  die  Kommunikation  zwischen  beiden
Weichbildern  ungestört  stattfinden  könne,  trieb  man  eichene  Pfähle  in  das
sumpfige  Erdreich  und  überdeckte  sie  mit  Bohlen.  Der  so  gebildete  Weg  wurde
als  Straße  benutzt  und  der  „Bohlenweg"  genannt.  Die  Sorgfalt  für  den
Hagen  trug  bald  ihre  Früchte.  Da  diesem  auch  die  Rechte  und  Freiheiten  der
übrigen  Stadt  vom  Herzoge  geschenkt  wurden,  mehrte  sich  die  Zahl  der  Ansiedler
  in  seinem  Weichbilde  sehr  schnell,  so  daß  schon  wenige  Jahre  später  —
um  die  religiösen  Bedürfnisse  der  neuen  Bewohner  zu  befriedigen  —  der
Herzog  sich  veranlaßt  sah,  am  Hagenmarkte  der  heiligen  Katharina  eine  Kapelle
  zu  erbauen.  Vor  allen  anderen  Kirchen  aber  sorgte  er  für  den  Blasiusdom.
  So  stiftete  er  für  ihn  ein  Domkapitel  mit  Propst,  Dechant  und  zehn
Domherren.  Aus  seiner  Mitte  sollten  die  Hofgeistlichen  und  Kanzler  der  Herzoge
  von  Sachsen  genommen  werden.  Auch  die  Reliquienschätze,  die  er  zahlreich
  von  seiner  Wanderung,  besonders  aus  Konstontinopel,  mitgebracht  hatte,

(1180)

schenkte  er  zum  größten  Teil  dem  Dome.  Aber  auch  anderen  Kirchen  gab  er  1173

einige  seiner  Reliquien,  wie  z.  B.  der  Kreuzkirche  zu  Hildesheim  und  dem
Bistume  Lübeck'“).
Einige  Zeit  darauf  begab  sich  Heinrich  nach  seiner  Feste  Lüneburg.  Hier

 

·)  Seite  341.

½Ann.  S.  Blasü  Brunsvicenses  (M.  G.  Se.  XXIV,  824)e,  1173.  Fundata  est  ecclesia.
S.  Blasü  episoopi  quse  nunco  est  (Anfang  des  14.  Jahrhunderts).

½)  We  sich  näher  über  diese  Reliquien  unterrichten  will,  findet  Beschreibung  und  Abbildungen
  in  den  Orig.  Guelf.  III,  p.  80  ff.  Vgl.  III,  520  f.