Full text : Der Mündliche Vortrag. Dritter Teil. Schönheit des Vortrags. (3)

Vortrag  des  Lyrischen.  213

Mein  eignes  Schrecknis  irr'  ich  durch  die  Berge,
Und  fahre  schaudernd  vor  mir  selbst  zurück,
Zeigt  mir  ein  Bach  mein  unglückselig  Bild!  —

Wisse,  find'  ich  die  Namen  nicht,  mitten  im  Tempel
Durchstoß'  ich  diese  Brust  mit  einem  Dolche!  —

Die  Zunge  sei  verflucht,  die  mir  das  sagt;
Sie  hat  das  Beste  meiner  Manneskraft
Entnervt!  Verflucht  wer  diesen  gaukelnden
Dämonen  ferner  traut,  die  hinterlistig
Mit  Doppelsinn  uns  täuschen,  unserm  Ohr
Wort  halten,  unfre  Hoffnung  hintergehen!

(Mit  Angst.)

Was  sinnst  du  mir,

O  König,  schweigend  in  der  tiefsten  Seele!

Ist  es  Verderben,  o  so  töte  mich  zuerst!

Denn  nun  empfind’  ich,  da  uns  keine  Rettung
Mehr  übrig  bleibt,  die  gräßliche  Gefahr,
Worein  ich  die  Geliebten  übereilt

Vorsätzlich  stürzte.  Weh,  ich  werde  sie
Gebunden  vor  mir  seh'n!  Mit  welchen  Blicken
Kann  ich  von  meinem  Bruder  Abschied  nehmen,
Den  ich  ermorde!?  Nimmer  kann  ich  ihm
Mehr  in  die  vielgeliebten  Augen  sehen!  —

Sie  gehn  hinweg!  O  Gott,  dort  seh  ich  schon
Den  Staub,  der  von  den  Wagen  sich  erhebt!
Sie  sind  hinweg,  sie  sind  erzürnt  auf  mich!

O  küßt'  ich  nur  noch  einmal  seine  Hand!

O  daß  ich  nur  noch  Abschied  nehmen  könnte,
Nur  einmal  noch  zu  sagen:  o  verzeiht,

Nur  noch  zu  hören:  geh,  dir  ist  verzieh'n!
Allein  ich  hör'  es  nicht,  ich  hör'  es  niel

Ich  will  ja  geh'n,  laßt  mich  nur  Abschied  nehmen,
Nur  Abschied  nehmen!  Gott,  o  gebt  mir  nur
Auf  einen  Augenblick  die  Gegenwart

Zurück!  Vielleicht  genes'  ich  wieder.  Nein,
Ich  bin  verstoßen,  bin  verbannt,  ich  habe
Mich  selbst  verbannt,  ich  werde  diese  Stimme
Nicht  mehr  vernehmen,  diesem  Bllicke  nicht
Mehr  begegnen!

Mich  soll  das  Schiff
In  seines  Kerkers  Räume  nicht  verschlingen!
Das  letzte  Boot,  das  mich  hinüber  führt,