Full text : Politische Geschichte der Gegenwart. V Das Jahr 1871. (5)

174  Einsetzung  der  Commune.

von  250,000  Wählern  gieng  die  Liste  der  Socialisten  durch.  Sie
erhielten  von  180,000  abgegebenen  Stimmen  120,000.  Das  schließliche
  Resultat  wäre  freilich  das  nämliche  gewesen,  auch  wenn  sie  bei
diesen  Wahlen  nicht  gesiegt  hätten.  Sie  hätten  in  diesem  Falle
sicherlich  die  Gewalt,  welche  sie  am  26.  auf  legalem  Wege  erhielten,
  am  27.  auf  illegalem,  durch  die  Abstimmung  der  Kanonen,  sich
verschafft.  Es  sollten  94  Mitglieder  gewählt  werden.  Von  den
Gewählten  nahmen  nur  62  und  bei  den  Nachwahlen  am  16.  April
17  die  Wahl  an,  so  daß  die  Commune  von  da  an  aus  79  Personen
  bestand.  Unter  diesen  befanden  sich  Blanqui,  Assy,  Pyat,
Flourens,  Delesceluze,  die  anderen  trugen  unbekannte  Namen.  Am
28.  März  wurde  die  Commune  auf  dem  Platz  vor  dem  Stadthause
unter  Artilleriesalven  feierlich  proklamirt.  Dieselbe  eröffnete  ihre
Thätigkeit  und  hielt  gleich  am  29.  März  ihre  erste  Sitzung.  Das
Centralcomité  sollte  nun,  wie  es  auch  in  seiner  Proklamation  vom
25.  versprochen  hatte,  seine  Thätigkeit  einstellen  und  sich  auflösen.
Es  legte  am  28.  scheinbar  seine  Macht  in  die  Hände  der  Commune
  nieder,  um  unter  der  Präsidentschaft  Assy's  sich  neu  zu  organisiren
  und  eine  Rebenregierung  zu  bilden,  deren  Mitglieder  zum
Theil  auch  in  der  Commune  saßen.  Neben  und  über  diesen  zwei
Regierungen  stand  als  leitende  Macht  das  Comité  der  Internationalen.
  Dieses  sandte  in  die  größeren  Städte,  nach  Lyon,  Marseille,
  Toulouse  und  in  die  großen  Industriebezirke  ihre  Agenten,
umdie  socialistische  Republik  und  die  Commune  auch  dort  zu  proklamiren
  und  eine  Föderation  der  Städte  gegen  die  Landbevölke-=rung
  zu  Stande  zu  bringen.  Die  Gefahr  für  Frankreich  war  groß.
Doch  erwies  sich  in  diesen  Städten  das  Bürgerthum  stärker  als
das  Arbeiterthum.  Blanqui,  die  Seelc  der  socialistischen  Comité's,
  eilte  am  19.  März  in  das  fabrikreiche  St.  Etienne,  erregte
dort  einen  Aufstand,  wurde  aber  gleich  darauf  verhaftet.  Auch  in
Lyon,  Marseille,  Toulouse,  Narbonne,  Perpignan  fanden  socialistische
Aufstände  statt;  doch  wurden  sie  von  den  sich  zusammenraffenden
Bürgern  unterdrückt,  und  am  1.  April  konnte  die  Regierung  in
Versailles  verkündigen,  daß,  außer  in  Paris,  die  Ruhe  überall  wiederhergestellt
  und  die  gesetzmäßige  Regierung  anerkannt  sei.

Diesen  Bewegungen  gegenüber  hatten  die  deutschen  Behörden
in  den  occupirten  Gebieten  Frankreichs,  besonders  die  Kommandanten
  der  in  den  nordöstlichen  Forts  befindlichen  Truppen  eine  sehr