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auch theoretisch darüber gesagt werden mag, Thatsache ist, daß man sie
weniger fühlt. Es ist schwer zu berechnen, wie viel der Einzelne bezahlt,
wie viel auf andere Mitbürger abgebürdet wird. Von der Klassensteuer
weiß er ganz genau, was auf ihn kommt, — und es ist wunderbar,
wenn man bei indirekten Steuern mit einem Mitleid, was ich mir
früher einmal als heuchlerisch zu bezeichnen erlaubte, von der Pfeife des
armen Mannes, von dem Licht des armen Mannes spricht und demselben
armen Manne seine Lebensluft, seinen Atem besteuert — denn
die direkte Steuer muß er zahlen, so lange er atmet; bei direkter Steuer
wird nicht darnach gefragt: kannst da deinen Trunk Bier unter Umständen
entbehren? kannst du weniger rauchen? kannst du die Beleuchtung
des Abends einschränken? sondern sie muß er zahlen, er mag Geld
haben, oder nicht, er mag verschuldet sein, oder nicht und was das
Schlimmste ist, es folgt die Exekution, und nichts wirkt auf die Gemüter
mehr, als das Exequieren von Steuern wegen weniger Groschen, die
für den, der sie zahlen soll, augenblicklich unerschwinglich sind. Der
Groschen ist gleich einer Million für den, der ihn nicht hat und ihn
im Augenblick der Fälligkeit nicht erschwingen kann, und der sich sagt.
so und so viel kriegt dieser Beamte Gehalt, so und so viel geht auf
unnötig scheinende Ausgaben und ich werde hier um ein bißchen Geld
exequiert. Solches Elend kommt von direkten Steuern. Lassen wir den
Städten die direkten Steuern. Für den Staat aber ist es meiner
Ueberzeugung nach die Aufgabe, nach dem Beispiel von England, von
Frankreich, nach indirekten Steuern zu streben.“
Damals erstrebte Fürst Bismarck nichts anderes, als das, was man
in dem nationalliberalen Parteilager heute noch als das eigne Ideal
ausgiebt: Beseitigung der Matrikularbeiträge und Erleichterung des
Druckes der direkten Steuer durch ausgiebige Besteuerung einiger weniger
Konsumtionsgegenstände, in deren Genuß sich jedermann beliebig beschränken
kann und die er darum treffend die Luxusartikel des Voltes
nannte. Die negative Haltung derselben Partei in jenen ersten Jahren.
wo Bismarck mit seinem Reform-Programm auftrat, drängte ihn schließlich
in die Bahn der Schutz= und Agrarzölle. Diejenigen, welche sich
über die Wandlung seiner Politik beklagten und ihm auch die notwendigen
Finanzzölle nicht bewilligen zu dürfen vermeinten, vergaßen, daß
anfänglich von einem Schutzzollsystem nicht im entferntesten die Rede
war, und daß sie selbst den Kanzler gezwungen haben, sich, um auch
nur die notwendigsten Mittel zu erlangen, nach andern Bundesgenossen
umzusehen. War es doch bereits dahin gekommen, daß Staat und
Reich jahrelang nur nach austro-türkischer Art durch Anleihen oder