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9, 187. — Gesieder, n., mhd. geviclere. Gesamtheit von
Federn; eines Vogels, besonders Flügel, bildlich: hoch
herauf bis zu mir trägt keines windes geficcer don
verlorenen schall Schiller Spaz. 184; auch getieder
eines bettes. Bettfedern, eines pfeils; auf künstliche
Federn übertragen, gefieder, stählerne Federn und anderes
Eisenwerk an einem Gewehr Jacobsson; — Gesamtheit
von Gefiederten, Vögel: hör ieh jetzund das ge-Hüeder
das in seinen hüusern singt Finkelthaus A7:;
dem herrn gehört das wild und das geßcder Schiller
Tell 3, 3; das gesieder (Enten im Pfuhl) Immermann
Münchh. 2, 12. — Gefilde, n. freies Feld in seiner Ausdehnung,
ahd. gaßldi, mhd. gevilde: das gefilde der
Moabiter 4. Mos. 33, 48; man wird geben im ganzen
lande umb, wie auf einem geßilde Sacharja 14, 10; jetzt
noch Wort der dichterischen Rede: sci willkommen, kriedliches
gefilde Schiller Räub. 4, 5; das nüchtliche getild
(der Unterwelt) Kl. der Ceres.
Geflecht, n. Flechtwerl: cr##es ein gellecht Dief.;
gefleehte ple-rus Steinbach; geflecht der haare, ein
geflecht von scidenfüden; stroh-, binsen-, korbgeflecht;
frei dorngetlecht von dichtem Dorngebüsch. — geflissen,
s. fleiszen. — Gefliffenhcit, f. geflissene Art: ihr maehte
er den hof mit der grösten geflissenheit Schiller
3, 535. — geslissentlich, in geflissener Art, mit Absicht
und Eifer (für geslissenlich, wie auch Zimm. Chron.
3, 467 noch steht): du miszverstebest, und geflissentlich
Klinger 1, 415; gesflissentlich in barbarei gehalten
Nanke Päpsle 2, 85. — Gefslügel, n. Gesamtheit von
Vögeln, Federvieh; Umbildung von ahd. gilugili, mhd.
gevogele, dem Sammelwort zu vogel, das auch im
16. Ih. noch als gefugel nhd. erscheint (kain flaisch oder
gelugel Zimm. Chr. 1, 81; in dem wald wonet gar vil
gesogels Wickram Nachb. 388), aber zu Gunsten der
neuen Form untergeht: von der aigenschalt und nuz
aller kreuter, geflügel, tier, viseh und gewürm Aventin
I. 227; von seltenem geflügel ist die lust .. erfullt
Goethe Tasso 1, 4; im Haushalte geflugel aufzichen,
musten, sebluchten, zubereiten, essen. — geflügelt, mit
Flügeln versehen.
Gefolge, n. Gesamtheit von Folgenden, nachtretende
Begleitung hoher Personen; ahd. als gatolgi bezeugt,
aber erst seit 17. Ih. hervortretend: gefolge, Coz#flacus,
mit einem groszen gefolge kommen Steinbach; kaiserliches,
furstliches, groszes, kleines gefolge; übertragen:
das laster mit seinem schädlichen gesolge Gellert bei
Adelung; miszwachs hat hungersnot im gelolge; im
gelolge ursächlich und zeitlich gewendet (bei Adelung
ingefolge für zutolge als oberdeutsch): man erzurnt sich,
man ubereilt sich und in gefolg von dem .. kann es
wobl kommen, dasz man gelegentlich einen todt schlägt
Goethe Wahlverw. 2,18; glaubensbekenntnis. velehes
im gefolge des tridentinischen coneils bekannt gemacht
worden Ranke Päpste 2, 40; im gelolge der
kriegsereignisse kehrten sie (die Jesuiten) nun . zurück
108. — Gesolgschaft, k. das Folgen und die Gesamkheit
der Folgenden; zunächst als Ubersetzung des lat. com#-tatus
im Sinne einer altgerm. Einrichtung: der deutsche
häuptling mit seiner gelolgeschaft Freytag Bild. 1, d0;
dann freier: die ubel, die in der gefolgschaft dicser
einrichtung erschienen Zeitung 1880.
Gefrätzig, viel fressend, unmäßig im Verzehren: gefräszig
und gelräsz, vorcer Henisch; gefrüszige tiere,
menschen; ein gefräsriger bauch Voß 3, 134; gefräsziger
eigennut; Freytag Handschr. 2, 62; srei:
(Zuschneiderin) mit ihrer gefräszigen scheere Goethe
Wanderj. 3, 14. — Gefrcite, m., vgl. freien. — gefrieren,
zusammen oder sest frieren, ahd. gifriosan, mhd. gevriesen;
von Dingen: das wasser, der strom gelriert:
wenn die sece gelrieren wil Eppendorffs Plinius 114;
die (enster gefrieren, sind gefroren; freier: mein innerstes
mark gefror in mir Schiller Ränb. 5,1: der hauch
M. Heyne, Deutsches Worterbuch, I.
Gesieder — gefrieren.
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deines mundes macht mein blut gefrieren Heyse 21,
352; vor dessen bliek die kanmentsprunguen brunnen
des geistes zu stein gefrieren Geibel 5,64; gefroren
beißt der durch Zauberkunst Kugelseste Schiller Wall.
od 5, 2; — unpersönlich: es gefriert, wird diese nacht
gefrieren, hat gefroren. — Gcsrierpunkt, m. am Thermometer
das Zeichen des Nullgrades; bildlich: scine gefühle
für sie waren auf den gefricrpunkt gesunken.
Gessige, n. Zusammensügung und in Fuge Verbundenes:
das spathige getüge gewisser eiscnsteinc.
stcinkohlen welche dicht und fest in ihrem gefuge
sind Adelung als Wort des Bergbaues; stein von
auffallendem strahligem gesuge Freytag Handschr.
1, 335; — von der Verbundenheit eines Banwerks,
balken in festem gefüge; bildlich: das gefüge des kör--Pers,
der secle; das feste gefüge des schildes der vertassung
Bismarck Reden 3, 68.— gefünig, sich fügend,
Erweiterung von älterem gelnge, mhd. gevuege, seit
18. Ih.: gefugig compactilis (neben geluges blech)
Steinbach; gekugige balken Frisch; gern auf Menschen
übertragen, geschmeidig, leicht zu Willen: ein gelugiges
benehmen (neben gesuger mann) Campez;
dasz die beamten .. gefugige diener waren Freytag
Handschr. 2, 320; um den bundestag gefugig zu stimmen
Treitschke 2, 461; wenn ihre liebhaher .. gefugig
sind Rosegger Waldschulm. 81; dazu: wechsel von
gefugigkeit und hochmutb Freytag Erinn. 314.
Gefühl, n. das Fühlen; seit 17. Ih. gebräuchliches
Wort: das fulen, dos gefule Stieler; zunächst körperlich,
als einer der fünf Sinne: das geluble ist ein vermögen
dasjenige siceh vorzustellen, was veränderungen
in unserem leibe verursachet, wenn entweder eörperliche
dinge ihn, oder er sie berluhret Wolssf Ged. von
Gott § 223; in den händen kein, ein feines gefuhl
haben; das gefuhl in den (bszen war ihm vor külte
erstorben; blinden wird durch das gefühl vielfach das
gesicht ersetzt; die durch diesen Sinn erzeugte Empfinbung:
das gefühl der külte, hitze baben; ein prickelndes
gefühl am ganzen körper; — übertragen auf das Seelenvermögen,
ost in Mischung oder Wechsel mit empfindung,
als gefuhl des berzens, der seele, inneres gefübl; dem
erzen voll gefuhls Wieland Idr. 3, 40; und dem
geist, verstand entgegen gesetzt: wo das gefubl nickht
blind, und der verstand nieht taub ist Grillparzer
2, 6; in gehobenem Sinne: nenns gluck! herz liebe!
gott! ich habe keinen namen dafür! gefübl ist alles
Goethe Faust 1; als menschliche, zu Gott hebende
Eigenschaft: mit der menschlichkeit erstem geluhl
werfen sie von sich die blutige wehre Schiller eleus.
Fen; des sreien gefühls göttliehen adel Spaz. 157; der
ugend besonders eigen: das hers gefüllt mir nicht, das
streng und kalt sich zuschlicszt in den jahren des
gelahls Schiller Jungfr., Prol. 2; der davon Erfüllte
ist ganz getuhl Wieland Idr. 3, 11; der Kalle hat
kein gefuhl, der Menschliche vicl gefühl; mit gefühl
einen betrachten, etwas äuszern, vortragen; in vereinzelndem
Sinne, mit näher bestimmendem Zusatz, auch
durch Gen. des Obi.: gelohl der liebe, reue, schum,
trauer, zuneigung, abneigung, des hasses, schmerzes,
abscheues u. s. w.; sittliehes, kunstlerisches, musikalisches,
sprachliches, erbebendes, entmutigendes gefuhl;
in seines niehts durchbohrendem gefuhle Schiller
Karl. 2, 1; es ist für mich ein zu niederdrückendes gekahl
Bismarck Reden s, 191; mein erst geluhl s#i
preis und dank Gellert 2, 110; ein dunkles, deutliches
gefubl; gefuhl fur repräsentation, anstand, schickliehkeit
u. s. w.; auch = Liebe: gabest du zum gefuhl
mir ein zu biegsames herz Klopstock 1, 21; besonders
auch im Plur.: er verrict scine gefuhle für sie; zürtlicher
gesuhle . fähig Schiller Br. v. Mess. 2046.
Das Dim. felten: (Familie) worin nicht ein dunkles
gefühlchen im verborgenen stürmen konnie Keller
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Gesrierpunkt — Gefühl.