Full text : Bavaria. Landes und Volkskunde des Königreiches Bayern.

Abriß  der  Ortsgeschichte.  1111

gehörige  Obervogteiamt  Apfeltrach  und  das  der  St.  Jakobsstiftung  in  Augsburg
  angehörige  Dorf  Weildach;  ferner  die  Herrschaft  Schwabeck,  die
Ritterherrschaft  Angelberg  mit  Tussenhausen  und  Zeisertshofen,
„die  Herrschaft  Wörishofen,  die  ehedem  zu  St.  Ulrich  in  Augsburg  gehörigen
  Weiler  Erkhausen  und  Hilpoltsberg,  das  dem  Hospital  zu  Augsburg
  angehörige  Amt  Mittelneufnach,  die  Güter  Schloß  Mathsies,
Osterettringen  und  Traunried  und  die  österreichisch  landeshoheitliche
Lehenherrschaft  Wald  (früher  Irmannshofen)  und  endlich  die  Fuggerische
Herrschaft  Kirchheim.

Hier  folgen  die  geschichtlich  bedeutsamern  Orte  des  Amtsbezirkes  in  alphabetischer
  Ordnung:

Mindelheim?),  Herrschaft  und  Stadt,  scheint  nach  den  Münzenfunden,
  Urnen  und  Grabhügeln  den  Römern  nicht  unbekaunt  gewesen  zu  sein.
Doch  bestimmte  Nachweise  über  das  Alter  der  Stadt  stehen  uns  nicht  zu
Handen;  auch  welchem  Gaue  der  Ort  angehört  habe,  wenn  wir  ihm  ein  so
hohes  Alter  zugestehen  wollen,  wird  sich  ebenfalls  schwer  ermitteln  lassen,  da
das  im  sogen.  Duriagau  gelegene  Mindelheim  kanm  unser  Mindelheim  sein
dürfte,  welches  wir  eher  im  Augustgau  suchen.  Nach  Raiser  ?)  gehörte  der
später  sich  budende  dynastische  Bezirk  Mindelheim  zu  den  großen  den  Augustund
  Keltensteingau  umfassenden  alemannischen  Reichs-Amtslehn  der  Welfen,
  aus  welchen  im  Laufe  der  Zeit  theils  durch  geleistete  Dienste,  theils
durch  Kauf  oder  Heirath  Allode  und  selbstständige  Herrschaften  entstanden.
In  der  nun  so  gebildeten  Herrschaft  Mindelheim  findet  sich  zuerst  ein  Reisensburger
  Zweig,  welcher  von  den  Arnulf'schen  Nachkommen  zu  Reisensburg  bei
Günzburg  abstammte  und  wahrscheinlich  durch  Familienverbindung  von  weiblicher
  Seite,  zu  diesem  Welf'schen  Besitzthume  gelangte.  Diese  Verzweigung
reicht  nun  bis  zu  dem  Welfen,  dem  Augsburger  Bischofe  Wicterp  hinaufs,
der  zu  Epfach  seinen  Sitz  hatte,  da  noch  später  Autheile  an  Epfach,  als:
taberna,  jucicium  et  nemora  und  der  mit  der  Straße  abgegangene  Zoll
von  Mindelberg  aus  zu  Lehn  gingen.  Im  Jahre  1067  erscheint  ein  Swigger,
  welcher  Lamendingen  7)  und  Raunau’)  dem  Stifte  St.  Peter  am  Perlach
  in  Augsburg  schenkte,  dessen  Nachkommen  im  Mindelthal  zwischen  Mindelheim
  und  Pfaffenhausen  die  Burg  Mindelberg  bauten.  Von  diesen  jetzt
vielfach  urkundlich  vorkommenden  Swiggern  von  Mindelberg  stiftete  einer
1250  die  Wilhelmiten  in  Bedernau,  welche  1263  nach  Mindelheim  versetzt
wurden  und  Augustins  Regel  erhielten,  sich  aber  schon  1526  auflösten,  da
Dr.  Martin  Luther  bei  seinen  öftern  Besuchen  daselbst  sie  für  seine  Rich- 



1)  Sieh  statistische  Beschreibung  der  Stadt  Mindelheim  von  Trieb  und  Seybold.
:)  Raisers  Wappen  2c.  S.  93  und  94.

1)  S.  1083  dieses  Bandes.

1)  S.  1092  d.  Bdes.