250 Gegenreformation. Vorspiele des großen Krieges. Der clevische Erbfolgestreit. § 581—382.
ebensowohl durch die kirchlichen, wie die politischen Bewegungen dieser
Zeit. Noch unter Maximilian II. ward von Johann Friedrichs ebenso un-
glücklichem, gleichnamigem Sohne der abenteuerliche Versuch gemacht, mit
ilfe eines fränkischen Ritters, Wilhelm von Grumbach, die Kurwürde
wieder an das ernestinische Haus zu bringen. Grumbach war ein Genosse
von Albrecht Alcibiades gewesen (§ 368) und hatte großen Anhang im
alten Reichsadel; später war von seinen Leuten der ihm verfeindete Bischof
von Würzburg getötet worden; während seiner Kämpfe mit dessen Nach-
folger hatte er bei Johann Friedrich Aufnahme gefunden, da er ihm Hoff-
nungen auf Hilfe der Reichsritterschaft bei einem Kampfe gegen die Albertiner
emacht hatte. Auch als Ferdinand I. die Acht gegen Grumbach verhängte,
* Johann Friedrich ihn nicht fallen lassen. Kaiser Maximilian aber
atte nun auch diesen in die Acht gethan und dem Kurfürsten August von
Sachsen (§ 369) die Ausführung derselben übertragen. Nach tapferer
Verteidigung war Gotha erobert, Grumbach grausam hingerichtet und
Johann Friedrich nach Osterreich abgeführt worden (1567), wo er nach
28jähriger Gefangenschaft starb (1595). Seine Besitzungen — er hatte mit
seinem Bruder Johamn Wilhelm die herzoglichen Lande geteilt — kamen
an seine Söhne und fielen nach deren Tode an die Nachkommen Johann Wil-
grie (§ 261 Anm.). Die sog. Grumbachischen Händel hatten die schlimme
Folge, daß sich von nun an die Albertiner blindlings an den habsburgischen
Einstes überlieferten und so sich ihres ursprünglichen Schutzamtes über
den deutschen Protestantismus begaben. — In Münster und Hildesheim
unterdrückte der obengenannte bayrische Ernst gleichfalls die Protestanten
und führte überall die Jesuiten ein, welche die alte Ordnung bald wieder
aufrichten halfen. Ebenso ward unter seiner Leitung auf kaiserlichen Befehl
auch in Aachen der Katholizismus wiederhergestellt. In den süddeutschen
Bistümern Würzburg, Bamberg, besonders aber in Salzburg rottete
man mit Gewalt den protestantischen Glauben in der Bevölkerung wieder
aus. In Straßburg hatten die protestantischen Domherren einen bran-
denburgischen, evangelischen Prinzen, Johann Georg, zum Bischof ge-
wählt, die katholischen einen Guise (§ 251 Anm.), 1592. Auch hier behielten
die letzteren die Oberhand. So standen die Sachen im Reich am Schluß
des 16. Jahrhunderts. Großer Wohlstand herrschte, große Behäbigkeit
des Lebens. Deutschland war reich bevölkert, gut bedbauet und schien
auf dem Gipfel seines Glückes: seit einem halben Jahrhundert hatte kein
Krieg gewütet. Aber im stillen wirkte vergistend Haß, Verdacht, Ver-
hetzung und Argwohn, und eine Ahnung kommenden schweren Unglücks als
wie der letzten Zeiten, von denen die Schrift weissagt, ging durch die Gemüter.
3. Vorspiele des großen Krieges. Ner cievische Erbfolgestreit.
*382. Das neue Jahrhundert brachte bald, erst in einigen Vorspielen,
dann in entsetzlicher Vollendung, dies gefürchtete Unglück zu Tage. — Zwei
junge Fürsten, als Verwandte zusammen unter dem strengen Einfluß der
Jesuiten erzogen, brannten vor Begierde, der alten Kirche wieder zum Siege
zu helfen und die Ketzerei niederzuwerfen. Es waren Maximilian von
Bayern und Ferdinand von Steiermark, ein Vetter des Keisers.
erdinand, schon früh zur Regierung in seinem damals ganz protestantischen
erzogtum gelangt, zog mit gewaffneten Scharen umher, schloß die Kirchen,
verbrannte die lutherischen Bücher und Bibeln und führte überall die Messe
wieder ein. „Besser eine Wüste als ein Land voll Ketzer“ war sein Wort.