Full text : Rosenheimer Anzeiger. 61. Jahrngang (61)

Auam̃ner  200

Rosenheher  Añgzeigen

Donnerstag,  23.  Dezember  1916

 

——□—
Rosenheim,  22.  Dez-Auszeichnungen

  im  Felde.  Der  Militärverdienstorden
  d.  Kl.  mit  Schwertern  wurde
dem  Oberarzt  Dr.  Haus  Weinberger  (Wasserdurg)
  der  Rerserve-  und  dem  Stabsveterinär
Karl  Kürschner  der  Reserve  (Rosenheim)  verliehen.
  Der  Gefreite  d.  L.  Rupert  Staudacher
im  1.  Fuß-Art.-Neg.,  Schmied  in  der  Fabrik
Markin  Beilhack  in  Nosenheim,  wurde  mit  dem
Militär-Verdiensttreuz  3.  Kl.  mit  Schwertern
ausgezeichnet.

Das  Kollegium  der  Gemeinde-Bevollmächtigten
  hielt  heute  wieder  eine
Sitzung  mit  umfangreicher  Tagesordnung  ab.
Zunächst  wurde  die  aus  dem  Bericht  über  die
letzte  Magistratssitzung  bereits  bekannte  Stiftung
  von  4000  Mark  zu  Gunsten  des  Bürgerspitals
  mit  Dank  angenommen.  Auch  die  Stiflung
  eines  Nagelungs-Wahrzeichens  zur  Erinnerung
  an  die  schwere  Kriegszeit  wurde  gutgeheißen.
  Die  Sozialdemokraten  erklärten,  sich
von  dieser  Mahnahme  enthalten  zu  wollen,  da
sie  überschwänglichen  Patriotismus  darin  erblicken
  und  viele  nicht  mitmachen  könnten,  die
in  diesem  Kriege  mehr  erduldet  härten.  Mit
den  Vorschlägen,  welche  der  Magistrat  für  die
Bildung  der  neuen  Armenräte  machte,  erklärte
das  Kollegium  sein  Einverständnis.  Aus  seinen
  Reihen  wurden  die  bisherigen  Armenpflegschaftsräte,
  die  G.-B.  Schmidt,  Schrettenseger
und  Schustetter  als  zulünftige  Armemäte  gewählt.
  Nach  längerer  Debatte  wurde  das  Gesuch
  des  Hauptlehrers  Schneller  um  Anschluß
seines  Anwesens  Prinzregentenstraße  58  an  das
Gasrohrnetz  gegen  Garantie  einer  jährlichen
Gasabnahme  in  Höhe  von  80  Ml.  Jauf  die
Dauer  von  fum  Jahren  genehmigt.  Für  das
städtische  Gaswerk  wurden  Etatsvarianten  in
Höhe  von  rund  6001,:  Mk.  genehmigt.  Die

Mehrausgaben  sind  ersorderlich  für  erhöhten

Kohleneinkauf,  für  Aushilfen,  Schmiermaterial
(infolge  der  gestiegenen  Preise  usw.  Auch  für
die  Stadtgärtnerei  unterbreitete  der  Stadtgärtner
  einen  Etatsvariant  für  die  Gewächshäuser
und  für  die  Beheizung  in  Höhe  von  7300  Mk.
Auf  Antrag  des  G.-B.  Schmidt  wurde  diese
Summe  im  Hinblick  auf  die  berzeitigen  Etatsverhältisse
  genehmigt.  Weiter  beschäftigte  man
sich  noch  mit  Notstandsarbeiten.  Das  Stadtdauamt
  hat  eine  Reihe  von  Projekten  ausgearbeitet,
  die  teils  jetzt,  teils  nach  der  Rückkehr
  der  Krieger  zur  Arbeitsdeschaffung  ausgeführt
  werden  sollen.  Für  den  Bedarsefall
im  nächsten  Jahr  kommen  Arbeiten  im  Betrage
von  9398  Mk.  in  Betracht.  Ueber  die  Projekte,
die  nach  dem  Krieg  durchgeführt  werden  sollen,
wird  man  später  noch  beraten.  Ueber  die  einzelnen
  Gegenstände  der  heutigen  Tagesordnung
lassen  wir  näheren  Bericht  noch  folgen.  Eine
Reihe  von  Fragen  war  geheimer  Sitzung  vorbehalten.


Zeitungsbetrieb  zu  Weihnachten
und  Neujahr.  Das  Kriegsministerium  gibt
belannt:  Der  Zeitungsbetrieb  für  die  kommenden
  Feiertage  wird  in  Bayern  folgendermaßen
geregelt:  Am  ersten  und  zweiten  Weihnachtsfeiertag
  (25.  und  26.  Dezember!  ferner  am
Neujahrstag  und  darauffolgenden  Sonntag  (1.
und  2.  Januar!  ist  in  den  Zeitungsbetrieben
vollständige  Arbeitsruhe  einzuhalten.  Der  technische
  Betrieb  ist  in  der  Nacht  vom  24.  auf  25.
Dezember  bzw.  31.  Dezember  auf  1.  Jamar
um  12  Ulhr  zu  sh  liehen  und  darf  erst  in  der
Nacht  vom  26.  auf  27.  Dezember  bzw.  2.  auf
3.  Januar  um  12  Uhr  wieder  beginnen.  Am
25.  und  26.  Dezember  und  1.  und  2.  Januar
ist  die  Veröffenklichung  der  amtlich  durch  WTB.
verbreileten  Kriegsdepeschen,  aber  ausschließlich
dieser,  an  den  Telegraimmntafeln  der  Zeitungen
gestattet.  Die  Zustellung  und  der  Straßenverkauf
  der  Zeitungen  ist  an  den  genannten
Tagen  nach  Maßgabe  der  ortspolizeilichen  Bestimmungen
  gestattet.

Weihnachten  in  unseren  Bergen.
Zu  den  begehrenswertesten  Zielen  ist  der  Wen.
delstein  zu  zählen.  Es  führt  nicht  nur  von

Bayrischzell  aus  ein  meist  gut  ausgetretener
Weg  hinan,  sondern  für  Bequeme  auch  von
Brannenburg  die  Bergdahn,  in  landschaftlicher
Beziehung  wohl  eine  der  schönften,  die  es  gibt.
Wer  sich  aber  tummeln  will,  findet  auch  bei  diesem
  Berg  seine  Rechnung.  Trotz  alter  Vorurteile
  in  der  Skiwelt  muß  hier  wieder  betont
werden,  daß  der  Wendelstein  mitten  in  einem
sehr  günstigen  Gelände  für  Schneeschuhunternehmungen
  liegt.  Ganz  abgesehen  von  den  Uebungshängen
  am  Sudelfeld,  das  am  besten  von

Bayrischzell  erreicht  wird,  denke  man  an  folgende
hübsche  Touren:  Brannenb  urg  be  Mitteralm-Reindleralm-Breitenstein-Birkenstein,
  Mitteralm-Hochsalwand,
  itteralm-Wildalmjoch.
Sudelseld-Bayrischzell,  Wendelfteinhaus-Zellerscharte
  #acherlptt  -  Foinieter  ·Mitteralm  usw.
Allerdings  sind  d  Touren  mit  Ausnahme
der  ersteren  nur  9  0  den  Fahrern  zu  empfehlen.
Das  Spitzsteinhaus  *  am  schnellsten  von  Oberaudorf
  (  an  —  ’  nübet

dich-  Ich  K
Hütten  ledoch  nur  Pe  der  btref
1s  ne  bep.  Alpenvereinssektionen

lich  as  Ein  reizendes  Sbsandguarker
5  eii  im  Winlel,

 

sich  im

5  .  A.“

 

Pferdeversleigerung.  Der  Landwirtschaftliche
  Kreisausschuß  versteigert  öffentlich  an
den  Meistlietenden  am  Domerstag,  den  23.
Dezember  1915,  vormittags  7211  Uhr  im
Groh-  schen  Anwesen  in  München-Laim,  Fürstenriederstr.
  61,  50  kriegsundrauchbare  Pferde.

Ein  Jim  merbrand  entstand  heute  vormittag
  im  Hausse  Kufsteinerstr.  12.  Erfreulicherweise
  konnte  er  schon  gelöscht  werden,  noch
ehe  er  größere  Bedeutung  erlangt  hatte.

Aus  dem  Gericht#iusle.

Eine  Bestechungsgeschichte.

Amberg,  21.  Dez.  Wegen  einer  gegenüber
einem  Beamten  der  hiesigen  Gewehrfabrik  unternommenen
  Bestechung,  veren  Erfolglosigkeit  und
schwere  Folgen  für  sich  der  Angeklagte  hätte
voraussehen  müssen,  wurde  von  der  hiesigen
Strafkammer  der  Drechslermeister  und  Hon
warenfabrilant  Joham  Retter  von  Regensburg
zur  Geldstrase  von  6100  Mk.,  im  Uneinbringlichkeitsfalle
  zu  3  Monaten  Gefängnis  verurteil!.
Retter  hatte  für  die  Gewehrsabrik  hier  im  heurigen
  Frühjahr  einen  Waggon  Gewehrhölzer
geliesert.  Wegen  Mangelhaftigkeit  wurde  mehr
als  die  Hälfte  der  ganzen  Lieferung  zurückgewiesen,
  dem  Angeklagten  aber  von  dem  die
Verhandlungen  mit  ihm  führenden  Hauptmam
Strebel  gestattet,  die  zurückgewiesenen  Hölzer
nach  entsprechender  Bearbeitung  wieder  anzuliesern,
  was  Retter  auch  lat.  Hierdurch  vermied
der  Angellagte  einen  Schaden  von  angeblich
50#1  Ml.  Mit  Brief  vom  13.  Juli  1.  J.  bot
sich  R.  der  Gewehrfabrik  zu  weiteren  Lieferungen
  an  um  einen  höheren  Preis  und  verhandelle
auch  bierwegen  wieder  persönlich  mit  Hauplmann
  Strebel,  der  gegenüber  den  hartnäckigen
Versuchen  des  R.,  einen  höheren  Preis  durch
zusetzen,  mit  aller  Bestimmtheit  erklärte,  daß
ein  höherer  Preis  nicht  gewährt  werden  könne.
R.  wies  nämlich  immer  darauf  hin,  daß  die
Gewehrfabrik  Amberg  diesen  Preis  auch  an  die
Gewehrfabrik  Erfurt,  von  der  sie  die  gleichen
Hölzer  bezog,  belallen  musse,  so  daß  schließlich
Hauptmann  Strebel  ihn  abfertigte  mit  den
Worten:  „Das  verslehen  Sie  nicht.  warum
wir  keine  höheren  Preise  bezahlcn.““  Eine  Einigung
  kam  bei  dieser  Gelegenheit  nicht  zustande.
Am  25.  Juli  nun  schrieb  Retrer  an  Hauptmann
Strebel  einen  Brief  des  Inbalte:  „Mit  eisernem
  Willen  erreiche  der  Deutsche  jein  Ziel  und
deshalb  möchte  er  Haupxtmann  Strebel  bitten,
ihm  behilflich  zu  sein  bei  seinem  Gesuche  um
weitere  Lieferungen  von  Gewehrhölzern  zu  höheren
  Preisen;  er  sei  ernstlich  bemüht,  sich  den
Gelräuchen  im  Verkehr  mit  hohen  Direktionslehörden
  zu  fügen  usw.“  Als  solchen  Brauch
bei  diesem  Verlehr  aber  sckeint  Retter  das
„Schmieren“  angesehen  zu  halen,  denn  er  legte
diesem  Brief  fünf  Ulanke  Hundertmarlscheine  bei,
ein  Verfahren,  das  wohl  in  Rußland  zum  ziele
führen  würde,  nicht  aber  im  Deutschen  Reich.
Von  dem  Gelde  und  dessen  Zweck  ermähnte  er
kein  Wort  im  Brief.  Eimige  Tage  darauf  reichte
dann  Retter  ein  sörmliches  Gesuch  bei  der  Gewehrfabrik
  ein  um  Uebertragung  einer  Lieferung
  von  100/000  bis  20000  Stüc  Gewehrhölzern
  zum  Erfurter  Preise.  Hauptmann  Strebel
  legte  Brief  und  Geld  seiner  vorgesetzten
Behörde  vor  und  diese  brach  sofort  die  geschäftlichen
  Beziehungen  mit  Retter  ab,  erstattete
Anzeige  und  stellte  Strasantrag  gegen  Retter
wegen  Beamtenbeleidigung.  Retter  bestreitet  die
Absicht  der  Bestechung  und  will  sich  mit  der
Einkage  der  5000  Mk.  dem  Hauptmann  Srrebel
nur  dafür  ertenntlich  gezeigt  haben,  daß  dieser
ihm  gestaitet  habe,  für  die  schadhaften  Hölzer
nachliefern  zu  dürfen  und  ibn  so  vor  einem  Schaden
  von  51u#l#  Mt.  bewahrt  habe.  Auch  habe
er  die  Worte  des  Hauptmanns,  Strebel:  „Das
verstehe  er  nicht“  usw.,  so  aufgefaßt,  als  habe
er  es  an  etwas  fehlen  lassen.  Prooisionen  dieser
Art  seien  im  geschäftlichen  Berkehr  allgemein
üblich.  Das  Gericht  scheukte  dieser  Verteidigung
keinen  Glauben.  Der  e  %  Brief  des  Angeklagten
  an  Hauptmann  Strebel  und  das  dem
Schmierversuche  alsbald  nachfolgende  Gesuch  geben
  einen  zu  deutlichen  Kommentar  zu  Retters
wairliher  Absicht.  Seine  Strafe  verschärft  sich

dadurch,  daß  auch  die  fünf  blauen  Lappen
al-  der  Staatskasse  verfallen  erklärt  wurden.

Der  Wellkrieg.

Der  Kaiser.

WITB.  Berlin,  22.  Dez.  Amtlich.  S.  M.
der  Kaiser  hat  die  beschlossene  Weiterreise  zur
Westfront  wegen  einer  leichten  Zellengewebsentzündung,
  welche  Allerhöchstdenselben  zwingt,
einige  Tage  das  Zimmer  zu  hüten,  verschieben
müssen.

 

 

GEeneral  v.  Emmich  f.
Hannover,  22.  Dez.  Se.  Esz.  General
der  Infanterie  v.  Emmich,  der  Eroberer  von
Lütlich  Kommandeur  des  10.  Armeekorps,  ist
heute  nacht  hier  sanft  entschlafen.
Aus  der  sozialdemokr.  Partei.
Berlin,  22.  Dez.  Die  sozialdemokratische

Fraktion  des  Reichstags  beschäftigte  sich  heute
in  mehrstündiger  Sitzung  mit  dem  Disztplinbruch,
  den  rine  Keine  brern  der  Mal  ·

 

tion  bei  der  gestrigen  Abstimmung  über  die
Kriegskredite  begangen  hat.  Es  wurde  eine
Erklärung  entgegengenommen,  worin  die  Mehrbeit
  der  Frastidn  ihre  entschiedenste  Mißbilliw
  dieses  Diszlplinbtuches  amsspricht  und  jede
erantwortung  für  die  part  eischädigenden  und
politischen  Mirkungen  ablehnt,  die  in  dem  Verbanten
  der  Minderheit  liegen.  (3Z.)

Die  französische  Sozialdemolratie
nd  der  Friede

Paric,  22.  Dez.  Nach  der  „Guerre  Soziale“
gestaltete  sich  der  gestrige  Kongreß  der  sozialistischen
  Vereinigung  der  Seine  zur  Vorberatung
des  Antrages  für  den  nationalen  Kongreß,  der
in  acht  Tagen  in  Paris  flattfinden  soll,  zu
einer  lebhaften  und  oft  lärmenden  Sihung,
besonders  bei  der  Erörierung  der  Fragen  bezüglich
  des  zukünftigen  Friedens  und  der  Be-Viehungen
  zu  den  verschiedenen  Sektionen  den
Internationale.  Der  Dexrutierte  Longuet  hielt
in  der  Regelung  der  elsässischen  Frage  eine  Befragung
  der  Bevölkerung  für  notwendig.  Er
erllärte  sich  ferner  für  einen  nicht  zu  frühen,
aber  auch  nicht  zu  späten  Friedenoschiuß.  Der
Deputierte  Laval  äußerte  sich,  daß  es  im  Interesse
  Frankreichs,  sowie  feiner  Urbeiterllasse
vielleicht  eines  Tages  nötig  sein  würde,  den
Londoner  Vertrag  nicht  mehr  zu  achten.  Schließ-=lich
  fand  die  meisten  Anhänger  ein  vom  Derulierten
  Renandel  gesaßter  Beschluß,  wonach
die  Fortsetzung  des  Kriegs  bis  Niederwersung
des  deutschen  Imperialismus  nötig  sei  und  die
Besiehungen  erst  wieder  angeknüpft  werden  sollten,
  menn  die  deutsche  Minderheit  vollständig
von  der  Scheidemannschen  Mehrheit  sich  getrennt
  habe  und  mwonach  die  Herstellung  des
alten  Rechtszustandes  Eljah  Lothringens  Bedingung
  für  den  Frieden  sei.  G#OStimmen  waren
für  Renandel,  J8010  Slimmen  für  Longuet.

Ein  englischer  Kreuzer  schwer
a  variert?

Amsterdam,  22.  Dez.  Aus  sicherer  Luelle
wird  mitgeteilt,  dass  in  Dover  ein  englischer
Kreuzer  in  havariertem  Zustand  mit  vielen  Toten
  und  Verwundeten  eingeschleppt  worden  ist.

Verwundete  englische  Generale.

Haag,  22.  Dez.  In  der  letzten  englischen
Verlustlilte  werden  die  Namen  von  drei  englischen
  Generalen  genannt  und  zwar  Brigadegeneral
  Hollmann  von  den  indischen  Tiuppen
an  der  Irakfront,  General  Hodson  von  den
indischen  Truppen  auf  Gallipoli  und  General
Rysie  von  den  Australiern  auf  Gallipoli.  Alle
drei  sind  verwundel.  (.3.)

Die  Einberufung  in  London.

Amsterdam,  22.  Dez.  Im  Gegensatz  zu  der
offiziösen  Reutermeldung  erfährt  der  Korrespondent
  der  „Voss.  Ztg.“  aus  London,  daß  die
Einberufung  der  ersten  vier  Rekrutenklassen  überall
  Aufregung  hervorgerufen  habe,  zumal  man
erwartete,  daß  erst  das  Ergebnis  der  Anwerlungen
  bekannt  gegeben  werde  und  daun  die
einzelnen  Jahresllassen  nach  Bedarf  einberufen
werden,  mie  dies  auch  vorher  versprochen  worden
  war.  Die  sofortige  Einbernfung  von  vier
Jahrgängen  hat  zu  den  verichtedenteen  Gerüchten
  Veransassung  gegeben.  (.)

Der  Friedensaposen"  Ford.

Kopenhagen,  22.  Dez.  Der  amerilanische
Millionär  Ford,  der  mit  170  Amerikanern  in
Christiania  eingetrosfen  ist,  um  seine  belannten,
vorläufig  etwas  unklaren  Friedenspläne  zu  verwirklichen,
  ist  in  der  norwegischen  Hauptstadt
schwer  erkrankt  und  hat  die  Weiterreise  nach
Schweden,  Dänemark  und  Holland  ausgegeben.
Ford  scheint  sich  auf  europäischem  Boden  der
Schwierigkeiten  bewußt  norden  zu  sein.  Die
standinavische  Presse  reröffentlicht  einen  an  alle
Souveräne  der  kriegführenden  Länder  gerichteten
  Brief  der  Ford-Gesellschaft,  die  aufrichtigen
Idealismus,  aber  gänzliche  Verkennung  der  sachlichen
  Schwierigkeiten  bezeugt.  (3.)

Amerika  und  Oesterreich-Ungarn.

Köln,  22.  Dez.  Laut  „Köln.  Ztg."  berichtet
  Reuter  aus  shington,  der  österreichischungarische
  Geschäftsträger  hat  sämtliche  Konsuln
  der  Doppelmonarchie  beauftragt,  sich  bereit
  zu  halten,  in  möglichst  kurzer  Zeit  abreisemn
zu  lönnen.  Dem  Vernehmen  nach  find  entsprechende
  Weisungen  an  die  amerikanischen  Konsaln
  i  in  Oesterreich  ergangen.  (3.)

Beschießung  von  Varna.

Chiasso,  22.  Dez.  Nach  einer  Secolo-Meldung
  aus  Athen  beschießen  ein  russischer  Kreuzer
  und  2  Torpedoboote,  die  16  russische  Truppentransporte
  begleiten,  den  bulgarischen  Hafen
von  Varna  am  Schwarzen  Meer.  (3.)

Das  Fiasko  der  russischen  Anleihe.

Kopenhagen,  22.  Dez.  Verschiedene  Pegereburger
  Blälter  melden,  daß  die  Zeichnungsfrist
  für  die  neue  Kriegsanleihe  bis  1.  Jannar
verlängert  wurde,  da  die  Zeichnungen  äußerst
spärlich  und  die  gezeichneten  Beträge  sehr  niedrig
  seien.  (3.)

Die  russische  Ausrustung.
Bern,  22.  Dez.  „L'Information“  schreibt:
Es  ist  krin  EGeheimnis,  daß  die  russischen,  in
Bessarabien  zusammengezogenen  Armeen  wegen
ungensgender  Juscstung  micht  eingreisen  E

 

 

ten.  Man  lann  nicht  oft  genug  wiederholen,
daß  die  Allitertcu  die  russischen  Reserven  aus
rüsten  müssen.  ist  Sache  Englands,  Janans
  und  der  W  3  Werkstätten.  Hie
muß  der  Zentralaueschuf  der  Alliierten  für
Munition  wirlsam  eingreifen.  Es  war  immer
sellstverständlich,  daß  das  Auftreten  des  russi.
schen  Hecres  Kegen  Bulgarien  von  erheblicher
Bedeutung  sein  würde  und  daß  dies  die  Bedingung
  und  Urfache  unserer  Expedition  nach
Saloniki  war,  da  ja  die  Expedition  Serbien
nicht  mehr  retten  konnte,  und  daß  immerhin  bei
der  Durchmarscherlaubnis  seiteno  Rumäniens
oder  gar  unter  seiner  Mitwirlung  die  deutschtürlischen
  Verbindungen  äußerst  unsicher  gemacht
würden.

Fliegerüber  Sliutari.

Cetinje,  22.  Dez.  (Savas.,  Ein  östlerreichisches
  Flugzeug  überflog  am  17.  Dezember
Skutari  und  warf  drei  Bomben  ab,  die  zwei
serbische  Flüchtlinge  töteten.  (Z.,

Rumänien.

Bukarest,  22.  Dez.  In  der  gestrigen  Sitzung
  des  Senats  siellte  der  Berichterstatter  Aleffin
  sest,  daß  die  Opposition  einen  viel  sanfteren
Ton  gegen  die  Regierung  anschlage,  was  auf
die  Slimmung  zurückzuführen  sei,  die  im  Lande
herrsche.  Die  Opposition  werfe  der  Negierung
vor,  daß  sie  nicht  an  der  Seite  des  Vierver
bandes  in  den  Krieg  eimrat,  aber  weder  Fili
pescu  noch  Toma  Jonescu  seien  berufen,  sich
über  die  Zwedmaßigleit  des  Augenblickes  zum
Eingreifen  auszusrrechen.  Bulgariens  Eingreisen
  bildete  nur  eine  Exisode  im  Weltkriege.
die  leinen  lestimmenden  Einfluß  auf  die  rumeänische
  auswärtige  Politik  haben  könne.  Das
Eingreisen  Rumäniens  hätte  den  Sieg  nicht
lerleiführen  lönnen,  wie  der  Verlauf  des  Krie
ges  zeige.  Rumänien  müsse  heute  mehr  denn  je
ruhig  und  laltolmig  bleiben.  Man  dürfe  auch
nicht  vergessen,  daß  zu  Beginn  des  Weltkrieger
Rumänien  nicht  vorbereitet  rar.  Im  Inier
esse  des  Landes  sei  die  Regierung  verpssichtet,
in  ihren  Acußerungen  über  die  auswärtige  Politik
  sich  Zurückhaltung  auf  zuerlegen.
Rumäniens  Getreidelieserungen.

Bularest,  22.  Dez.  Das  Getreideliefe
rungegeschäft  auf  5000  Waggons  lann  als
algesch  loissen  betrachlet  werden.  Der  Finanz
minister  Costinescu.  willigte  ein,  daß  die  Hälfte
des  Aussuhrzolles  in  Gold  hier  bezahlt  wid
während  die  andere  Hälfte  in  Gold  bei
Reichsbanl  zu  erlegen  ist  und  beim  Frledeneschluß
  zum  Parilurs  zurückgelauft  werden  kann.
Die  Bezahlung  der  Ware  findet  an  der  Grenze
slatt.  Bereits  gekaufte  Vorräte  sind  in  das  Geschäft
  einbezogen.

Der  amtliche  türliche  Bericht.

TB  Konstantinopel,  21.  Dez.  Das
Haurtauartier  teilt  mit:  An  der  Irakfront  bei
Autel.  Amara  danern  die  örtlichen  Kämpfe  fort.
An  der  Kaulasusfront  wurde  ein  an  unserem
Zentrum  im  Abschnitte  von  Id  mit  ungefähr
einem  Regiment  unternommener  feindlicher  Angriff
  gegen  unsere  durch  eine  Kompanie  verteldigten
  Vorgostennellungen  leicht  abgehalten.
An  der  Dardanellenfront  ist  die  Zählung  des
lei  Ari  Burun  und  Anasorta  vom  Feinde  zurückgelassenen
  Kriegematerialo  und  der  Militärausrüstungogegenstände
  aller  Art  noch  nicht
algeschlossen.  Unter  der  bei  Ari  BuxUn  ge.
machten  Beute  befinden  sich  zwei  schwere  Ge—
schütze,  ein  Schneiderfeldgeschus,  große  Mengen
Munition,  namentlich  Gewehr=  und  Maschinen
gewehrmunition,  eine  große  Anzahl  Maultiere
und  Munilionswagen,  Jelte  von  Lebensmitteln,
sowie  Leiexhon=  und  Pioniermaterial.  Feindliche
  Schisfe  beschossen  gestern  bis  abends  mit
Heftigkeit  ihre  verschiedenen  Lagerstellungen,  um
die  von  ihnen  preisgegebene  Beute  zu  vernichten,
  was  ihnen  nicht  gelang.  Bei  Sedd  ul  Bahr
auf  dem  linken  und  rechten  Flügel  nichts  von
Bedeutung.  Das  feindliche  Zentrum  unternimmt
hin  und  wieder  Angriffe,  die  jedesmal  zurückgeschlagen
  wurden.

Dewet.

Prätoria,  22.  Dez.  Die  Geldstrafe  von
2000  Pind  Sterling,  zu  der  Dewet  verurteilt
worden  war,  wurde  bezehlt.  (Z.)

Japanische  Flotten-Rüstungen.

Tokio,  22.  Dez.  (Petersburger  Telegraphen-Agentur.)
  Im  Haushaltsausschuß  erklärte
der  Marineminister,  daß  das  neue  Marinepro-=gramm,
  das  von  dem  andesverteidigungsausschuß
  bewilligt  wurde,  den  Bau  zweier  Geschwader
  vorsieht,  von  denen  jedes  vier  Ueberdreadnonghts
  und  vier  Panzerkreuzer  zählen

wird.  Die  Kosten  des  Programms,  dessen  Erkoigung
  die  Zeit  von  1917  bis  1922  beanspruchen
  wird,  betragen  254  Millionen  Ven,
abgesehen  von  den  Kosten  ar  die  Vorbereitungsarbeiten
  im  Jahre  1916

 

Wertterbericht  für  Donnerstag,  23.  Dezember:
Weiterhin  unbestöndig,  sestweise  Mederlchläge: