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und indeß überhaupt in Teutschland, selbst die Religionsfreiheit
der neuen Partie noch gar,nicht gesichert war, drohte
derselben wenig Gefahr mehr in den aufgeklärtern Cantons.
Auch schien Calvins Meinung in Ansehung der Abendmahllehre
gerade ein Vereinigungspunct der Lutherischen und Zwinglischen
Partie zu seyn; er genoß also auch manche Neutralitätsvortheile,
die er desto trefflicher benützen konnte, da interimistische
Streitigkeiten die Lutherische Kirche verwüsteten,
und der einzige Freund Luthers, der sich allgemeine Hachachtung
durch seine Gelehrsamkeit erworben hatte, selbst von
der Lutherischen Partie verläumdet wurde. Die neue Univer-1558
sitaͤt Genf wurde also in kurzem, was ehmals Wittenberg
gewesen war, und selbst der melancholisch cholerische Eifer
Calvins, so inquisitorisch er zu seyn schien, hat dem Aufkommen
derselben nicht so viel geschadet, als man befürchten
sollte. · « ·
Calvin ist ein warnendes Beispiel eines Temperamentstheologen.
Daß ein so aufgeklärrer Mann trotz seiner soust
vortrefflichen Eregese, trotz allem, was Verstand und Herz
jedem Menschen von Gottes Güte sagt, auf die Meinung
einer göttlich willkührlichen Prädesiination gewisser Menschen
zum ewigen Verderben gerathen konnte, ist ein trauriger Beweis,
wie sehr oft unsere Ueberzeugungen durch viele zufällige
äußere Umstände bestimmt werden. Noch trauriger, aber,
daß eine solche Meinung je einen gewissen allgemeinen
Schwung bekommen konnte, und daß Calvin einen ihm an
Gelehrsamkeit und großem Geisie fasi gleichen Schüler fand,
welcher dieser Jdee hartnäckig treu blieb. Theodor Beza
vollendete, was Calvin angefangen hatte.