Full text : Preußische Geschichte. Dritter Band. (3)

12  Erstes  Buch.  Die  Erhebung  zur  Großmacht.

Gewalt.  Zudem  hatte  er  noch  andere  Eisen  im  Feuer.  Schon
hatte  er  in  Paris  wissen  lassen:  garantiere  man  ihm  seinen
Besitz,  so  stehen  Berg  und  Jülich  zu  Fraukreichs  Verfügung.
Englands  Bedenken  sollte  die  Darangabe  Ostfrieslands  und
Mecklenburgs,  Rußlands  die  Kurlands  beschwichtigen,  Sachsen
aber  gewonnen  werden,  indem  man  ihm  in  Böhmen  freie  Hand
ließ.  Dennoch  fanden  seine  Anträge  in  Wien  keine  bessere  Aufnahme,
  zumeist  infolge  der  englischen  Hetzereien,  die  im  Interesse
Hannovers  Maria  Theresia  in  der  Hoffnung  bestärkten,  Preußen
für  seinen  Ueberfall  zu  züchtigen.

So  drohte  die  „Bagatelle“  sich  zu  einem  veritablen  Kriege
auszuwachsen.  Preußens  Vorgehen  beunruhigte  die  übrigen
Mächte,  Bayern  und  Frankreich  aber,  durch  deren  Aktion
Friedrich  seine  Gegnerin  schnell  zur  Erkenntnis  ihrer  wahren
Lage  gebracht  zu  sehen  gehofft  hatte,  blieben  unthätig.  Die
Vermittelung  Rußlands,  auch  Englands  wäre  ihm  nun  genehm
gewesen.  Um  einen  Teil  der  Beute  zu  behaupten,  wollte  er
gern  den  anderen  fahren  lassen.  Auch  Podewils  mahnte,  den
Fehler  zu  vermeiden,  durch  den  der  Große  Kurfürst  dereinst  die
Gewinnung  wenigstens  eines  Stückes  von  Pommern  verscherzt
habe.  So  wollte  sich  Friedrich  mit  Niederschlesien,  ja  mit
weniger  begnügen,  wenn  nur  Breslau  dabei  wäre:  sein  Angriff
habe  nicht  der  Pragmatischen  Sanktion  gegolten,  sondern  nur
sein  gutes  Recht  auf  die  unter  Fürsten  übliche  Art  verfolgen
sollen.  Bald  wurde  die  Lage  ernster.  Während  Bayern  und
Frankreich  unthätig  blieben,  verständigte  sich  Sachsen  mit  Oesterreich.
  Rußland,  die  Niederlande,  England  waren  mitzuthun
bereit.  Die  Bagatelle  drohte  zu  einer  Umwälzung  Europas  zu
führen.  Die  Schuld  daran  schob  Friedrich  auf  England  und
Rußland,  hoffte  aber  wenigstens,  daß  Oesterreich  zu  Fall  kom—
men  und  er  Sachsen  unter  den  Trümmern  begraben  sehen  werde.
Er  wollte  sich  mit  Festigkeit  waffnen,  als  Held  kämpfen,  be—
sonnen  siegen  und  dem  Unglück  stoisch  die  Stirn  bieten.  Zwei
Anschlägen  österreichischer  Husaren  entgangen,  machte  er  da—
mals  Podewils  mit  seinem  Kopf  dafür  verantwortlich,  daß
man,  wenn  er  gefangen  würde,  seinen  Befehlen  nicht  gehorche,
sondern  weiter  kämpfe;  falle  er,  sollte  man  ihn  nach  römischer