Full text: Geschichte des Kurstaates und Königreiches Sachsen. Dritter Band: Neuere Geschichte Sachsens von 1806-1866. (3)

Außerordentlicher Landtag 1866. Truppenausstellung. 787 
lommen sei, damals aber mit dem Hinweis darauf weder in 
Wien noch in Berlin Eingang gefunden habe. Auch die 
Kammern, die bis dahin den oft wiederholten Antrag auf Be- 
zufung eines deutschen Parlaments niemals auch nur zur Ver- 
handlung hatten kommen lassen, stimmten demselben jetzt im 
Augenblick der Noth einhellig bei. Ferner ermächtigten die 
Stände die Regierung, zur Bestreitung des erforderlichen außer- 
ordentlichen Aufwandes die Cassenbillets auf 10,781000 Thlr. 
zu vermehren und Handdarlehne zu 5% (später zu 6%, im 
Ganzen 6,553800 Thlr.) aufzunehmen. 
Die Darlegungen, welche Beust den Kammern gab, ent- 
hielten nicht die volle Wahrheit; daß aber die Stände sich so 
leicht täuschen ließen, zeigte nur, daß sie nicht enttäuscht sein 
wollten. Die Maßnahmen der sächsischen Regierung, die sich 
angeblich in den Grenzen der Neutralität bewegten, enthielten 
unverkennbar eine Parteinahme für Osterreich. Die ursprüng- 
liche Absicht gieng dahin, die Armee, zu deren Höchstromman- 
dierenden am 19. Mai der Kronprinz ernannt worden war, 
in der Gegend von Annaberg zu concentrieren um sie im Fall 
einer preußischen Invasion, ehrenhalber jedoch nicht ohne jeden 
Widerstand, aus dem Lande zu ziehen und an die der übrigen 
Mittelstaaten, insbesondere Baierns, anzuschließen. Allein, da 
Baiern zögerte Truppen in der Nähe der sächsischen Grenze 
aufzustellen, anderseits ein Marsch aus dem Erzgebirge nach 
Baiern durch die bei Zeiz und Weißenfels sich sammelnden 
preußischen Streitkräfte in der Flanke bedroht wurde, so zog 
man vor die Armee bei Dresden zusammenzuziehen, was neben 
dem Vortheil, Land und Hauptstadt nicht von vornherein 
aufgeben zu müssen, die Bergung des Staatseigenthums, einen 
ungefährdeten Rücktug nach Böhmen und von hier die Ver- 
einigung sei es mit der bairischen oder mit der österreichischen 
Armee gestattete. Die Avantgarde unter Generalleutnant 
v. Fritsch nahm ihre Aufstellung hinter der Triebisch, das 
Gros unter Generalleutnant v. Stieglitz in und bei Dresden, 
die Reserve unter Generalleutnant v. Schimpff hinter dem 
plauenschen Grunde. Da aber der Hauptangriff vom rechten 
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