Full text : Die Verwaltung der öffentlichen Arbeiten in Preußen.

—  1177  —

es  sich  gar  nicht  so  sehr,  als  darum,  daß  man  katholischer=  wie  protestantischerseits
  die  fürstliche  Libertät  zu  hoch  schätze  und  allein  darnach
seine  Handlungsweise  einrichte.

Wenn  nun  trotz  alledem  in  diesem  Augenblicke  der  Protestantismus
seine  gesamten  Kräfte  hätte  zusammenfassen  wollen  und  können,  so  würde
ihm  zweifellos  der  Sieg  geblieben  sein.  Aber  auch  diese  zum  zweiten
Male  gebotene  günstige  Gelegenheit  wurde  von  den  evangelischen  Fürsten
nicht  ausgenutzt.  Noch  im  Jahre  1542  war  Regensburg  zur  Reformation
  übergetreten,  bald  der  Pfalzgraf  Otto  Heinrich  von  Neuburg
gefolgt;  in  Köln  ließ  sich  der  Erzbischof  Hermann  von  Wied,  der
schon  seit  1515  seines  Amtes  waltete,  durch  Butzer  eine  vermittelnde
Reformation  ausarbeiten,  sein  Suffragan,  der  Bischof  von  Münster,
Minden  und  Osnabrück,  war  bereit,  seinen  Spuren  zu  folgen,  Herzog
Wilhelm  von  Jülich-Cleve  nahm  das  Abendmahl  unter  beiderlei  Gestalt
—  aber  nun  waren  die  Städte,  die  am  Bunde  teilnahmen,  eifersüchtig
und  mißtrauisch  gegen  die  überwiegende  Gewalt  der  Fürsten;  Luther
wollte  nichts  von  dem  „langen  und  großen  Gewäsche“  des  „Klappermauls“
  Butzer  wissen,  und  vor  allem:  der  schlimmste  Wurm,  der  an
dem  Ganzen  nagte,  war  doch  jener  regensburger  Vertrag  von  1541,
jener  Vertrag  des  Landgrafen  mit  Habsburg  betreffend  die  jülich-clevesche
Angelegenheit.  Auf  dem  Reichstag  zu  Nürnberg,  der  im  Jannar  1543
zusammentrat,  konnten  die  Protestanten  zwar  manche  Zugeständnisse
bei  der  noch  immer  andauernden  Zwangslage  der  Reichsoberhäupter
ertrotzen,  aber  es  waren  immerhin  nur  Zugeständnisse,  auf  Zeit.  Und
gerade  während  dieser  Verhandlungen  beantragte  Herzog  Wilhelm  von
Jülich  seine  Aufnahme  in  den  Bund  und  sah  sich  abgewiesen;  gerade
hier  ließ  Moritz,  der  persönlich  als  vorsichtiger  Mann  nicht  erschienen
war,  durch  seinen  Christoph  von  Carlowitz  mit  Granvella  über  seinen  Anschluß
  an  die  kaiserliche  Politik  verhandeln.  Bescheiden  waren  seine
Forderungen  nicht  zu  nennen:  er  verlangte  die  Vogtei  über  die  Stifter
Magdeburg  und  Halberstadt  und  den  erblichen  Besitz  von  Meißen  und
Merseburg.  Granvella  war  freigebig  mit  Versprechungen,  aber  auch
Moritz  verpflichtete  sich  ohne  Gegenleistung  zu  nichts.  Als  dann  im
Juni  1543  von  den  Verbündeten  ein  Tag  zu  Schmalkalden  angesetzt
war,  kam  er  nicht  selbst,  war  aber  erbötig,  ihn  durch  einige  seiner
Theologen  zu  beschicken.  Man  erkennt  unschwer  eine  gewisse  Ironie  in