8 I. Stand der Schulkinderspeisungen.
bezirken Berlins, die unzulängliche Unterstützung des Vereins der Kindervolksküchen
Berlins für seine Mittagsspeisungen an Schulkinder durch
die Stadtverwaltung, die Ergebnisse einer Vorerhebung für die Schulspeisung
des Winters 1907/08, die etwa 9000 Schulkinder als speisungsbedürftig
feststellten, während nur etwa die Hälfte durch den Verein
tatsächlich gespeist werden konnte, drängten vor allem zu einer Entscheidung
für Berlin. Im Auftrage der städtischen Behörden von
Berlin hat Stadtschulrat Fischer im Sommer 1908 eine Reihe von
Speisungseinrichtungen in verschiedenen Städten, wie Dresden, Prag,
Wien, Nürnberg, Frankfurt a. M., Stuttgart, Straßburg, Augsburg
und München studiert; das Ergebnis dieser Studienreise ist in einem
besonderen Bericht im Herbste 1908 auch der Offentlichkeit mitgeteilt
worden. Aus der allerjüngsten Zeit stammt noch eine Darstellung der
Speisungseinrichtungen in der Schweiz durch Stadtrat Dr. F. Erismann
in Zürich. Hier waren von Dr. Huber bereits im Jahre
1894 besondere Erhebungen durch Lehrpersonen angestellt worden, als
deren Ergebnis sich herausstellte, daß von einer halben Million Primarschülern
schon damals 30—40000 mit Nahrung durch Speisungseinrichtungen,
und zwar hauptsächlich der weiten Schulwege haldber,
versorgt wurden. Huber jedoch glaubte, daß rund 10% der Volksschüler,
also 50 000, wenigstens einmal des Tages von seiten der Schule
eine bessere Nahrung verabreicht werden sollte. Erismann war
leider nicht in der Lage, durch ausgedehnte Erhebungen die Entwicklung
der Fürsorge für Ernährung und Bekleidung bedürftiger Schulkinder
in den letzten 12 Jahren darzulegen, sondern mußte sich mit einer
Schilderung der Schülerspeisungseinrichtungen in einzelnen Städten
begnügen. Aber wenigstens für diese Städte ergab sich eine fortchreitende
Entwickelung. In einigen wurde eine Schülerspeisung erst
in den letzten Jahren eingeführt, in anderen hat sich die Zahl der gespeisten
Kinder meistens mehr als verdoppelt. So sehen wir, daß der
Schülerspeisungsfrage von seiten der interessierten Stadtverwaltungen
und sonstigen Verwaltungsbehörden, wie nicht minder aller für die
Erhaltung der Volkskraft interessierten Kreise die größte Aufmerksamkeit
zugewandt wird, für deren richtige Beurteilung in den folgenden
Abschnitten die gewonnenen Erhebungsergebnisse mitgeteilt und besprochen
werden sollen.
I. Stand der Schulkinderspeisungen.
a. Erhebungsresultate für die einzelnen Städte.
Für die Beurteilung der Entwickelung von Schülerspeisungen in den
Städten müssen die Erhebungen von Cuno im Jahre 1896 als Ausgangspunkt
dienen. Damals wurde eine Umfrage an alle deutschen
Städte über 20000 Einwohner gerichtet. Das Resultat war in den
auptpunkten folgendes: Von 179 Städten mit einer Einwohnerzahl
über 20000 hatten 79, d. i. 44,1% , Schülerspeisungseinrichtungen verschiedener
Art. In 17 Städten wurde ein Mittagessen verabreicht, in
48 Städten nur ein Schülerfrühstück gegeben, 7 Städte besaßen Ein-