198 Rechts= und Erbfähigkeit der nondum concepti.
jenen anzunehmen, in welchen dem Erblasser die Einsetzung
der Nachkinder zur Pflicht gemacht ist.
Mit jeder Pflicht muß ein Recht concurriren.
Das der Pflicht entsprechende Recht der Anfechtung
des betreffenden Testaments gebührt nur dem jam
conceptus. Nur ihm steht, wie oben ausgeführt,
ein gesetzliches Erbrecht und die Befugniß zu, eine
dasselbe beeinträchtigende letztwillige Verfügung anzufechten.
15) Schon hieraus ist füglich ersichtlich,
daß die Zulassung der testamentarischen Erbeinsetzung
der „postumi“ nur die jam concepl# betrifft und
daß die nondum concepti, wie sie nicht Intestaterben
sind, auch nicht ex testamento in den Nachlaß
des Testators als Erben succediren können.
Diese These wird weiter erwiesen durch folgende
Gründe.
Die Principien über den Erwerb von Rechten,
über Rechts= und Erbfähigkeit gelten nicht einseitig
für die Intestaterbfolge, sie sind allgemeine Rechtssätze,
maßgebend für jeden Rechtserwerb ohne Rücksicht
auf den Erwerbsgrund; dieselben sind sohin
auch anzuwenden auf die Testamentserbfolge. Zwischen
ihr und der Intestaterbfolge bestand in der hier
fraglichen Richtung nur der Unterschied, daß letzterer
lediglich der Moment des Todes des Erblassers für
die Erbfähigkeit relevant war, bei ersterer auch der
Zeitpunkt der Testamentserrichtung (I. 49 D. 28, 5).
Nach strengem jus civile konnte ein zur Zeit
der Testamentserrichtung noch nicht Geborner überhaupt
nicht instituirt werden, mag er gleich noch bei
Lebzelten des Testator geboren worden sein. Die
(per virilem sexum); I. 17 D. 30, 1, 1. 5 D. 37, 1.
1. 9 Cod. 6, 26, 1. 2 Cod. 6, 29.
15) 1. 1 u. 3 Cod. 6. 29, 1. 30 Cod. 3. 28, 1. 30 §. 2
D. 29, 2. 1. 84 1. c. .