270 50. Träume sind Schäume.
Antonia, des Erbprinzen Mutter, lag in ihrer Väter Gruft zu Wien
begraben, in München war der künftige König Spaniens zumeist von fremden
Menschen umgeben, besser also, wenn er vor der Abreise in sein Königreich
noch an der Seite des Vaters in Brüssel lebte.
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Das Ballfest im Palaste des Statthalters der Niederlande versprach
einen glänzenden Verlauf zu nehmen. Die Botschafter und Gesandten der
fremden Mächte sowie die Aristokratie der Hauptstadt hatten sich, strahlend
von Gold und edlem Gesteine, in den Prachtsälen des hohen Gastgebers eingefunden
um sich wieder einmal dem ganzen Zauber des Prunkes und Glanzes
hinzugeben, wie er am Hofe des glücklichen Bayernherrschers in fast unerschöpflicher
Fülle geboten wurde.
Und glücklich war ja Max Emanuel, glücklich, wie nur ein Sterblicher
sein konnte. Herrscher über ein Volk, auf dessen Liebe und Treue er bauen
konnte, Statthalter in einem Land, dessen Reichtum groß und dessen Handel
und Gewerbe blühend war, und Vater eines Sohnes, der zum Erben eines
Weltreiches bestimmt wurde, in der Tat, die Götter, hätten sie noch wie
ehedem die Welt regiert, mußten auf das Glück dieses Mannes neiderfüllte
Blicke werfen!
Jetzt ließen sich in dem von vielen hundert Wachskerzen taghell erleuchteten
Festsaal schmetternde Fanfaren vernehmen; sie verkündeten das Erscheinen
des königlichen Statthalters und mit ihm den Beginn der Festlichkeiten.
Die Brust von blitzenden Ordenssternen bedeckt und am rotseidenen
Bande das goldene Bließ, so zeigte sich die hohe und schlanke Gestalt des
bayerischen Kurfürsten am Eingange des Saales. Eine Reihe prächtig
gekleideter Edelknaben, in der Rechten eine brennende Wachsfackel, schritt dem
Statthalter mit seinem Gefolge voraus, eine andere schloß den glanzvollen Zug.
Neuerdings ertönten die rauschenden Klänge der Festmusik. An die
effektvolle Polonaise, bei der die Paare langsamen Schrittes den Saal durchmaßen,
reihte sich erst eine gravitätische Sarabande, dann eine bewegte, heitere
Gigue, ein zierliches Menuett. Zuletzt erklangen die gemessenen Töne einer
Marche und der Oberstzeremonienmeister bat den Statthalter unter tiefer Verbeugung
um die Erlaubnis das Zeichen zum Beginne eines „Festspieles“ geben
zu dürfen.
„Was für Überraschungen!“ rief Max Emanuel heiter lächelnd, indem
er mit leichtem Kopfnicken die nachgesuchte Erlaubnis erteilte. Kaum hatte
er den ihm bestimmten Ehrenplatz eingenommen, doa teilte sich im Hintergrunde
des großen Saales ein Vorhang und die einzelnen Gruppen des Festzuges
begannen sich unter den Klängen eines Kriegsmarsches zu entwickeln und
langsamen Schrittes vor den Augen des Gefeierten und der Gäste desselben
vorüberzuwandeln.