Full text : Medizinal-Statistische Mittheilungen aus dem Kaiserlichen Gesundheitsamte. Zehnter Band. (10)

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hier  kaum  180/%  —  eine  so  hohe  Sterbeziffer  hatten.  In  Württemberg,  Baden,  Hessen,  Elsaß-Lothringen
  wurde  sogar  in  keinem  der  115  Verwaltungsbezirke  eine  so  hohe  Sterbeziffer  von  mindestens
11  0%0  beobachtet,  und  selbst  eine  Sterbeziffer  von  mehr  als  10  9%  konnte  nur  in  je  einem  der  engeren
Verwaltungsbezirke  von  Württemberg,  Baden  und  Hessen  festgestellt  werden.  Höher  als  in  den  drei  letztgenannten
  Staaten  war  die  Sterblichkeit  unter  Kindern  von  1—  15  Jahren  im  rechtsrheinischen
Bayern,  da  hier  von  den  182  Bezirksämtern  bezw.  unmittelbaren  Städten  91  eine  mehr  als  mittlere
Sterblichkeit,  und  30  —  d.  i.  16%  —  eine  Sterblichkeit  von  mehr  als  10  %  0  aufwiesen,  was  im  Hinblick
auf  die  oben  zu  II  erwähnte,  hohe  Sterblichkeit  auch  unter  den  Säuglingen  des  rechtsrheinischen  Bayern
besonders  beachtenswert  erscheint.  Ein  wesentlich  anderes  Verhältnis  der  Kindersterblichkeit  zur  Säuglingssterblichkeit
  zeigt  sich  nach  den  Kartogrammen  II  und  III  im  Königreich  Sachsen,  in  Württemberg  und
einigen  thüringischen  Staaten.  In  Sachsen  und  Württemberg  überstieg  die  Säuglingssterblichkeit  in
den  meisten  Bezirken  beträchtlich  den  Durchschnitt  für  das  Reich,  dafür  war  hier  unter  den  älteren  Kindern
die  Sterbeziffer  fast  ausnahmslos  gering,  denn  nur  in  einem  der  28  Medizinalbezirke  Sachsens  und  nur  in
einem  der  64  Oberämter  Württembergs  starben  jährlich  mehr  als  9  von  je  1  000  Lebenden  der  zweitjüngsten
  Altersklasse.  Cbenso  war  in  Sachsen-Altenburg  und  Reuß  ä.  L.,  wo  die  Säuglingssterblichkeit
nach  Kartogramm  I  besonders  hoch  war,  dafür  die  Sterblichkeit  unter  älteren  Kindern  gering,  nämlich  nur
in  einem  der  4  Bezirke  etwas  über  8  00.

Von  den  übrigen  Staaten  zeichnete  sich  Bremen  durch  eine  hohe  Kindersterblichkeit  unvorteilhaft
aus,  wogegen  in  den  2  Bezirken  Lübecks,  im  Landgebiete  von  Hamburg,  wie  auch  in  10  von  den
11  Bezirken  Mecklenburg-Schwerins  die  betr.  Sterbeziffern  sehr  niedrig  —  unter  8  oo  —  waren.

IV.

Unter  den  Personen  mittleren-  Lebensalters  von  15  bis  60  Jahren  waren  die  Sterblichkeitsverhältnisse
  nach  dem  Kartogramm  Nr.  IV  (Tafel  IV)  besonders  ungünstig  in  Schlesien,  Bayern
und  Westfalen,  denn  während  die  Durchschnittssterbeziffer  dieser  Altersklasse  im  Reiche  8,  0/00  betrug,  wurde
eine  Sterbezisser  von  mehr  als  10  0

in  35,r  %  aller  Kreise  Schlesiens,
„  28),6  00  „  Bezirksämter  und  unmittelbaren  Städte  Bayerns,
„  24,,%00  „  Kreise  Westfalens  beobachtet.

Dagegen  kam  eine  so  hohe  Sterbeziffer  in  keinem  der  11  Bezirke  Mecklen  burgs  und  der  28  Kreise
Schleswig-Holsteins,  ferner  in  keinem  der  4  Gebietsteile  der  Staaten  Lübeck  und  Hamburg,  in  nur
1  von  den  32  Bezirken  der  zehn  Staaten  Mitteldeutschlands  (Braunschweig,  Sachsen-Meiningen,
Sachsen  =  Altenburg,  Sachsen-Coburg  =  Gotha,  Anhalt,  Schwarzburg-Sondershausen,
Waldeck,  Reuß  ä.  L,  Schaumburg-Lippe,  Lippe)  und  in  nur  8  von  den  139  Kreisen  der  4  nordöstlichen
  Provinzen  Preußens  (Ost=  und  Westpreußen,  Pommern,  Posen)  zur  Beobachtung.  Auch
in  der  Provinz  Sachsen  und  im  angrenzenden  Reg.-Bez.  Potsdam  hatten  von  den  66  Kreisen  nur  8  die
hohe  Sterbeziffer  von  mehr  als  10  0%.

Besonders  günstig  waren  nach  Kartogramm  Nr.  IV  unter  Personen  der  mittleren  Altersklasse
die  Sterblichkeitsverhältnisse:  1)  in  den  Fürstentümern  Reuß  ä.  L.,  Schaumburg-Lippe,  Lippe  und
im  Staate  Lübeck,  weil  hier  durchweg  die  Sterbeziffer  weniger  als  8  0%  betrug,  2)  in  Mecklenburg-Schwerin,
  Schleswig-Holstein,  PHommern,  Posen,  Provinz  Sachsen,  Anhalt,  Schwarzburg-Sondershausen,
  insofern  als  hier  überall  mehr  als  die  Hälfte  der  Bezirke  Sterbeziffern  unter  8  %  0
aufwies.

Von  den  957  Verwaltungsbezirken  aller  beteiligten  22  Staaten  des  Deutschen  Reiches  hatten  392,
d.  i.  41  ,  eine  höhere  Sterbeziffer  als  9  %  für  Personen  der  mittleren  Altersklasse,  dagegen  wurde  eine
so  hohe  Sterbeziffer  —  von  mehr  als  9  %0  —  in  64,8  0%  aller  Bezirke  Bayerns,  in  63,,  0  aller  Kreise
Badens,  in  81,1%  aller  Kreise  Schlesiens,  55,6  00  aller  Kreise  Westfalens,  in  50  %  aller  Oberämter
Württembergs  und  in  50  0  aller  Kreise  Elsaß-Lothringens  beobachtet,  andererseits  nur  in  1  der
28  Kreise  Schleswig-Holsteins,  in  1  der  11  Bezirke  Mecklenburg-Schwerins,  in  7%½%  der  Kreise  Posens,
in  10,  %  der  Bezirke  des  Königreichs  Sachsen,  in  10,,%  der  Kreise  der  Provinz  Sachsen  und  in  20%  der
Kreise  Westpreußens,  Pommerns  und  Brandenburgs.

Eine  niedrige  Sterblichkeitsziffer  unter  den  Erwachsenen  der  mittleren  Altersklasse  ging  einher:

a)  mit  hoher  Säuglingssterblichkeit  namentlich  in  Sachsen-Altenburg  und  Reuß  ä.  L.,

b)  mit  geringer  Säuglingssterblichkeit  u.  a.  in  Schleswig-Holstein,  Sachsen-Meiningen,

Waldeck  und  den  Lippischen  Fürstentümern.