Metadata : Das öffentliche Recht der Gegenwart. Band III. Völkerrecht. (3)

490  Achtes  Buch.  Die  intern.  Streitigkeiten  u.  deren  Erledigung  etc.  &  152.

 

Platz,  vor  dessen  Hafen  Minen  gelegt  sind  (der  also  verteidigt  ist),  nicht
schon  um  deswillen  beschossen  werden.  Dagegen  werden  von  diesem  Verbote
  in  Art.  2,  3  mit  Rücksicht  auf  die  Verschiedenheit  der  Verhältnisse  im
Landkrieg  und  Seekrieg  zwei  Ausnahmen  gemacht.  Während  das  Landlıeer
in  den  unverteidigten  Platz  einrücken  und  die  militärisch  notwendigen  Handlungen
  (Zerstörung  von  militärischen  Werken  usw.,  Requisitionen  usw.)  vornehmen
  kann,  steht  den  Seestreitkräften,  die  an  der  Landung  verhindert  sind,
zu  solchen  Zwecken  nur  die  Beschießung  zur  Verfügung;  dagegen  darf  von
der  Beschießung  nicht  zum  Zwecke  der  Eintreibung  von  Kontributionen
Gebrauch  gemacht  werden.  Anderseits  ist  die  Beschießung  von  verteidigten
und  befestigten  Plätzen  eine  Maßregel,  die  zu  den  ordentlichen  und  regelmäßigen
  Mitteln  der  Kriegführung  gehört.  Eine  Unterscheidung  zwischen
Personen  und  Sachen  als  Objekten  der  Beschießung  kann  nicht  aufgestellt
werden.  —  Eine  Beschießung  soll  vorher,  den  Fall  eines  Sturmangriffs  ausgenommen,
  (der  Ortsobrigkeit)  angezeigt  werden  (Art.  26),  um  den  Bewohnern
des  Platzes  Gelegenheit  zu  geben,  sich  und  ihre  Habe  zu  sichern,  ferner
wissenschaftliche  und  Kunstschätze  vor  dem  Untergang  oder  Beschädigung
zu  bewahren.  Die  Völkersitte  gebietet  insbesondere,  gottesdienstliche  Gebäude,
Humanitätsanstalten,  der  Kunst  und  Wissenschaft  gewidmete  Gebäude  nach
Möglichkeit  zu  schonen;  derlei  Objekte  sind  —  soweit  sie  nicht  schon  an  sich
erkenntlich  sind  —  durch  hinlänglich  sichtbare  Zeichen  erkenntlich  zu  machen.
Diesen  Schutz  genießen  die  bezeichneten  Gegenstände  nur  unter  der  Voraussetzung,
  daß  sie  nicht  zu  militärischen  Zwecken  (als  Observatorien  oder  Kasernen
  usw.)  benutzt  werden  (Art.  27).  —  Humane  Rücksicht  wird  gegenüber
Greisen,  Kindern  und  Kranken  geübt,  indem  ihnen  freier  Abzug  gestattet  wird.
Indessen  entscheidet  das  Ermessen  des  Kommandanten  der  Belagerungsarmee;
ein  vechtlicher  Anspruch  auf  solche  Begünstigung  ist  auch  im  HKR  nicht
anerkannt.  —  Da  die  Belagerung  wesentlich  Abschließung  der  Belagerten  von
der  Kommunikation  mit  der  Außenwelt  bedeutet,  so  können  insbesondere  auch
diplomatische  Missionen  neutraler  Staaten,  die  in  dem  belagerten  Platze  zurückgeblieben
  sind,  nicht  den  Anspruch  erheben,  ungehindert  mit  ihren  Regierungen
zu  verkehren.  —  Fällt  der  belagerte  Platz  in  die  Hände  der  Belagerungsarmee,
  so  sind  weitere  Beschädigungen  und  Zerstörungen  verboten;  nur  die
vom  Kriegszweck  geforderten,  wie  z.  B.  die  Zerstörung  der  Festungswerke,
sind  gestattet.  —  Art.  5  bis  7  des  Abk.  IX  normiert  die  Beschießung  verteidigter
  und  unverteidigter  Plätze  durch  Seestreitkräfte  konform  den  Art.  26
bis  28  HKR.

$  182.  Die  Blokade  !).  I.  Eine  der  Belagerung  verwandte  Kriegsmaßregel
ist  die  Blokade.  Sie  hängt  auf  das  engste  mit  der  namentlich  im  Seekrieg

1)  Heffter-Geffcken  $$  112,  121,  154—157;  Bluntschli,  Völkerrecht  $&$  827  ff.;
Perels,  Internat.  öffentl.  Seerecht  8.  261  ff.;,  Geffcken,  HH  IV  S.  738  ff.;  F.  v.  Martens
I  S.  525  ff.;  Rivier,  Lehrb.  S.  409  ff.,  437;  Principes  IIp.  286  sq.;  Fauchille,  Du  blocus
maritime  (1882);  Brocher  de  la  Fl&chöre  in  der  R.  V  p.  374  sq.;  Carnazza-Amari,  Del
blocco  maritimo  (1597);  Fremont,  De  la  saisie  des  navires  en  cas  de  blocus  (1899);  Guyot-Boissitre,

  Du  blocus  maritime  (1899);  Holland,  Prize-Law  $8  106  sq.;  Oppenheim  I,
$$  368  sq.  —  Prisenreglement  des  Inst.  f.  intern.  R.  Annuaire  IX,  218  eq.