1018 Schwaben u. Neuburg
ger Künstlern zur Ausstellung brachte. Viele Privatgebäude wurden stylgemäß
restaurirt und an dem großen Fuggergebäude in der Maximiliansstraße
bedeckten sich die Wände mit herrlichen Fresken (von Ferd. Wagner) aus der
Geschichte dieses berühmten Geschlechtes, das einem seiner Ahnen, dem Johann
Jacob Fugger, durch König Ludwig ein schönes Denkmal in Erz erstehen
sah, während (im Sept. 1857) die Versammlung deutscher Geschichtsund
Alterthumsforscher in Augsburg tagte. Letztere konnte die Ueberzeugung
mit sich nehmen, daß die Geschichte der ehrwürdigen Augusta mit Pietät gepflegt
werde, wie denn die Berichte des 1834 gegründeten historischen Vereins,
dem der unermüdliche v. Raiser mit einer Gesellschaft von Alterthumsfreunden
seit 1819 in ausgezeichneter Weise vorgearbeitet hatte, einen Schatz
trefflicher Arbeiten enthalten, die wissenschaftliche Strebsamkeit überhaupt
aber durch die Berufung der Benedictiner zur Uebernahme der kath. Studienanstalten
bei St Stephan (1835) nur erhöht werden konnte. Dem Andenken
an die große Vorzeit war der 10. Aug. 1855 (900jährige Jubelfeier
der Ungarnschlacht) geweiht, an welchem Tage unter zahlreicher Betheiligung
der Bürgerschaft auf dem Lechfelde der Grundstein zu einer katholischen Kirche
gelegt wurde. Durch Restauration des Domes, welche schon von Bischof
Peter v. Richarz, indem er der Kathedrale ein prachtvolles Chorfenster und
im Vereine mit andern Gutthätern einen gothischen Hochaltar widmete, eingeleitet
wurde, und seit 1859 durch Entfernung störender Anbauten und stylgemäßen
Ausschmuck im Innern fortgesetzt wird, werden die Sünden einer
traurigen Kunstperiode gefühnt.
Inzwischen hatte sich auf dem alten Todtenfeld gegen die Wertach zu
reges Leben entfaltet. Die München-Augsburger Eisenbahn, welche 1840
eröffnet wurde und vor dem Rothen Thore mündete, erhielt bald ihre Fortsetzung
nach dem Norden, nach Westen und in's Allgäu. Augsburg, dessen
Bahnhof nicht weniger als 46 Züge täglich durchkreuzen, wurde Knotenpunkt
für die Schienenwege, die nach den vier Himmelsgegenden ausgehen, und
der Rosenauberg gewann fast das Aussehen einer Vorstadt. Die Verkehrsader
durch das Göggingerthor wurde zu eng und ein Theil der Festungswerke
mußte fallen (1860). Leider kam auch der Gögginger-Thorthurm zum
Abbruch (1862), der, in seiner spätern Gestalt ein Werk Holl's, wohl auf
Schonung hätte Anspruch machen dürfen und mit einiger Abänderung des
Demolirungsplans, der keineswegs den schönsten Theil der Stadt bloßlegte,
auch leicht zu erhalten und malerisch zu verwenden gewesen wäre. So hat
Augsburg auf seiner westlichen Seite einen großen Schmuck verloren, während
das burgähnliche Imhofgebäude am südlichen Eingang in die alte Bischofsstadt
demnächst einem Neubau weichen muß. Zwei andere berühmte
Bauwerke aus alter Zeit, das Zunfthaus der Weber und jenes der Bäcker,
kamen gar unter den Hammer und die Zunftpokale wanderten zum Theil in
die Hände von Antiquitätenhändlern. Das war nicht im Geiste eines Ge-