Full text : Deutsches Kolonialblatt. XXVIX. Jahrgang, 1918. (29)

2

14.
15.

G  256  20

.  Als  Verwundung  gelten:  Alle  äußeren  oder  inneren  Verletzungen  durch  unmittelbare  und

mittelbare  Einwirkung  von  Kampfmitteln  ohne  Rücksicht  auf  die  Schwere  der  Verletzung.
Verletzungen  infolge  unvorsichtiger  und  leichtsinniger  Handhabung  der  eigenen  Waffe  rechnen
nicht  dazu.

.  Den  Verwundungen  sind  gleichzuachten:  alle  sonstigen  Gesundheitsbeschädigungen  Angehöriger

im  Felde  stehender  oder  vorübergehend  außerhalb  des  Kriegsgebietes  verwendeter  mobiler
Verbände,  vorausgesetzt,  daß  diese  Gesundheitsbeschädigungen  durch  die  besonderen  Gefahren
des  Kriegsdienstes  hervorgerufen  oder  verschlimmert  sind  und  lediglich  aus  diesen  Gründen  die
Entlassung  aus  dem  Kolonial-Militärdienst  zur  Folge  haben.

.  Wenn  eine  Entlassung  aus  dem  Kolonial-Militärdienst  bei  Gesundheitsbeschädigung  im  Laufe

des  Krieges  hätte  erfolgen  müssen,  infolge  der  eigenartigen  Verhältnisse  aber  nicht  erfolgen
konnte,  sondern  erst  nach  Abschluß  der  Kampfhandlungen  ausgesprochen  wird  und  die  übrigen
unter  Ziffer  4  gestellten  Bedingungen  erfüllt  sind,  so  kann  das  Abzeichen  ebenfalls  verliehen
  werden.

In  Zweifelsfällen  entscheidet  eine  beim  Kommando  der  Schutztruppen  zu  bildende
Kommission,  die  aus  zwei  Offizieren  und  einem  Sanitätsoffizier  besteht.

.  Mehrfache,  bei  der  gleichen  Kampfhandlung  erlittene  Verwundungen  —  Ziffer  3  —  gelten

als  einmalige  Verwundung,  es  sei  denn,  daß  die  spätere  Verwundung  nach  erneuter  Beteiligung
  am  Kampfe  eingetreten  ist.  Rückfälle  derselben  Gesundheitsstörung  —  Ziffer  4  —  gelten
nicht  als  neue  Beschädigung.

.  Als  Unterlagen  für  die  Verleihung  haben  die  Eintragungen  in  die  Kriegsranglisten,  Kriegsstammrollen

  oder  in  sonstige  amtliche  Listen  zu  dienen;  Voraussetzung  ist  jedoch,  daß  ärztliche
Behandlung  notwendig  war.  In  Fällen,  in  denen  infolge  Fehlens  von  Arzten  glaubhaft
nachgewiesen  wird,  daß  die  Behandlung  durch  andere  Personen  stattgefunden,  oder  daß  der
Betreffende  sich  selbst  behandelt  hat,  ist  die  Voraussetzung  als  erfüllt  anzusehen.

.  Das  Abzeichen  wird  verliehen:

a

—

an  Offiziere,  Beamte  und  Mannschaften  durch  die  Kommandeure  der  Schutztruppen  bzw.

die  Führer  der  Landesverteidigungstruppen  oder  deren  Stellvertreter;

b)  an  Offiziere,  Beamte  und  Mannschaften,  die  sich  im  neutralen  Auslande  —  ausschließlich
Spanien  —  oder  in  der  Heimat  befinden,  durch  den  Kommandeur  der  Schutztruppen;

e)  in  Zweifelsfällen  entscheidet  der  Kommandeur  der  Schutztruppen;  "5

d)  an  dienstältere  Offiziere  bzw.  Beamte  als  der  Kommandeur  der  Schutztruppen  und  im

Zweifelsfall  hinsichtlich  des  zuständigen  Vorgesetzten  wird  das  Abzeichen  durch  den

Reichskanzler  verliehen.

Trageweise:  auf  der  linken  unteren  Brust.
.  Es  verbleibt  bei  der  Entlassung  dem  Träger  und  darf  auch  an  der  bürgerlichen  Kleidung  in

gleicher  Weise  getragen  werden.

Über  die  Verleihung  ist  von  den  unter  Ziffer  8  genannten  Vorgesetzten  ein  gestempeltes  Besitzeeugnis

  in  einfachster  Form  auszustellen  und  dem  Beliehenen  auszuhändigen.  Außerdem
ist  der  Besitz  in  die  Kriegsrangliste,  die  Kriegsstammrolle,  die  Personalpapiere  der  Offiziere
und  die  Militärpapiere  der  Mannschaften  —  bei  den  schon  Entlassenen  durch  die  Bezirkskommandos
  —  einzutragen.

Widerrechtliches  Tragen  des  Abzeichens  zieht  gerichtliche  Bestrafung  nach  sich.  Zu  Unrecht

verliehene  Abzeichen  können  durch  die  dem  Verleiher  vorgesetzte  Dienststelle  wieder  entzogen
werden.  Diese  Dienststellen  entscheiden  auch  in  Zweifelsfällen,  ob  die  Bedingungen  für  die
Verleihung  des  Abzeichens  —  Ziff.  3  bis  7  —  erfüllt  sind.

Für  verlorengegangene  oder  sonst  abhanden  gekommene  Abzeichen  wird  auf  Antrag  Ersatz  nur

gewährt,  solange  der  Betreffende  sich  im  Militärdienst  befindet.
Die  Beschaffung  der  Abzeichen  erfolgt  durch  das  Bekleidungsdepot  der  Schutztruppen.
Die  Entscheidung,  ob  das  Abzeichen  an  farbige  Angehörige  der  Kolonialtruppen  verliehen
wird,  bleibt  vorbehalten.
Allerhöchst  mit  Wahrnehmung  der  Geschäfte  beauftragt:
gez.  Strümpell.