26
lange sie daselbst war, und zugleich an die Schwester derselben,
an die Herzogin von Burgund.
Erst hatte sie nach Versailles nur persoͤnliche Nachrichten
gegeben von der Koͤuigin; dann schrieb sie bisweilen auch,
was vorging; das führte denn endlich so natürlich auf Staats=Angelegenheiten,
daß sie von diesen schreiben zu können schien,
ohne Ehrgeiz oder Minister-Prätensionen zu zeigen. Sie
schmeichelte dabei der Frau von Mairenon so fein und so
stufenweise, daß diese endlich glaubte, aller Kredit, den die
Priuzessin in Spanien erbalte, werde nur ihren Einfluß in
die spanischen Angelegenheiten vermehren. Und fo entstand
denn zwischen ihr und der Frau von Maintenon die innigste
Verbindung; so kam's denn, daß endlich Alle gestürzt wurden,
die Philipp V. auf den spanischen Thron gesetzt batten,
und Alle, die ihn auf dem spanischen Throne hätten erhalten
können; so verloren endlich die französischen Minister allen
Einfluß auf Spanien, und alle franzdsischen Ambassadeurs
zu Madrid, die sich nicht der Prinzessin Ursini gang überließen,
konnten nichts ausrichten. Waren nun aber einmal
alle diese Schritte gewonnen, den König selbst konnte man
leicht von sich abhängig machen.
Der König, die Königin, die Prinzessin Ursini und dieser
ihr innigster Freund Orry, unter dem die Finanzen und
das Kommerz standen — diese vier also zusammen machten
den Geheimen-Rath, der ganz Spanien regierte. Als fünfter
Mann kam in der Folge öfters hinzu Daubigny, Sohn
eines Prokurators bei dem Chatelet zu Paris; ein junger
Mann, der sich mir Orry recht gut stand, aber wohl noch
besser stand mit der Prinzessin selbst, der er seit langen Jahren
unter dem Namen eines Stallmeisters zugehörte. Es war
ein schöner, großer, junger Mann, gut gemacht und gut gewandt
nach Leib und Seele.