Metadata : Briefe Ottos von Bismarck an Schwster und Schwager.

56.

Detersburg  11  April  61.
Mein  liebes  Herz

Der  Ueberfluß  an  Trauerpapier  veranlaßt  mich  den  schwarzen
Nand  zu  Ehren  der  hochsseligen]  Raiserin  noch  bis  zum  18.  a.  St.
beizubehalten.  Der  Drinz  von  Baden,  der  überhaupt  sehr  liebenswürdig
  und  gefällig  ist,  hat  sich  erboten,  alles  mögliche  mitzunehmen;
  ich  belästige  ihn  daher  mit  einem  meiner  vorräthigen
Bärenschinken,  von  meiner  letzten  Jagd,  der  einem  ganz  kleinen
Einjährigen  angehörte,  vielleicht  etwas  salzig  sein  wird,  aber
boffentlich  so  zart,  wie  Bären  /sein)  können.  Es  macht  Oecar
vielleicht  als  Curiosität  Spaß;  auf  unserm  Tisch  ist  dieses  Wild
seit  5  Monaten  regelmäßiger  Bestandtheil  des  Frühstücks,  von
den  Rindern  besonders  geliebt.  Die  Ohrringe  sind  zu  meiner
Freude  gestern  Abend,  grade  à  point  angekommen,  und  danke
ich  Dir  sehr  für  gute  Besorgung.  Auch  die  Schackische  Kiste  ist
ihrer  Feit  richtig  abgeliefert,  und  laut  vor  mir  liegendem  Schein
des  Dostamtes  am  25.  März  a.  St.  nach  Stawropol  abgegangen;
für  Horto  und  Assekuranz  ausgelegt  2  Nub.  3  Rop.,  den  Schein
bebe  ich  auf.  Bei  ähnlichen  Sendungen  müssen  die  Schäcke  übrigens
  nicht  „Russie“  draufschreiben  und  französische  Adresse  beisetzen,
  sonst  sieht  jeder  den  ausländischen  Ursprung  und  den
Schmuggel.  Hichts  als  russische  Adresse,  als  würde  es  hier
aufgegeben,  dann  zweite  Enveloppe  an  mich.  Alles  nur  durch
unsre  oder  englische  Couriere,  denn  wenn  es  mit  russlischer]
Dost  kommt,  schneiden  sie  die  Hakete  doch  auf,  und  fassen  dann
bei  Wiederaufgabe  zur  Host  den  geschmuggelten  Inbalt  ab.

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