Das Venische Reich uad seine einzelnen Glieder. (Dezember 3.—7.) 403
Ferner muß eine Einheitlichkeit in der Frage der Zugehörigkeit zur Zwangsinnung
herbeigeführt werden. Auch die Frage der Konsumvereine bedarf
einer anderen Regelung, denn durch die Konsumvereine werden die Handwerker
schwer geschädigt. Die Konsumvereine müssen stärker belastet werden
und man muß zur Einschränkung der Konsumvereine gelangen.
Abg. Raab (W. V.): Wir verlangen für das Handwerk eine Beseitigung
des § 100, unter dem das Handwerk schwer zu leiden hat und
den es dem Liberalismus verdankt.
3. Dezember. (Berlin.) Professorenstreit.
Zwischen dem Professor der Nationalökonomie Ludwig Bernhard,
der 1908 gegen den Wunsch der Fakultät berufen wurde, und den Professoren
Exz. Wagner, Exz. v. Schmoller und Sering kommt es zu
einem Konflikt, in welchem eine Pistolenforderung Bernhards von Sering
angenommen, dann aber mit Ansprachen an die Studenten und Erklärungen
in der Presse und am Schwarzen Brett weitergefochten wird,
bis durch eine vom akademischen Senat eingesetzte Kommission und die
Einwirkung des Kultusministeriums ein Ausgleich herbeigeführt wird.
30. November—3.Dezember. (Elberfeld.) Hauptversammlung
der deutschen Kolonialgesellschaft unter Vorsitz des Herzogregenten
von Braunschweig Johann Albrecht.
Der Vorsitzende berichtete von der erfreulichen Entwicklung des
Pachtgebietes Kiautschou, das er auf seiner Weltreise besucht hatte und hob
als das Verdienst des Staatssekretärs Dernburg den klugen kaufmännischen
Blick und die rastlos schaffensfreudige und alle Volkskreise zur Einsicht
kolonialer Notwendigkeiten emporreißende Ueberzeugungskraft hervor.
Es wird ein Gesuch an den Reichstag beschlossen, daß an Stelle von
Berlin als Sitz des Kolonial= und Konsulargerichishofes Hamburg bestimmt
wird. — Ueber die Frage der Ausweisung von Reichsangehörigen
aus den Kolonien wird beschlossen: 1. Es ist anzuerkennen, daß in den
Schutzgebieten eine Ausweisung auch von Reichsangehörigen zurzeit noch
nicht entbehrt werden kann. 2. Die bisher unbeschränkte Befugnis der
Verwaltungsbehörden erscheint grundsätzlich wegen der schwerwiegenden
Folgen einer Ausweisung mit der Notwendigkeit ausreichenden Rechtsschutzes
unvereinbar. 3. Die Kolonialgesellschaft bittet die Reichsregierung,
auf gesetzlichem Wege festzustellen, auf Grund welcher Voraussetzungen die
Ausweisung zulässig und welche Rechtsmittel dagegen ergriffen werden
können. — Als Ort der nächsten Tagung wurde Stuttgart gewählt, als
Termin die Pfingstwoche bestimmt.
Ferner wird beschlossen, einen Kolonialwirtschaftsatlas herauszugeben.
5. Dezember. (Preuß. Landtagsersatzwahlen.)
In Breslau erhielt Kaufmann Vogel (Z.) 820, Handelskammersyndikus
Dr. Ehlers (Fortschr. Vp.) 470, Redakteur Loebe (Sd.) 355 Stimmen.
In der Stichwahl siegt Ehlers über Vogel mit 839 gegen 824 Stimmen.
Bei der Hauptwahl im Jahre 1908 halte der Zentrumsmann im ersten
Wahlgang mit 44 Stimmen Mehrheit gesiegt.
In Hirschberg-Schönau wurde Wenke (Fortschr. Vp.) mit 202
gegen 187 Stimmen gewählt.
5.— 7. Dezember. (Reichstag.) Zweite Lesung des Arbeitskammergesetzes.
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