— 315 —
sämtlichen Getreidearten von 50% gegenüber dem Februar 1916.
Dies gibt bei einer dem Januar entsprechenden Verteilung der
Gesamtmenge auf die einzelnen Getreidearten angesichts der Preissteigerung,
die inzwischen eingetreten ist, ungefähr die gleiche
Einfuhrmenge wie im Vorjahre. In Anbetracht der stark zurückgegangenen
Getreideverschiffungen Amerikas und angesichts der
geringen Menge, die aus Australien und Indien angekommen sein
kann, ist dieses Ergebnis wenig glaublich. Wir dürfen annehmen,
dass der März eine weitere Verschlechterung gebracht hat und
dass heute, in einer Zeit, wo wir uns dem Dreiwochenbestand an
sichtbarer Ware nähern, die englischen Vorräte geringer sind als
in den Vorjahren.
Die Engländer selbst bestätigen dies. Lloyd George hat ım
Februar gesagt, die britischen Getreidevorräle seien geringer als
jemals seit Menschengedenken. Ein hoher Beamter des englischen
Landwirtschaftsministeriums, Sir Allwyn Fellowes, hat Anfang April
in einer landwirtschaftlichen Versammlung hinzugefügt, er fürchte,
dass infolge des für England überaus ernsten U-Bootkrieges diese
Lage sich noch erheblich verschlechtert habe.
Captain Bathurst vom britischen Kriegsernährungsamt hat
kürzlich, am 19. April, ausgesprochen, der gegenwärtige Verbrauch
an Brotstoffen gehe um 50% über die vorhandenen und in Aussicht
stehenden Vorräte hinaus. Eine Herabsetzung des Brotverbrauchs
um ein volles Drittel sei notwendig, um durchzukommen.
Kurz zuvor hatte Mr. Wallhead, der Abgeordnete für Manchester,
auf der Konferenz der unabhängigen Arbeiterpartei fin
Leeds ausgeführt, nach seinen Informationen werde sich England
in 6 bis 8 Wochen im Zustande völliger Hungersnot befinden.
Die Krisis, in der England sich befindet — wir können es
heute schon ruhig eine Krisis nennen — wird verschärft durch
die Tatsache, dass die Versorgung Englands mit den andern wichtigen
Nahrungsmitteln sich gleichfalls ungünstig gestaltet hat.
Die Fleischeinfuhr zeigt im Februar 1917 den niedrigsten
Stand seit Jahren mit der einen Ausnahme des September 1914.
Der starke Rückgang der Buttereinfuhr — im Februar 1917
nur halb so viel als im Vorjahr — wird durch die von England