Bismarck
als preußischer Ministerpräsident
Da Bismarck in Berlin ans Ruder gelangte, hatten die
Römlinge allen Grund, die Ohren zu spitzen. Nicht daß er daran
gedacht hätte, den Kampf zwischen Staat und Kirche zu erneuern.
Nichts lag ihm ferner. Der Ausgang des preußischen
Streites in den 30er Jahren und auch des oberrheinischen in
den 50er Jahren war nicht dazu angetan, nach einem solchen
Gelüste zu erwecken. Seine so ausgesprochen konservative und
kirchliche Denkart machte ihn vielmehr geneigt, auch der
römischen Kirche, der er, wie wir sehen, sogar eine ‚‚apostolische“
Grundlage zugestand, soweit als mit der Staatshoheit und dem
bürgerlichen Frieden irgend vereinbar, freien Spielraum zu lassen.
Er dachte nicht daran, sie in der ihr im Preußischen zugestandenen
„Freiheit‘‘ zu beengen. Angesichts des Verfassungskontfliktes, im
Gefolge der Heeresreform, der die Leidenschaften so erregt hatte,
war ihm ihr Einfluß als Gegengewicht gegen den radikalen Liberalismus
sogar willkommen. Stimmten doch die Hauptwortführer
derselben im preußischen Landtage, die Reichensperger und
Mallinckrodt, für die Militärvorlage. Sie fanden das Bismarck-Roon-Ministerium
ihren Interessen vielmehr zugetan, ‚als vielleicht
irgend ein früheres.‘“ (August Reichensperger an seine Frau.)
Und doch war der politische Gegensatz ein unüberwindlicher.
Sobald Bismarck auch nur die ersten Schritte zur Verwirklichung
seines nationalen Programms tat, mußten sich seine Wege mit
denen des päpstlichen Rom und seiner Vasallen — kreuzen.
Schon die Konvention, die Bismarck 1863 zur Eindämmung
des Aufstandes im römisch-katholischen Polen mit dem griechisch-katholischen
Rußland abschloß, war dazu angetan, ihn mit