Full text : Politische Geschichte der Gegenwart. V Das Jahr 1871. (5)

Der  Freundeskreis  des  Königs  und  die  Societät.  253

keinem  Sinne  den  Gelehrten  zugerechnet  werden,  wenn  sie  auch
geistreich  und  beweglich  genug  waren,  um  an  jenen  Unterhaltungen
Theil  zu  nehmen,  in  denen  wissenschaftliche  Fragen  leicht  und
gefällig  besprochen  wurden.  Der  König  wusste  ganz  genau,  wie
weit  das  Können  eines  Jeden  reichte  und  wies  ihnen  darnach  —
nicht  selten  zur  schmerzlichen  Enttäuschung  der  Betheiligten  —
ihre  Plätze  im  Öffentlichen  Leben  an.

Nieht  ebenso  sicher  war  sein  Urtheil  in  Bezug  auf  die  Ausländer.
  Der  erste,  an  den  schon  am  4.  Juni  der  Ruf  erging,  war
der  Italiener  Francois  ALcarorrı',  der  im  Herbst  1739  in  Rheinsberg
gewesen  war.  Als  Verfasser  eines  FOXTENELLE  gewidmeten  Werks
»Newtonianisme  pour  les  dames«  (1736)  und  als  Eleve  VoLTaıirr’s
wurde  er  von  Frıeprıcn  ausserordentlich  überschätzt”;  später  hat
er  den  »unbeständigen  Schmetterling«  richtiger  zu  würdigen  gelernt.
Aber  so  lange  und  so  oft  er  den  persönlichen  Umgang  mit  Vor-TAIRE
  entbehren  musste,  schien  ihm  ALcAroTTı  der  beste  Ersatz  zu  sein,
und  wirklich  zeiehnete  sich  der  Italiener,  der  sein  Wissen  stets  in
kursfähiger  Münze  bei  sich  trug,  durch  eine  ungewöhnliche  Klarheit
und  Schlagfertigkeit  des  Geistes  aus  und  war  durch  seine  mannigfaltigen
  Kenntnisse  zum  Gesellschafter  des  Königs  wie  geschaffen.
Doch  liess  er  sich,  weil  der  König  seine  ehrgeizigen  Hoffnungen
auf  eine  glänzende  Diplomatenlaufbahn  nicht  erfüllte,  nicht  dauernd
an  Berlin  fesseln;  die  Akademie  hat  ihm  wenig  zu  verdanken.

VOLTAIRE  war  zunächst  unerreichbar;  aber  er  suchte  im  Voraüs
Beschlag  auf  die  neue  Schöpfung,  die  Akademie,  zu  legen;  hatte
ilım  doch  Frırvrıcn  in  seinem  Traume  ein  glänzendes  und  schmeichelhaftes
  Bild  seiner  Zukunft  gezeigt:  VOLTAIRE,  eine  Gelehrtenrepublik
regierend!  Am  18.  Juni  1740  schrieb  er  dem  König’:

»Je  demanderai  encore  une  autre  gräce  a  V.M.;  c’est.  quand  elle  aura  fait
«else  nouvel  etablissement,  qu’elle  fait  fleurir  quelqu’un  des  beaux  -arts,  de  daigner
nr’en  instruire,  car  ce  sera  ın'apprendre  les  nouvelles  obligations  que  je  lui  aurai.
1  ya  un  mot,  dans  la  lettre  de  V.M.,  qui  m’a  transporte;  elle  ıne  fait  esperer
une  vision  beatifique  cette  annee.  Je  ne  suis  pas  le  seul  qui  soupire  apres  ce  bonheur.
  La  reine  de  Saba  voudrait  prendre  des  ınesures  pour  voir  Salomon  dans  sa
gloire.  J’ai  fait  part  aM.  de  KEvserLinsK  d’un  petit  projet  sur  cela:  mais  j’ai  bien
peur  qu'il  n’echoue.«

!  (Euvres  T.ı8  p.ı5.  Der  ganze  Brief  lautet:  »Mon  cher  ALgarorTrı,  mon  sort
a  change.  Je  vous  attends  avec  impatience;  ne  ne  faites  point  languir.  FEDERrıc.«

®  (Euvres  T.ı7  p.67  vom  2.  September  1740  schreibt  Frıeprıcn  an  JORDAN
ans  Wesel:  »MAarpErTUIs  est  arrive,  joli  garcon.  aimable  en  compagnie,  cependant
de  cent  piques  inferieur  a  ALGaroTTrI«.

®  (Euvres  T.22  p.7.