Metadata : Realienbuch Nr. 3 (3)

70  Geschichte.  I

den  Kaiser  zu  helfen.  Er  war  ein  Mann  von  großer,  kräftiger  Gestalt,  hatte
blaue  Kugen  und  blondes  haar.  Sein  heer  bestand  nicht  aus  Söldnern,  die  aus
aller  Herren  Länder  stammten,  sondern  aus  schwedischen  Bauernsöhnen.  Der  König
duldete  keine  Plünderungen,  hielt  strenge  Nriegszucht  und  ließ  täglich  Gottesdienst
abhalten.  Die  schwedischen  Truppen  trugen  leichtere  Rüstungen,  als  es  bisher  üblich
war,  auch  ihre  Gewehre  und  Kanonen  waren  weniger  schwer.  Dadurch  konnten
sie  weite  Märsche  schneller  zurücklegen  und  sich  auch  in  der  Schlacht  leichter  bewegen.
Die  Soldaten  der  einzelnen  Regimenter  trugen  ZKrmbinden  von  gleicher  garbe.  —
Als  die  Machricht  von  der  Landung  Gustav  Kdolfs  nach  Wien  gelangte,  spottete  man
über  den  nordischen  „Schneekönig“.  Die  protestantischen  Fürsten,  die  sich  vor  dem  NMaiser
und  vor  Tillys  Feldherrngeschick  fürchteten,  empfingen  ihn  mit  Mißtrauen.  Der  Kurfürst
  Georg  Milhelm  von  Brandenburg  wollte  sich  ihm  nicht  anschließen,  und  der
Kurfürst  von  Sachsen  weigerte  sich,  ihn  durch  sein  Land  ziehen  zu  lassen.  Eustav
Kdolf  konnte  daher  der  Stadt  Magdeburg,  die  von  Uilly  belagert  wurde,  nicht  zu
Dilfe  kommen.  #ls  er  nun  die  Nachricht  bekam,  daß  Magdeburg  genommen  und  zerstört
  worden  sei,  zwang  er  den  Kurfürsten  von  Brandenburg  mit  Waffengewalt,  sich
mit  ihm  zu  verbünden.

Tilln  hatte  scheinbar  die  Belagerung  Magdeburgs  aufgehoben  und  war  abgezogen.  In
der  folgenden  Nacht  aber  kehrte  er  zurück  und  erstürmte  die  unglückliche  Stadt  (1651).  Die
wütenden  Söldnerscharen  richteten  unter  den  überraschten  Bürgern,  die  sich  mutig  verteidigten,
ein  furchtbares  Blutbad  an,  so  daß  die  Straßen  mit  Leichen  bedeckt  waren.  30000  Menschen  verloren
  ihr  Leben;  die  blühende  und  reiche  Stadt  wurde  geplündert  und  ging  in  Flammen
auf.  Uur  zwei  Kirchen  und  wenige  andre  Gebäude  entgingen  dem  Derderben.

10.  Die  Schlachten  bei  Breitenfeld  und  am  Lech.  als  Tilly  nach  der  Eroberung
  Magdeburgs  Sachsen  schwer  bedrückte,  das  bisher  am  Kriege  unbeteiligt
geblieben  war,  schloß  sich  der  Kurfürst  von  Sachsen  ebenfalls  Gustav  Kdolf  an.  In
der  Ebene  von  Ceipzig,  bei  Breitenfeld  (1631),  kam  es  zwischen  Tilly  und  den
schwedisch-sächsischen  Truppen  zur  Entscheidungsschlacht.  Nach  hartem  Kampfe  errang
der  Schwedenkönig  den  Sieg,  und  Tilly,  der  bisher  noch  nie  überwunden  worden  war,
mußte  eilends  nach  Bayern  zurückgehen.  Gustav  Kdolf  durchzog  nun  Deutschland  bis
nach  UMainz.  Der  tapfere  Drinz  Bernhard  von  Weimar  trat  in  schwedische  Kriegsdienste.
  —  Im  folgenden  Jahre  brach  Eustav  Kdolf  in  Bayern  ein.  Zuf  herzog
Maximilians  Geheiß  stellte  sich  ihm  Tilly  am  Lech  entgegen  und  versuchte,  ihm  den
Übergang  zu  wehren.  Er  unterlag  aber  zum  zweiten  Male  den  schwedischen  Waffen,
wurde  selbst  von  einer  Kanonenkugel  schwer  am  Oberschenkel  verwundet  und  starb  wenige
Tage  darauf  im  Alter  von  fast  73  Jahren.  Ganz  Bayern  war  in  GEustav  Kdolfs
Gewalt,  und  niemand  konnte  ihn  jetzt  hindern,  den  Kaiser  in  Wien  selbst  anzugreifen;
denn  das  Heer  der  Liga  war  vernichtet,  und  ein  kaiserliches  heer  gab  es  nicht.  In
dieser  größten  Mot  bat  Ferdinand  II.  Wallenstein,  für  ihn  wieder  ein  heer  aufzustellen.
Dieser  aber  konnte  dem  Kaiser  seine  AKbsetzung  nicht  verzeihen;  er  weigerte  sich  hartnäckig
  und  ließ  sich  erst  erbitten,  als  ihm  große  Dorrechte  eingeräumt  wurden.  Er
erhielt  völlig  selbständige  Derfügung  über  das  heer,  und  kein  General  durfte  ohne
seine  Bewilligung  vom  Kaiser  Befehle  empfangen.

11.  Die  Schlacht  bei  Lützen.  Wallenstein  zog  nach  Bayern  und  bedrohte
das  protestantische  Rürnberg.  Eustav  Kdolf  wollte  die  Stadt  nicht  in  seine  hände
fallen  lassen  und  eilte  zu  ihrer  Unterstützung  herbei.  Beide  heere  standen  sich  in  befestigten
  Lagern  elf  Wochen  lang  gegenüber.  Als  die  Schweden  endlich  Wallensteins