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Es ist die Frage, ob die Dinge wirklich so lagen, wie wir
hier sie ansehen. Friedrich hatte einen östreichischen Gesandtschafts-Sekretär,
und einen sächsischen Kanzlisten in seinem Solde. Diese
verschafften ihm Abschriften aller geheimen Papiere. Aus denselben
geht hervor, daß die leitenden Personen in Wien und Dresden
alle sehr erbittert gegen den Preußenkönig waren, daß sie gern
ihm den Untergang gewünscht, gern seine Länder getheilt hätten.
Indessen um das zu wissen, bedurfte Friedrich II. nicht einmal
dieses, wir wollen sagen, nicht gerade ehrenhaften Mittels. Er
konnte es bei sich selbst erfragen und erfahren, vermöge des alten
Spruches: Wie du mir, so ich dir. Aber er ließ aus diesen Schriften
mehr machen. Sobald er die Originale in Händen hatte, bewies die
Feder seines Ministers Herzberg aus denselben, daß Oestreich und
Sachsen den Preußenkönig hätten angreifen wollen, um seine Länder
zu theilen. Obwohl Herzberg dies später widerrufen, obwohl er später
offen bekannt, daß diese Theilungsvorschläge nur eventuell gemacht
seien, nur unter der Voraussetzung, daß der König selbst Gelegenheit
zum Kriege gebe: so wird das doch im Interesse Friedrichs II.
von den Rachkommen so geglaubt, wie er selbst es haben wollte.
Nicht also dachte die damalige Mitwelt. Es ist nicht schwer zu
erkennen, wie auch damals wieder die Brüder des Königs, Wilhelm
und Heinrich, ihm die Schuld des neuen Krieges beimaßen,
in welchen er die Welt stürzte. 1) Als hauptsächlichen Rathgeber
haben Andere den General Winterfeld genannt.
Nicht diese seine Brüder zog der König zu Rathe. Er berief
zu sich die Generale Schwerin, Retzow und Winterfeld, und legte
ihnen seine Meinung dar, daß der Krieg beginnen müsse.:) Er
machte dieselbe Erfahrung, wie beim ersten und beim zweiten schlesischen
Kriege: Schwerin und Retzow riethen ab, Winterfeld stimmte
zu. Der König beharrte. Da erklärte Schwerin, daß, wenn der
1) Oeuv. XXVI. 112. 203. — 2) Dohm IV. 216.