Metadaten : Bismarck und das päpstliche Rom.

lichst  ausschalte,  für  uns  Deutsche,  die  sich  ohnehin  so  leicht
entwurzeln  und  dem  Vaterland  entfremden  ließen,  besonders
gefährlich.  Selbst  wenn  das  Jesuitengesetz  nicht  existierte,
würde  er  es  doch  für  nützlich  halten,  daß  man  Jesuitenmissionen
einstweilen  in  den  Schutzgebieten  nicht  zuließe,  namentlich  keine
französischen.  Ein  Renegat  wie  Pater  Weik  und  ein  Revanche-Elsässer
  wie  Stoffel  wären  gerade  wegen  ihres  ursprünglichen
Deutschtums,  das  sie  aus  freien  Stücken  aufgegeben  hätten,  besonders
  gefährlich.  Als  Jesuiten  und  Franzosen  hätten  sie  den
Befehlen  ihres  von  Paris  aus  geleiteten  Ordens  Folge  zu  leisten.
Wo  bleibe  da  die  Bürgschaft  auch  nur  für  eine  deutsch-freundliche
  Gesinnung?  Man  komme  ihm  nicht  mit  den  Kongo-Akten!
Diese  hätten  auch  die  Engländer  und  Franzosen  unterschrieben,
ohne  sich  deswegen  ihre  nationalen  Kreise  stören  zu  lassen.
Immer  wieder  betonte  Bismarck,  daß  es  sich  um  einefranzösische
  Mission  handle,  wie  sie  in  den  amtlichen  Aktenstücken
stets  auch  bezeichnet  worden  war.

Angesichts  dieses  so  wohldokumentierten  Tatbestandes  war
die  Position  des  Zentrums  eine  so  heikle,  daß  Windthorst
selbst  aufs  ‚Seil  stieg.  Er  bestritt,  daß  die  Abweisung  des  Gesuchs
der  beiden  harmlosen  ‚Deutschen‘‘  eine  ‚„gesetzliche‘‘  Grundlage
habe.  Zugleich  brach  er  wieder  einmal  eine  Lanze  für  seine
lieben  Jesuiten,  indem  er  daran  erinnerte,  wie  Friedrich
der  Große  und  Katharina  von  Rußland  die  Jesuiten  unter  ihren
Schutz  genommen  hatten.  Die  Anschauungen  über  diese
hätten  sich  merkwürdigerweise  gleichzeitig  in  Rußland  und  in
Preußen  geändert,  —  so  groß  sei  der  Einfluß  des  Fürsten  Bismarck
  in  der  Welt!  Er  sei  überzeugt,  daß  Bismarck  selbst  und
viele  andere  noch  dahin  kommen  würden,  dringend  zu  wünschen,
daß  die  Gesellschaft  Jesu  ihre  Tätigkeit  in  Deutschland  wieder
aufnehme,  um  der  Auflösung  aller  Verhältnisse  vorzubeugen.
„Wenn  niemand  die  Jesuiten  zurückbringt,  —  die  Sozialdemokraten
  werden  es  sicher  tun.‘  Zur  Bekämpfung
dieser  werde  man  jene  zurückrufen.

Bismarck  replizierte,  indem  er  zunächst  wieder  vor
der  advokatorischen  und  rethorischen  Kunst  Windthorsts  die
Segel  strich.  Bezüglich  der  Jesuiten  aber  war  er  diametral
entgegengesetzter  Auffassung.  Auf  Herrschaft  und  zwar  weltliche
  Herrschaft  gerichtet,  hätten  sie  es  von  jeher  mit  der
Macht  gehalten.  Heutzutage  hätten  die  Monarchen  und  die