512 Entschluß zur Beschränkung auf Norddeutschland.
dortigen Vertreter Öfterreichs, Fürsten Metternich. Dieser berichtete darüber
nach Wien:: Bismarck habe gesagt, er wolle den Dualismus in Deutschland;
„der Norden, was Zollverein, Armeekommando und Truppeninspektion betrifft,
unter Preußens Leitung, der Süden unter der Österreichs, dem er
ohne Kummer auch Herrn von Beusft und sein Land überlassen würde. Die
Herstellung der militärischen und politischen Führung im Norden, mit allen
Mitteln, ohne Skrupeln, aber ohne Argernis, ohne Heuchelei, offen und kühn,
und wenn möglich, innerhalb einer Verständigung mit uns, dies ist sein giel.“
Also sogar die Einbeziehung Sachsens in die österreichische Interessensphäre
scheint er hier als annehmbar zu betrachten. Aber gerade dies starke Entgegenkommen
muß uns stutzig machen, zumal, wenn wir bedenken, daß er fast
gleichzeitig seinem Chef gegenüber die friedliche Verständigung mit Österreich
für unmöglich erklärt hat.
Unmittelbar nach der Übernahme des Ministeriums hatte er Anfang Dezember
1862 seine berühmte Auseinandersetzung mit dem österreichischen Botschafter
Grafen Karolyi, über welche jetzt dessen eigener Bericht vorliegt.
Danach hat er über diesen Punkt gesagt?: „Für uns ist es Lebensbedingung,
in unserem natürlichen Ravon, Norddeutschland, frei und ungehindert uns
bewegen zu können, Hannover und Kurhessen dürfen keinem anderen als
preußischem Einfluß zugänglich sein. . .. Ich habe selbst Platen gesagt, daß
seine Politik unfehlbar zur Folge haben würde, daß beim ersten Kanonenschuß
in Deutschland Hannover sofort durch Preußen okkupiert werden würde, daß
wir ein gleiches mit Kurhessen tun müßten, versteht sich von selbst.“ .....
„Preußens Stellung in Deutschland verstehe ich folgendermaßen: Parallel mit
dem Jollverein müßten auch für die materiellen Gebiete, die Eisenbahn usw.,
nicht durch den Bund, sondern durch freie Vereinbarung zwischen Preußen
und jedenfalls den norddeutschen Staaten ähnliche Institute gegründet und
die Führung der beiden norddeutschen Armeekorps Preußen überlassen werden,
während die beiden anderen dem österreichischen Kommando zufielen. Wir
müssen die für unsere politische Existenz notwendige Lebensluft erhalten. In
bezug auf Norddeutschland kritt praktisch für Oskerreich die Wahl zwischen
einer Allianz mit Preußen oder Hannover heran; es ist eine Illusion zu
glauben, daß Sie sich durch die Mittelstaaten jemals unserer Bundesgenossenschaft
versichern können. Die Verhältnisse, wie sie einmal sind, werden zum
geraden Gegenteil führen .. . .. Wenn sich Österreich und Preußen auf der
von mir bezeichneten Basts einigen und hierbei den Bogen nicht zu straff
spannen, bloß die notwendigen Jugeständnisse von den anderen deutschen
* Berlcht Metternichs an Rechberg aus dem Herbst 1862, miegeteilt aus den Papieren des
Grasen Karolpi, Deutsche Revue 1013, S. 36.
: Bericht Karolyis vom 4. Dez. 1862, a. a. O. S. 63f.