Full text : Der Kanzler.

nische  Bemerkungen  hören.  In  Sachen  der  Bundesreform,
die  nach  österreichs  Qbsicht  den  Bund  in  „eine  Regierungsmaschine
  für  Deutschland  inklusive  Dreußen  verwandeln"“
sollte,  führte  Bismarck  die  Sprache  rücksichtsloser  Offenheit;
sein  altes  Mittel,  mit  einem  französischen  Bündnis  zu  drohen,
wirkte.  Er  trat  seinerseits  mit  dem  Derlangen  nach  einem
deutschen  Darlament  am  Bunde  hervor  und  stellte  unzweideutig
  die  deutsche  Frage,  d.  h.  er  ließ  durchblicken,  daß
es  zum  Bruch  kommen  werde,  wenn  österreich  fortfahre,  mit
Mehrheitsbeschlüssen  am  Bunde  reußen  niederzustimmen.
Osterreich  drang  am  Bunde  selbst  nicht  durch.

Im  Januar  1863  brach  in  Warschau  ein  gefährlicher
polnischer  Kufstand  aus.  Bismarck  schloß  am  8.  Februar  zu
gemeinsamen  Maßregeln  eine  Konvention  mit  Rußland  ab.
Die  Opposition  war  empört.  Bismarck  verweigerte  die  Kuskunft
  über  die  Häbmachungen;  die  „Seeschlange“  der  Nonvention
  wälzte  sich  durch  lange  Nammerverhandlungen.  Das
französische  Kabinett  geriet  in  Aufregung;  das  britische  Ministerium
  fragte  sich,  welch  ein  neuer  Wille  auf  dem  Festlande
geboren  sei.  Bismarck  aber  hielt  durch:  „Die  Seit,  in  der  ich
ziemlich  einsam,  ich  kann  wohl  sagen,  einer  Welt  von  Sorn
und  haß  gegenüberstand,  habe  ich  mein  Siel  nicht  aus  den
Kugen  verloren.“  Niemand  in  der  preußischen  Kammer  und
im  Lande  hatte  eine  Khnung,  „daß  Bismarck  durch  die  Befestigung
  der  russischen  Freundschaft  den  ersten  Stein  zum
Lundamente  für  Hreußens  künftige  Größe  gelegt  hatte“.  Aber
auch  von  Rußland  ließ  sich  der  selbständigste  aller  Staatsmänner
  nicht  ins  Joch  spannen.  Die  Seit  war  vorüber,  wo  die
preußische  Holitik  sabwechselnd  in  Wien  und  in  DPetersburg“
gemacht  wurde.  Bismarck  hielt  sich  nach  allen  Seiten  srei.
Dor  allem:  „Die  deutsche  Einheit  mußte  ohne  fremde  Einflüsse
zustande  kommen,  aus  eigener,  nationaler  Kraft.“

Bismarck  hatte  die  Regierung  ohne  Budget  weitergesührt.
Das  Land  war  in  tiefer  Erregung,  und  die  Mehrheit  des
Landtags  reichte  dem  Uönig  eine  Anklageschrift  gegen  die
Minister  ein.  „Einzelne  fortschrittliche  Seitungen  hofften  mich
zum  Besten  des  Staates  Wolle  spinnen  zu  sehen.“  Der  König
aber  stand  zu  seinen  Räten,  und  so  suchte  denn  der  Landtag
den  verhaßten  Minister  durch  Zblehnung  jedes  Knutrags,  durch
Derweigerung  aller  Mittel  zu  beseitigen.  Die  konservative
Partei,  die  Dartei  Bismarcks,  war  auf  elf  Mitglieder  zusammengeschmolzen
  und  konnte,  wie  die  Linke  höhnte,  in
einem  Omnibus  nach  dem  Dönhoffsplatz  fahren.  Der  Widerstand
  gegen  Bismarck  beschränkte  sich  aber  nicht  auf  die  Kammeropposition.
  Die  eigenen  Freunde  scheuten  sich,  ihm  in

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