Betrachtungen über die Kriegführung 1918. 207
günstigsten Bedingungen beginnen. Ahnlich lag es auch auf den
anderen Fronten. Auch eine Wiedererstarkung Rußlands mit der
Hilfe der Entente war möglich; an Versuchen der Entente hierzu
hat es nicht gefehlt. Der Kampf 1919 gegen den vereinigten
und gekräftigten Feind mußte sehr ungleich werden, zumal der
Bierbund seine Streitkräfte nicht weiter vermehren konnte.
Es war zu erwägen, ob die O. H. L., ähnlich wie im Frühjahr
1917, den Ausgang des Krieges allein auf den Erfolg des
U-Bootkrieges aufbauen sollte. Jenes uneingeschränkte Vertrauen
hatte sie zu dieser Waffe nicht mehr, selbst wenn sie auch weiterhin
von ihrem Wirken bedeutungsvollste Unterstützung erhoffte. Der
U-Bootkrieg war ein sehr wesentliches Mittel zum Siege geblieben,
aber nicht mehr das alleinige. Tatsächlich ist seine große wirtschaftliche
Wirkung 1918 bis zur Einstellung besonders auch darauf zurückzuführen,
daß durch den deutschen Angriff im Westen 1918 der
Feind gezwungen wurde, Schiffsraum in weit höherem Maße
für die beschleunigte Überführung des Heeres der Vereinigten
Staaten zu gebrauchen und damit der wirtschaftlichen Versorgung
zu entziehen, als wenn er, ohne jenen Angriff, die Überführung in
größerem Zeitraum hätte vornehmen können.
Die weitere Frage, ob etwa bei dieser abwartenden Kriegführung
ein Verständigungsfriede zu erwarten gewesen wäre, muß
gegenüber dem Vernichtungswillen des Feindes und seiner Hoffnung
auf die Armee der Vereinigten Staaten verneint werden. Kein
anderer Weg führte zum Frieden, als der Kampf.
Eine abwartende Kriegföhrung hätte aller Wahrscheinlichkeit
nach auf den Bestand des Vierbundes schwächend, vielleicht zersetzend
gewirkt. Es darf nicht vergessen werden, daß durch die Friedensresolution
das Vertrauen zu Deutschland in Bulgarien und der
Türkei sehr beeinträchtigt war und daß sich namentlich in Bulgarien
starke Kräfte regten, die einen Austritt Bulgariens aus dem
Vierbund wünschten. Der Regierungswechsel in Bulgarien im
Frühjahr 1918 zeigte es. In Sofia war der Generalkonsul der
Vereinigten Staaten nach ihrer Kriegserklärung an Deutschland
verblieben. Das stellte sich in seiner Wirkung auf die innerpoliti-