Full text : Der Kanzler.

[Greifswald],  August  1838.

..  .  Daß  mir  von  hause  aus  die  Natur  der  Geschäfte
und  der  dienstlichen  Stellung  unsrer  Staatsdiener  nicht  zu—
sagt,  daß  ich  es  nicht  unbedingt  für  ein  Glück  halte,  Beamter
und  selbst  Minister  zu  sein,  daß  es  mir  ebenso  respektabel
und  unter  Umständen  nützlicher  zu  sein  scheint,  Korn  zu
bauen  als  administrative  Derfügungen  zu  schreiben,  daß  mein
Ehrgeiz  mehr  danach  strebt,  nicht  zu  gehorchen,  als  zu  befehlen;
  das  sind  kacta,  für  die  ich  außer  meinem  Eeschmack
keine  Ursache  anzuführen  weiß,  indessen,  dem  ist  so  ...  Die
wirksamkeit  des  einzelnen  Beamten  bei  uns  ist  wenig  selbständig,
  auch  die  des  höchsten,  und  bei  den  andern  beschränkt
sie  sich  schon  wesentlich  darauf,  die  administrative  Maschinerie
in  dem  einmal  vorgezeichneten  Geleise  fortzuschieben.  Der
preußische  Beamte  gleicht  dem  Einzelnen  im  Crchester;  mag
er  die  erste  Violine  oder  den  Triangel  spielen,  ohne  Ubersicht
und  Einfluß  auf  das  Ganze,  muß  er  sein  Bruchstück  abspielen,
wie  es  ihm  gesetzt  ist,  er  mag  es  für  gut  oder  schlecht  halten.
Ich  will  aber  Musik  machen,  wie  ich  sie  für  gut  erkenne,
  oder  gar  keine  HFür  wenige  berühmte  Staatsmänner,
  namentlich  in  Ländern  absoluter  Verfassung,  war  übrigens
  wohl  Vaterlandsliebe  die  Triebfeder,  welche  sie  in  den
Dienst  führte;  viel  häufiger  Ehrgeiz,  der  Wunsch  zu  befehlen,
bewundert  und  berühmt  zu  werden.  Ich  muß  gestehen,  daß  ich
von  dieser  Leidenschaft  nicht  frei  bin,  und  manche  Kuszeichnungen,
  wie  die  eines  Soldaten  im  Kriege,  eines  Staatsmannes  bei
freier  Verfassung,  wie  Peel,  O'Connel,  Mirabeau  usw.,  eines
Mitspielers  bei  energischen  politischen  Bewegungen,  würden  auf
mich  eine,  jede  Überlegung  ausschließende  Anziehungskraft
üben,  wie  das  Licht  auf  die  Mücke;  weniger  reizen  mich  dagegen
  die  Erfolge,  welche  ich  auf  dem  breitgetretenen  Wege,
durch  Examen,  Nonnexionen,  Kktenstudium,  Knciennität  und
Wohlwollen  meiner  Vorgesetzten  zu  erreichen  vermag.  Dennoch
  gibt  es  Zugenblicke,  wo  ich  nicht  ohne  schmerzliche
regrets  an  alle  die  Befriedi  gungen  der  Eitelkeit  denken  kann,
welche  mich  im  Dienst  erwarteten;  die  Genugtuung,  seine
Brauchbarkeit  und  Überlegenheit  durch  schnelle  Beförderung

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