April 22.
April 24.
388 1611 155— 156.
Morgen ziehe ich zu meiner grossen Ungelegenheit mit den
Sachsen nach Prag und hoffe am Montag dort einzutreffen; der
Kaiser ist bereits davon benachrichtigt. Vor einigen Tagen ist hier ein
Gesandter des Königs Matthias, ein Herr von Polheim, angekommen
dessen Werbung besonders des Königs Einzug in Prag entschuldigen solL!,
Der Kurfürst bat ihm in meiner Gegenwart gar hart zugesprochen
und bemerkt, dass die dem Kaiser von den böhmischen Ständen zu
gefügte Schmach von den Ständen des Reichs höchlich empfunden
werde und sie dies niemals gut heissen würden. Von Polheim habe
ich im Privatgespräch vernommen, „dass er die vermählung zwischen
dem könig und dem bairischen freulein vor gewiss und beschlossen
balt“.2 Das macht mir seltsame Gedanken und wird das Mistraueı
zwischen dem Kaiser und Baiern sehr vermehren, ‚inmassen dan
I. M.' solches und dass sie dieses unwesens halben Beiern und Spanien
in verdacht haben,? den churfursten zu Sachsen albereit avisiren lassen,
darbei Cöllens chfl. gn. auch etwas verdechtig mit angezogen worden“;
doch habe ich noch nichts näheres vernehmen können. Man wird
aber mit Baiern vorsichtig sein müssen; „dan also mich jederzeit
bedunket hat und noch, so sticht man jeweilens an dem ort durch
den zaun und lässet sich ein schädliche emulation zwischen beeden
heusern merken.“ — Ich habe empfangenem Befehl nach nicht unter-
lassen, das anzügliche Schreiben Kurbrandenburgs an Kursachsen *
wegen der katholischen Stände von den geheimen Räten zu erbitten;
aber sie erklären, dass es nicht mehr gut sei, die Sache nach ge
troffener Vereinbarung auf die Bahn zu bringen; namentlich hat Gersten-
berg mir davon abgeraten, zumal er ohnehin neulich eine ausführliche
Inhaltsangabe au Dr. Faust geschickt habe. Besonders befremdet die
Räte, dass Kurköln davon Abschrift haben will. Ich glaube auch, das
man in dieser Sache nichts weiteres anregen solle. Es heisst,
dass Tengnagel nun gefoltert werden soll. Datum Dressden des
12./22. aprilis a. 1611. — Praes. Aschaffenburg 30. aprilis 1611
Wmz., Reichstagsakten, Bd. 103c, no. 60; Or.
156. Der Kurfürst von Mainz an Herzog Maximilian
von Baiern.
Die Erklärung des Hauses Sachsen kommt uns in Anbetracht
der vorigen Erklärungen unerwartet. Wir haben aber immer die Sorge
gehabt, dass bei dem langen Zaudern wegen Einnahme und Beschreibung
der Sachsen „andere operationes einfallen‘ möchten, um diese von ihrer
Absicht abwendig zu machen; aus den einlaufenden Nachrichten ergibt
! Vgl. oben no. 151, 8. 372, Anm. 1.
? Vgl. über dies Gerücht oben no. 61, 8. 133 und no. 116, S. 287, Anm. 2.
® Vgl. Pflugs Werbung oben no. 148.
“ Vgl. oben no. 74.
® Vgl. oben no. 124 und no. 134 mit Anm. 1 auf S. 328.