Der „wilde“ Bismarck.
Von Bismarck am 31. Januar 1871 in VDersailles erzählt.
Die Bauern bei uns machten sich sehr wunderliche Vorstellungen.
Da hieß es: wir wären etliche zusammen gewesen,
junge Leute, in einem öffentlichen Lokale und hätten
da etwas gegen den König gesagt, der dabei gesessen hätte,
aber unerkannt. Da wäre er plätzlich aufgestanden, hätte
den Mantel auseinander geschlagen und den Stern auf der
Brust gezeigt. Die andern wären erschrocken, ich aber hätte
mich nicht daran gekehrt und ihn grob behandelt. Da hätte
ich zehn Jahre Gefängnis gekriegt und dürfte mich nicht
rasieren. Mun trug ich damals einen Dollbart, was ich
mir in Frankreich angewöhnt hatte, 1842, wo das eben aufkam,
und so hieß es, alle Jahre in der Silvesternacht käme
der Scharfrichter, der schnitte ihn mir ab. — Es waren
reiche und sonst gar nicht dumme Bauern, die das erzählten,
und sie sagten es nicht, weil sie was gegen mich hatten, sondern
ganz gutmütig und voll Mitleid mit dem jungen
Menschen.
Busch, Tagebuchblätter.
Grundsätze.
Tischgespräch. Friedrichsruh, 30. Dezember 1890.
Die von Bismarck erwähnte Cousine ist die Gräfin Karoline
von Bismarck-Bohlen, vermählte von Malortie.
In meiner Jugend pflog ich mit einer philosophisch angehauchten
Cousine, die mich gerne betanten wollte, oftmals
Gespräche darüber, ob ich Grundsätze annehmen müsse oder
nicht. Schließlich sagte ich ihr, und damit waren alle unsere
Streitigkeiten zu Ende: „Wenn ich mit Grundsätzen durchs
Leben gehen soll, so komme ich mir vor, als wenn ich durch
einen engen Waldweg gehen sollte, und müßte eine lange
Stange im Munde halten!“
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