Volltext : Rosenheimer Anzeiger. 61. Jahrngang (61)

 

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Nosenheim

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S#e20  Mngut  1918

er  Anzeiger.

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Rosenheimer  Tagblatt

Amlliches  Publikakions-Organ

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nr  Neklamen  und  esenen.  durch  die  Annoncen-Expedliton  Hacsensteln  &  Bogler  A.  G.  Nosenhelm  München.  Rümberg.  Berlin,  Bern,  #hemnis.  Dresden,  Ersurt.  Fronksum  u  M.  Hamburg.  Honnover.  Innsbruck.  *—  Köln  2c.

en  ·  Unna

bme  1  Uhr  mirtags.  Nach  diesem  Jeillpunkt  kann  für  Aufnahme  in  die  laufende  Togesnu:  amer  nicht  mehr  goran##ert  werden.  Jür  schlechtgeschnebenes  Monulkrunt  wicd  keine  Deromwormung  Obememmen.

Der  Einschließungsring  von  Prest-Litowak  im  Westen  geschlofen.

Zwei  weitere  Forts  von  Nowo-Georgiewsk  genommen.  —  Die  Russen  von  der  Armee  des  Prinzen  Leopold  abermals  geworfen,

Der  Gegner  von  der  Armee  Mackensen  in  die  Vorstellungen  von  Brest-Litowsf  geworfen.  —  Das  Westufer  des  Bug  vom

Feinde  gesäubert.  —  Neue  blutige  Mißerfolge  der  Italiener.  —  Abermalige  Beschteßung  der  Insel  Pelagosa.  —  Die  griechische
Antwortnote.  —  In  sechs  Tagen  27.000  feindliche  Tote  und  50.000  Verwundete  auf  Gallipoli.

Die  Kriegslage.

WTB.  Großes  Haupt  quartier,  den
—.  August,  vormittags.  Amtlich.  1

Westlicher  Kriegsschaupkactkz

In  den  Vogesen  erfolgten  durch  sehr  erheblichen
  Munitionseinsatz  vorbereitete  französische
Angriffe  gegen  Schratzmännle  (nördlich  von
Münster,  und  unsere  Stellung  südöstlich  von
Sondernach.  Durch  Gegenflöße  wurden  eingedrungene
  feindliche  Abteilungen  aus  unserem
Grabenstück  zurückgeworfen;  südöstlich  von  Sondernach
  sind  völlig  zerschossene  kleinere  Grabenstücke
  im  Besitze  der  Franzosen  geblieben.

Oestlicher  Kricgsschauplatz.  *
Beeresgruppe  des  Generalselêmarschalls
von  HLBindenburg.

Die  Festung  Kowno  mit  allen  Forts  und
unzähligem  Material,  darunter  weit  mehr  als
400  Geschützen,  ist  seit  heute  Nacht  im  deutschen
Besitz.  Sie  wurde  trotz  zähestem  Widerstand
mit  stürmender  Hand  genommen.

Die  Armeen  der  Generale  von  Scholtz  und
von  Gallwitz  dringen  weiter  nach  Osten  vor.
Ihre  vordersten  Abteilungen  nähern  sich  der
Bahn  Bialystok-Bielsk.

vor  nowo-Georgiewmsk  wursen  zwel  wel,
tere  foris  der  nordostfront  ernürmt,  600
Gesangene  gemacht  u.  20  Geschlitzc  crobert.

Bbeeresgruppc  des  Generalfel#smarschalls
Prinzen  Ceopold  von  Varern.

Der  linle  Flügel  traf  gestern  am  Kamionlabschnitt
  beiderseito  Siemietycze  und  am  Bug
bei  Firstendorf  (südöstlich  von  Siemiatycze,  auf
erneuten  starlen  Widerstand.

der  Uebergang  nber  die  Mbschnitte  wurc#e
erzwungen,  der  felnd  geworken.  der  rechte
flugel  erreichie  das  Bbug/Slduser.

Heeresaruppe  des  Generalfeldmarschalls
von  Mackensen.

ble  heeresgruppe  bat  lbren  Gegner  uber
den  Bug  in  die  vorstellungen  der  festung
Brest  Litowsk  geworsen.

Oestlich  von  Wlodawa  drangen  unsere  Truppen
  über  die  Bahn  Cholm-Brest-Litowsk  nach
Osten  vor.

Oberste  Heeresleitung.
·  6%

Der  amtliche  österreichische  Bericht.

WB,Wien,  18.  Aug.  Amtlich  wird  ver-*
  lautbart:

Russischer  Kriegsschauplag.

dle  Truppen  des  feidmarschallleutnant'
von  nrz  tricben,  während  deutsche  Strcllkraste
  längs  des  Uunken  bugufers  vorgin- 



gen,  die  Russen  belderselts  aer  von  Slala
heranführenden  Straße  in  den  bereich  des
feltungsgeschüses  von  Freit-Lltomwsk  zuruck.

der  einschliebungsring  aul  dem  westlichen
Ufer  In  geschloften.

Im  Naume  von  Janow  säuberte  die  Armee
des  Erzherzogs  Joseph  Ferdinand  das  Süduser
  des  Bug  vom  Zeinde.

An  unserer  Front  in  Ostgalizien  fiel  nichts
von  Bedeutung  vor.

Italienischer  Kriegsschauplatz.

Auf  dem  italienischen  Kriegsschauplatze  wurde
gestern  an  der  küstenländischen  Front  heftig  gelämpft,
  während  im  Kärniner  Grenzgebiete
verhältniemäßig  Ruhe  herrschte.  in  Tirol  aber
das  schwere  Geschützsener  des  Feindes  anhielt
und  einige  kleinere
den.

Im  Görzischen  wurden  vier  gegen  San  Marlino
  geführte  Angriffe  der  Italiener  abgeschlagen.
  Vor  dem  Görzer  Brückenkopf  herrscht  nach
wie  vor  ziemliche  Ruhe.  Dagegen  tobt  am
Brückenkopf  von  Tolmein  ein  erbitterter  Kampf.
Auch  hier  scheiterten  vier  feindliche  Angrisse.
Ebenso  mißlangen  die  Vorftöße  des  Gegners
gegen  unsere  Höhenstellungen  nördlich  des  Tol
meiner  BVrückenkopfes.

Im  Tiroler  Grenzgebiete  wurden  italienische
Angrisse  auf  den  Toblinger  Riedel  (Drei=  JZin
nen-Gebiet  und  gegen  Milengna  (Plateau  von
Folgaria  abgewiesen.

Gehobenen  Sinnes,  erbault  durch  die  Erinne
rung  an  schwere  Kenerproben  und  heiß  erlämpfte
Siege,  begeht  heute  in  Nord  und  Süd  die
kaiserliche  und  klönigliche  Armee  auf  dem
Schlachtfelde  das  Geburiefest  ihres  Obersten
Kriegsherrn.  Eines  Geistes  in  stolzer  Zuversicht
erneuern  die  unter  den  Wafsjen  stehenden  Söhne
aller  Völler  des  Reiches  ihr  Treuegelöbnis,  das
in  den  verflossenen  12  Monaten  so  viele  der
Besten  mit  dem  Blute  besiegelt  haben.

Der  Stellv.  des  Chetis  des  Generalstabes  1
don  Höfer,  Feldmarschalleutnant.

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Ereignisse  zur  See.

Am  17.  ds.  Mts.  früh  beschoß  eine  unserer
Flottillen  zum  dritten  Male  die  von  den  Jtalienern
  beselzte  Insel  Pelagosa,  während  zugleich
  ein  Flieger  über  der  Insel  mit  Bomkben,
Maschinengewehr  und  Fliegerpfeilen  operierte.
Hierbei  wurde  das  seit  der  letzten  Beschießung
mieder  zum  Wohnen  eingerichtete  Leuchthaus
zerstört.  Baracken  und  Zelte  wurden  in  Brand
geschossen,  ein  Geschütz-Emplacement  demoliert,
mehrere  Materialdepots,  einige  am  Stand  aufgestapelte
  Materialhaufen  und  mehrere  Boote

Infanleriegefechte  stattfan

 

vernichtet.  Die  Besatzung  hielt  sich  im  Schützengraben
  und  unterirdischen  Unterständen  versteckt
  und  leistete  keinen  Widerstand.  Feindliche
Seestreitkräfte  wurden  nicht  gesichtet.

Flottenkommando.
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Jur  Eroberung  von  Kowno.

Ueber  ein  Jahr  hat  die  Festung  Kowno,
das  äußerste  Bollwerk  der  Njemen  Linic,  dem
Jarenreiche  zu  dienen  vermocht.  Diese  starke
Gürtelfetung  mit  11  Außenwerken  auf  beiden
Njemen=  Ufern  gehörte  zu  derselben  Rangllasse,
mie  Warschau  und  Rowo  Georgiewst,  von  deren
Typ  in  Westrußland  die  russische  Heeresleitung
jetht  nur  noch  die  Bug-Feile  Breist  Litowsl  zu
ihrer  Verfügung  bealten  hat.  ÖOlila  und
G  rodno  sind  Tennegener  auch  nach  der  russi-Mit

  der  Eroberun  von  Komno  ist  der  rechte
Klügelinn#punkt  der  befenigten  Rjemenlinic  den
Russen  verloren  gegangen  und  damit  hat  die
ganze  Linie  ihre  haup#lsächlichite  Stärle  und
Bedentung  verloren.  Die  übrigen  Kestungen,
die  sich  bis  nach  Grodno  hinziehen,  sind  verhältniomäsig
  unbedentend  und  flellen  nur  brülkenkopfartige
  Anlagen  dar.  Sie  merden  folgen.
Die  gepanzerte  rufiische  Kaufl,  die  beitändig  die
of  fenen  Grenzorte  Oitrreußens  bedrohle.  ist  jent
ganz  verschwunden.

Der  neue  groste  Erfolg,  den  die  deutschen
Truppen  mit  der  Eroberung  von  Kowno  erzielt
haben,  muß  auch  auf  die  weiteren  Rückzugs
bemegungen  des  russischen  Heeres  von  Beden
tung  sein.  Sie  haben  einen  n  ichligen  Teil  ihres
Nankenschunen  verloren,  da  die  Deutschen  nun
mehr  in  der  Lage  sind,  auch  in  dieser  Gegend
ihren  Vormarich  in  derfelben  erfolgreichen  Weise
fortzusetzen.  wie  auf  den  übrigen  Teilen  des
Kriegsschauplatzes.  Im  deutschen  Besitz  bildet
die  Festung  aber  einen  festen  Stützpunkt  zur
Behauptung  des  eroberten  Gebietes  und  zur
Sicherung  des  dahinterliegenden  deutschen  Landes.


Die  Erstürmung  der  starlen  Njiemen  Festung
Kouno  fügt  dem  Ruhmeskranze  der  verbündeten
  Heere,  woraus  die  Namen  Lüttich  und
Antwerpen,  Przemysl  und  Lemberg,  Jwangorod
  und  Warschau  aus  vielen  anderen  hervor
leuchten,  ein  neues  Blatt  ein  und  auf  diesem
Blatte  sieht  zugleich  für  alle  Zeiten  verzeichnet.
der  Dank,  den  wir  dem  General  Eichhorn  und
der  unvergleichlichen  Tapferleit  und  Ausdauer
seiner  Truppen  schulden.  Wenn  noch  der  geringste
  Zweisel  daran  bei  Kleinmütigen  beitanden
  haben  sollte.  daß  unsere  Armee  in  Kurland
genügend  gesichert  sei,  so  sollte  dieser  Fweisel
heute  schwinden.  Von  Poniewoel  nach  Kowno
ist  nicht  weit  und  damit  die  enge  Aerbindung
mit  der  in  Kurland  operierenden  Armee  von
Below  hergesiellt.  Mir  befinden  uns  im  vollen
Siegeszuge  nach  Osten,  und  nichts  wird  diesen
Zug  mehr  hemmen.

Wic  aus  Petersburg  gemeldet  wird,  ist  dort
bereits  der  Fall  von  Kowno  belkannt  geworden.
obgleich  amtlich  davon  noch  nichts  mitgeteilt

 

worden  ist.  Noch  vorgestern  hat  die  amtliche
Petereburger  Telegraphen=  Agentur  eine  lange
Darlegung  der  Kampflinie  in  Polen  ausgegeben
und  darin  gesagt,  daß  die  deutschen  Streitkräfte
in  ihren  Angriffen  gegen  die  Vorwerke  von
Kouno  aufgehalten  seien;  das  russische  Armeekommando
  denke  keineswegs  daran,  Kowno  oder
Ossoviec  zu  räumen  und  noch  weniger  Dünaburg
  und  Reval,  die  selbst  außerhalb  der  militärischen
  O  perationen  liegen.  Nun  erfährt  die
Oeffennlichleit.  daß  die  amtlichen  Angaben  sich
binnen  24  Siunden  als  unwahr  erwiesen  haben.
Ueberdies  weitz  man  in  Petersburg  auch,  daßz
die  Preisgabe  Kownos  nicht  als  „  strategische
Maßnahme“  hingestellt  werden  kann,  da  Kowno,
wie  ja  amtlich  selbst  zugegeben  wird.  gehalten
werden  sollte.  Daraus  ergibt  sich  auck  die  entscheidende
  Bedeutung,  welche  die  Russen  selbst
dem  Besitze  von  Komno  beilegten.

Kounos  Fall  erschließt  den  Vormarsch  auf
Wilna,  ermoglicht  die  Aufrollung  der  Niemenfront,
  des  mächtigen  Schutzwalles  der  rückwär-#lgen
  Verbindungen  des  russischen  Heeres,  öffnet
  den  Weg  in  den  Rücken  der  nach  Norden
gedrängten  feindlichen  Massen  und  entscheidet
zugleich  auch  das  Schicksal  Rigas  und  des  äusersten
  nordlichen  Flugels  der  Russen.  Diese
lüngste  Eroberung  in  uns  ein  Unterpfand  künftiger
  Erfolge  und  Siege,  unseren  Feinden  aber
mag  sie  aufs  neue  offenbaren,  daß  deutscher  Entschlofsenheil,
  Willens  und  Tattraft  und  deutischem
  Erfindungsgein  nicht  zu  widerstehen  ist.
Die  Russen  haben  gewiß  schier  unerschopfliche
Möglichkeiten,  sich  mrüdzuziehen.  Aber  früher
oder  später  mussen  sie  sich  doch  einmal  darauf
besinnen,  daß  sie  den  Krieg  nicht  begonnen
haben,  um  diese  Möglichleiten  nachzuweisen,  sondern
  um  Jiele  zu  erreichen,  die  inzwischen  mehr
und  mehr  im  Mebel  verichmunden  iind.  Wenn
dieses  Bemußtfein  auch  heute  sich  noch  nicht
machtvoll  Gellung  rerschaffl,  so  doch  vielleicht
nach  den  El##scheidungen,  die  der  Fall  Komnos
in  glucklicher  Weise  vorbereiten  half.

Des  Kaisers  Dank  an  die  Eroberer
von  Kown?.

Berlin,  18.  Aug.  Im  Anschluß  an  die
Erstürmung  der  Festung  Kowno  richtete  der
Kaiser  an  die  um  den  neuen  glänzenden  Erfolg
  der  deutichen  Waffen  besonders  verdienten
Führer,.  Generalfeldmarschall  von  Hindenburg,
den  Generaloberiten  von  Eichhrn  und  den  General

  der  Infanterie  Litmann  folgende  Telegramme:

An  Generalfeldmarschall  Hindenburg.  Mit

Kouno  il  das  eritie  und  stärkste  Bollwerk  der
inneren  russischen  Verteidigungslinie  in  deutsche
Hand  gesallen.  Auch  diese  glänzende  Waffenlat
  verdankt  das  Vaterland  neben  der  unubertrefflichen
  Tapferleit  seiner  Söhne  Ihrem  zielberusten
  Handeln.  Ich  spreche  Eurer  Erzellenz
meine  wärmite  Anerlennung  aus.  Generaloberst
von  Eichborn,  der  die  Bewegungen  seiner  Armee
mit  solcher  Umsicht  führte.  habe  ich  den  Orden
Pour  le  morite.  General  der  ufanterie  Litzmann,
  dessen  Anordnungen  auf  der  Angriffsfront
  einen  schnellen  Erfolg  sicherten,  das  Eichenlaub
  dazu  verliehen.

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