107. 1611 261
107. Gravamina der unierten Reichsstädte.
Aus dem 1. und 3. Punkt des Ausschreibens zum schweinfurter
Unionstag haben die Städte entnommen, dass hiebei auch von Stabi-
lierung der „wol angefangenen christlichen Correspondenz“ mit Er-
haltung des vorgesetzten Zweckes der Union und Abhilfe der Beschwerden
geredet werden soll. Daher haben sie ihren Gesandten aufgetragen,
ihre teils allgemeinen teils besonderen Beschwerungen wider den
Begriff der Union und der folgenden Abschiede den Versammelten
vorzutragen und um Abstellung zu bitten: 1. Es finden sich die
Städte insgesamt, besonders aber Strassburg dadurch beschwert, dass
man ihrer unwissend und ungehört und dem neuburger und speirer
Abschied zuwider im Sommer 1610 mit starker Kriegsmacht ins
Elsass eingefallen ist, Belagerungen und anderes, wodurch den
Unierten Gefahr und Nachteil zuwuchs, vorgenommen (was zu
verantworten zwar die höheren Stände auf sich allein nahmen),
während der Expedition Strassburgs, beim An- und Abzug aber auch
anderer unierter Städte Untertanen mit Einlagerungen, Abdankplätzen,
Enatziehung der gutwillig verordneten Kommiss, Einschleppung von
Seuchen dem ersten Unionsartikel zuwider beschwert und um viele
tausend Gulden geschädigt hat. 2. Das kam aber daher, weil die not-
wendige zu Heidelberg und Heilbronn verglichne Kriegsdisziplin
trotz vielfältigen Erinnerns so laxiert war, dass kein unierter Stand
sich einiger Assistenz zu getrösten hatte; denn ohne Unterschied
wurden fast alle Vermögenden wie Feinde bedroht und bei dem ihrigen
wenig geschützt. 3. Bei der verzogenen Abdankung wurden zu
die er an vieler Fürsten Höfe unterhalte.e Auch dem österreichischen Heer
sei nicht ganz zu trauen, da die vornehmsten Befehlshaber, Dampierre und
andere, mit Ramce in enger Verbindung stehen, so dass sie sich gegenseitig
verabredeten, einander keinen Schaden zu tun; ja es möchten viele zu
Bamee übergehen, da sie wissen, dass er reiche Mittel habe und Beute-
freiheit gewähre. Ramee sei verschlagen und tollkühn, Sulz unbeständig
und unzuverlässig, Althan weichlich und knabenhaft. — Was Leopold
getan habe, sei mit Wissen des Kaisers geschehen, „ut regnum
Hispano, qui tamquam nepos ex sorore imperatoris ius aliquando in
eo vindicare potuisset eriperetur, praesertim nondum deficiente linea
masculina imperatoris Maximiliani Il., nec ignarum esse imperatorem,
Hispanum quosdam rebus suis admodum faventes in hoc regno habere.
Elegisse autem imperatorem hisce suis conatibus perficiendis prae aliis
Austriarae domus Leopoldum: 1. propter summam fidem, quam hactenus
in eo expertus; 2. quod heredes imperio et regno producere possit, quae
spes reliquis huius familiae fere praccisa, excepto Ferdinando et Hispano,
qui propter tyrannidem toti mundo exosi; 3. quod inter imperii proceres
non sit, per quem aureae bullae Caroli 1V. (de eligendo in imperatorem
Germano) aeque satisfieri possit; — ut sic recte et imperatorem et I,eopoldum
fecisse, sanus quilibet facile possit iudicare. Impedimenti quidem aliquid
intulisse Romei temeritatem ; non tamen dubitandum, Leopoldum adhuc suam
monarchiam constituturum, si vitam produxerit Deus‘ (Drs., 1. 9166;
1. Buch passauer Kriegsvolks, f. 512; von Pfretzschners Hand und am
30. März an Kaspar von Schönberg geschickt).
März 17.