Full text : Spittler’s sämmtliche Werke. Vierzehnter Band. (14)

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lange  sie  daselbst  war,  und  zugleich  an  die  Schwester  derselben,
an  die  Herzogin  von  Burgund.

Erst  hatte  sie  nach  Versailles  nur  persoͤnliche  Nachrichten
gegeben  von  der  Koͤuigin;  dann  schrieb  sie  bisweilen  auch,
was  vorging;  das  führte  denn  endlich  so  natürlich  auf  Staats=Angelegenheiten,
  daß  sie  von  diesen  schreiben  zu  können  schien,
ohne  Ehrgeiz  oder  Minister-Prätensionen  zu  zeigen.  Sie
schmeichelte  dabei  der  Frau  von  Mairenon  so  fein  und  so
stufenweise,  daß  diese  endlich  glaubte,  aller  Kredit,  den  die
Priuzessin  in  Spanien  erbalte,  werde  nur  ihren  Einfluß  in
die  spanischen  Angelegenheiten  vermehren.  Und  fo  entstand
denn  zwischen  ihr  und  der  Frau  von  Maintenon  die  innigste
Verbindung;  so  kam's  denn,  daß  endlich  Alle  gestürzt  wurden,
  die  Philipp  V.  auf  den  spanischen  Thron  gesetzt  batten,
und  Alle,  die  ihn  auf  dem  spanischen  Throne  hätten  erhalten
können;  so  verloren  endlich  die  französischen  Minister  allen
Einfluß  auf  Spanien,  und  alle  franzdsischen  Ambassadeurs
zu  Madrid,  die  sich  nicht  der  Prinzessin  Ursini  gang  überließen,
  konnten  nichts  ausrichten.  Waren  nun  aber  einmal
alle  diese  Schritte  gewonnen,  den  König  selbst  konnte  man
leicht  von  sich  abhängig  machen.

Der  König,  die  Königin,  die  Prinzessin  Ursini  und  dieser
  ihr  innigster  Freund  Orry,  unter  dem  die  Finanzen  und
das  Kommerz  standen  —  diese  vier  also  zusammen  machten
den  Geheimen-Rath,  der  ganz  Spanien  regierte.  Als  fünfter
Mann  kam  in  der  Folge  öfters  hinzu  Daubigny,  Sohn
eines  Prokurators  bei  dem  Chatelet  zu  Paris;  ein  junger
Mann,  der  sich  mir  Orry  recht  gut  stand,  aber  wohl  noch
besser  stand  mit  der  Prinzessin  selbst,  der  er  seit  langen  Jahren
  unter  dem  Namen  eines  Stallmeisters  zugehörte.  Es  war
ein  schöner,  großer,  junger  Mann,  gut  gemacht  und  gut  gewandt
  nach  Leib  und  Seele.