Contents : Jahrbuch für Gesetzgebung, Verwaltung und Volkswirthschaft im Deutschen Reich. Dritter Jahrgang. (3)

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man  sich  in  Dänemark  gesteckt  hat,  und  es  würden  in  der  That  die  groben  Arbeiten,
wie  sie  ausgestellt  waren,  auf  dem  Markte  wenig  Käufer  finden,  im  Hause  aber,
von  eigener  7  zu  eigenem  Gebrauche  gefertigt,  thun  fie  ihre  guten  Dienste.  Darum
spielen  die  usfleißbestrebungen  in  Dänemark  eine  gewisse  Rolle  und  es  werden
ihnen  aus  pädagogischen  Rücksichten  Aufmerksamkeit  und  Geldmittel  zugewendet.  Jedoch
dat  Dänemark  weder  die  Priorität  in  seinen  Bestrebungen,  noch  leistet  es  besonders
viel  darin;  die  schwedische  Ausstellung  in  Paris  wies  bedeuteud  schönere  Erzeugnisse
auf,  welche  auch  für  den  Markt  bestimmt  find,  wie  denn  überhaupt  dort  die  Hauzwirthscheft
  schon  in  die  Hausindustrie  überzeht=  Es  scheint  mir  daher  Herr  Hansen
das  Richtige  zu  treffen,  wenn  er  in  seinen  beiden  Reiseberichten  über  den  Hausfleiß
im  Norden  Schweden  durchaus  in  den  Vordergrund  stellt  und  die  dortigen  Schulen
eingehend  schildert.

.  Von  höchstem  Interesse  sind  die  Mittheilungen  Böhmert's  über  die  Gewerbestatistik
  Sachsens.  Am  hervorragendsten  ist  der  Antheil  dieses  Landes  an  der  Textil-=industrie
  des  Reiches  mit  203,780  (22  %)  in  derselben  beschäftigten  Personen.  Dieser
Procentsatz  hebt  sich  in  der  Strumpf=  und  Strickwaarenindustrie  auf  58  %  ,  in  der
Spitzen=  und  Weißzeugfabrikation  auf  59  /,  in  der  Weberei  von  gemischten  Stoffen
auf  6  %  .  Ganz  außerordentlich  ist  die  Zunahme  der  Spindeln  und  Wekbstühle  gewesen;
  ihre  Zahl  betrug  in  Tausenden:

Spindeln  Webstühle
Mule-  Selfaktor-  Water-  Zwirn-  Hand-  Kraft-1861
  903  137  87  47  69  83
1875  436  681  158  108  85  17,0

Die  im  Maschinenbau  und  in  der  Eisengießerei  beschäftigten  Arbeiter  nahmen  in  den
gleichen  Jahren  von  7.843  auf  18.768  zu,  welche  mit  ihren  Familien  etwa  60.000  Köpfe
repräsentiren.  Trotz  eines  so  ungeheuren  Aufschwunges  der  Großbetriebe,  welche
260.215  Arbeiter  beschäftigten,  waren  in  den  Kleinbetrieben  doch  noch  mehr  Personen,
nämlich  369.445,  thätig.  Für  die  Gegenwart  ist  daher  der  Kleinbetrieb  noch  höchst
bedeutungsvoll  und  als  Mittel  demselben  zu  helfen,  führt  Böhmert  unter  Berufung
auf  Reuleaux  die  Verallgemeinerung  kleiner  Motoren  an.  Es  muß  jedoch  auffallen,
daß  in  dem  Orte,  wo  vielleicht  mehr.  als  sonst  irgendwo  in  der  Welt  eine  Kleinindustrie
  existirt,  nämlich  in  Paris,  die  kleinen  Motoren  verhältnißmäßig  wenig  verbreitet
  sind.  Die  Arbeiter  in  der  fünften  Etage  haben  weder  Gas=  noch  Wasserleitung
und  können  daher  die  durch  diese  Kräfte  getriebenen  Maschinen  nicht  anwenden;  auch
würden  dieselben  ihnen  zu  theuer  zu  stehen  kommen.  Ferner  lehrt  die  Erfahrung,
daß,  wo  kleine  Meister  sich  Dampf  und  Raum  miethen  und  im  Lohn  für  Fabrikanten
arbeiten,  wie  die  Schleiser  bei  Solingen  und  oie  Riemendreher  in  Barmen,  die  ärmeren
und  kleineren  von  ihnen,  namentlich  während  des  schlechten  Geschäftsganges,  sehr  rasch
von  den  größeren  aufgesogen  werden.

Zu  den  wichtigeren  socialpolitischen  Kongressen,  welche  während  der  Weltausstellung
  in  Paris  tagten,  gehörte  der  für  Wohlfahrtseinrichtungen,  auf  welchem  die
Spar=  und  Hülfskassen  und  die  Genossenschaften  behandelt  wurden.  Am  fruchtbringendsten
  waren  die  Sektionssitzungen  am  Vormittag,  weil  in  denselben  Männer  aus  den
verschiedensten  Ländern  ungezwungen  und  ernsthaft  ihre  Erfahrungen  austauschen
konnten,  die  Plenarversammlungen  im  Trocadero  dagegen  trugen  fast  ausschließlich
den  Charakter  öffentlicher  Schaugepränge;  über  die  letzteren  wird  in  einem  der  besprochenen
  Hefte  ein  kurzer  Bericht  geliefert.  Die  meisten  Reden  waren  ebenso  inhaltlos
  wie  schwungvoll  und  zu  höchstem  Pathos  erhoben  sich  die  Deklamationen,  als
Mr.  Charles  Robert  in  das  großartige  Gebäude  internationaler  Wohlfahrtseinrichtungen
  die  Gewinnbetheiligung  als  Schlußstein  einfügte,  die  Verallgemeinerung  jener
Inkltution  als  Rettungsmittel  für  die  Gesellschaft  pries  und  an  Herrn  Sfmere
als  Verkünder  der  neuen  Heilslehre  eine  schmeichelhafte  Eloge  hielt.  Dieser  suchte
seine  Ansichten  durch  Verlesen  eines  Schriftstücks  verständlich  zu  machen  und  stellte
um  Schluß  die  Gewinnbetheiligung  als  dasjenige  Gebiet  internationaler  Kulturarbeit
bin-  auf  welchem  Franzosen  und  Deutsche  frerdlch  einander  die  Hand  reichen  könnten,  —
ein  Vorschlag  zur  Kooperation,  welchen  die  ersteren  mit  eisigem  Schweigen  aufnahmen.
Einem  kaltblütigeren  Deutschen  rief  ein  solches  Vorgehen  ganz  andere  Reminiscenzen
wach.  Er  erinnerte  sich  der  bekannten  Rede  über  industrielle  Theilhaberschaft,  welche

v.  Holtendorfs-Brentano,  Jahrbuch.  III.  1.  17