Zweite Theilung Polens. 481
tapfern Widerstand, doch schon wenige Tage darauf trat der König
Stanislaus zur Conföderation über, und ganz Polen wurde von den
russischen Truppen überschwemmt. In Folge dessen wurde auf dem
im September zu Grodno eröffneten Reichstage die Verfassung vom
3. Mai 1791 aufgehoben und das alte Wahlreich wiederhergestellt.
Sachsen hatte sich ebensowenig als Oesterreich bewegen lassen,
den Polen Hülfe zu bringen, Preußen aber hatte erklärt, daß es keinen
Antheil an dem Entwurfe der neuen Verfassung gehabt habe und
also auch nicht verpflichtet sei, für dieselbe einzustehen. Vielmehr
schloß es sich jetzt insgeheim an Rußland an. Bei Beginn nämlich
des inzwischen ausgebrochenen Krieges mit Frankreich hatte Preußen,
um Entschädigung für seine Leistungen zu erhalten, sein Augenmerk
auf Erwerbung einer polnischen Provinz gerichtet, und Oesterreich
nach längeren Verhandlungen ihm diese zu überlassen versprochen
falls Preußen dafür gestatte, daß es selber seinen früheren Plan,
Belgien gegen Bayern auszutauschen, jetzt durchführe. Inzwischen
hatte auch Rußland, dem Oesterreichs Hinneigung zu Polen und des
Kaisers Leopold Bündniß mit Preußen schwer zu überwindende
Hindernisse in Bezug auf seine polnischen Pläne in den Weg stellte,
mit letzterer Macht zu unterhandeln angefangen und Vergrößerung
in Polen versprochen, falls man es selber dort frei gewähren lasse.
In Folge dessen schlossen beide Mächte ein Bündniß am 7. August
1792, und Preußen ließ unter dem Feldmarschall v. Möllendorf
nach einer Erklärung vom 6. Januar 1793 eine Armee in Polen einrücken
und die Woiwodschaften Gnesen, Posen und Kalisch besetzen,
um „die übelgesinnten Aufwiegler und Ruhestörer zu unterdrücken
und die Ruhe und Ordnung wiederherzustellen.“ Nachdem
dann am 23. Januar der Theilungsvertrag ohne Wissen Oesterreichs
abgeschlosien, wurde noch in demselben Monat auch Thorn, im
April Danzig besetzt, und die Bewohner der unterworfenen Gebiete
mußten im Mai Preußen huldigen. Der darauf im Juni zu
Grodno eröffnete Reichstag bewilligte, wenn auch mit Widerstreben,
die Abtretungen an Rußland, verweigerte aber lange die preußischen
Forderungen, da Oesterreich, insbesondere über Preußens Haltung
aufgebracht, ihn in diesem Widerstande bestärkte; erst im September
1793 wurden sie ihm unter Anwendung der gewaltsamsten Maßregeln
abgerungen. Während Rußland die 4000 Quadr.-Meilen
große Osthälfte von Polen in Besitz nahm, erhielt Preußen das Land
westlich der Linie, welche von der Mündung der Bzura in die Weichsel
nördlich bis zur altpreußischen Grenze, südlich bis zur Pilica gezogen
wurde; diese neue Erwerbung erhielt den Namen „Süd-Preußen “.
Polen war durch diese neuen Verluste auf etwa ein Drittel seiner
ursprünglichen Größe reducirt, und mußte überdies im October ein
Bündniß mit Rußland eingehen, durch welches es ganz in dessen Abhängigkeit
gerieth, und sich verpflichten, sein Heer auf 15,000 Mann
zu vermindern. Eine große Anzahl unzufriedener Polen verließ das
Voigt, F. Geschichte. 3. Aufl. 31