Full text : Briefe und Akten zur Geschichte des Dreissigjährigen Krieges. Neunter Band. (9)

[Mai
Ende.]

518  1611  218.

werden,  könten  sie  mich  nicht  schützen.  Auf  welches  ich  noch  mehr
bedenken  geschöpfet  und  gesprochen:  ich  will  mich  bedenken;  ha
mich  hin  und  wieder  bedacht  und  da  ich  jemals  gewilliget  oder  hett
wollen  zu  diesem  facto  helfen,  wolte  ich  wol  leute  gefunden  haber.
die  umb  das  gelt  (des  ich  nit  hette  sparen  durfen)  solches  gethas:
dann  an  dergleichen  bösen  leuten  würde  es  nit  gemangelt  haben,  di
ich  mein  gemüt  dazu  hette  setzen  wollen,  welches  ich  auch  umt
das  gewissen  und  meiner  seelen  seeligkeit  willen  nit  gethan.  Tm
ist  wieder  die  sach  verschoben  worden.

Weil  aber  ich  sein  gemüt,  begierd  und  willen  gewust,  danebes
seinen  zorn  und  ungnade  gefürcht,  bin  ich  doch  von  der  zeit  an  ır
denen  gedanken  umbgangen,  wie  und  auf  was  mittel  und  wege  xt
möge  den  kaiser  zufrieden  halten,  dass  gleichwol  kein  schade  erfolge
Ist  auch  niemals  mein  gemüt,  will  und  sinn  gewesen,  solches  halfeı
zu  effectuiren  dem  könig  zu  schaden  und  nachteil;  darauf  will  ic
leben  und  sterben  und  bei  meiner  seeligkeit  bezeugen.

Ist  also  verblieben,  bis  I.  M.‘  mich  selbst  zu  verschicka
entschlossen,  wie  ich  dann  gestern  schriftlich  referirt,  dabei  ick
beruhen  lasse.  Allein  dieses  noch  zu  melden,  dass  ich  umb  met
gelt  ein  niederlendische  leinwath  gekauft,  das  allein  in  der  meinum
und  intention,  wann  je  der  kaiser  von  mir  nit  wolte  nachlassen  (wit
dann  nach  meiner  wiederkunft  vielmals  geschehen  und  gefragt  worden,
ob  ich  noch  nichts  bekommen),  ich  davon  ein  facilet  machen  lassen  (wie
mein  weib  weiss),  ich  ihms  geben  könt  in  bedenken,  I.  M.!  fanger
damit  an,  was  sie  wollen,  mag  es  doch  dem  könige  nit  schaden  unl
[hab]  dieses  böse  factum  durch  den  weg  verhüten  wollen  und  bei  mir
vermeint,  auch  geschlossen:  es  sei  besser,  ein  solchen  weg  zu
gebrauchen  als  dass  dem  könig  was  böses  wider  Gottes  gebot  uni
christliche  liebe  widerfahre;  dann  ich  oftmals  genugsam  aus  allerlei
circumstantiis  conjecturirt  und  abgenommen,  dass  I.  ksl.  M.!  gemät
und  affection  alzeit  wider  den  könig;  dann  mir  nit  wissend,  das
einmal  I.  M.'  den  könig  einen  brudern  oder  könig  gegen  mir  genenne
hette,  will  auch  forthin  nit  gern  glauben,  dass  des  kaisers  gemüt
oder  herz  nisi  singulariı  et  divino  miraculo  sein  lebenlang  möcht
zum  könig  sezon  oder  von  herzen  vereinigen  sondern  mittel.  sucher.
verfolgung  anzurichten.

Wie  mir  dieser  dienst  alhie  verdriesslich,  schwer  und  schmerzlich
furkommen  sei,  weiss  niemand  besser  als  Gott  in  himmel,  dem  ichs
klage.  Es  werden  auch  die  zeugen,  so  mit  mir  zum  theil  kuntschaft
gehabt  haben,  wie  gern  ich  mich  zu  meiner  facultet  wiederunt
begeben  hette,  die  ich  alhie  also  spöttlich  durch  den  kaiserliche:
dienst  auf  ein  seit  setzen  müssen.  Und  da  mir  auch  Gott  der  all
mechtige  und  die  königliche  M.'  aus  dieser  höchsten  betrübniss,  kummer
und  schmerzen  helfen  werden,  ich  in  das  kaiserliche  schloss  niemal:
mehr  begehr,  so  lang  I.  ksl.  M.*  darin  regieren,  sondern  mit  we
und  kind  mich  in  eine  reichsstadt  oder  ander  ehrlich  ort  begeben  [will