Vortrag des Lyrischen. 213
Mein eignes Schrecknis irr' ich durch die Berge,
Und fahre schaudernd vor mir selbst zurück,
Zeigt mir ein Bach mein unglückselig Bild! —
Wisse, find' ich die Namen nicht, mitten im Tempel
Durchstoß' ich diese Brust mit einem Dolche! —
Die Zunge sei verflucht, die mir das sagt;
Sie hat das Beste meiner Manneskraft
Entnervt! Verflucht wer diesen gaukelnden
Dämonen ferner traut, die hinterlistig
Mit Doppelsinn uns täuschen, unserm Ohr
Wort halten, unfre Hoffnung hintergehen!
(Mit Angst.)
Was sinnst du mir,
O König, schweigend in der tiefsten Seele!
Ist es Verderben, o so töte mich zuerst!
Denn nun empfind’ ich, da uns keine Rettung
Mehr übrig bleibt, die gräßliche Gefahr,
Worein ich die Geliebten übereilt
Vorsätzlich stürzte. Weh, ich werde sie
Gebunden vor mir seh'n! Mit welchen Blicken
Kann ich von meinem Bruder Abschied nehmen,
Den ich ermorde!? Nimmer kann ich ihm
Mehr in die vielgeliebten Augen sehen! —
Sie gehn hinweg! O Gott, dort seh ich schon
Den Staub, der von den Wagen sich erhebt!
Sie sind hinweg, sie sind erzürnt auf mich!
O küßt' ich nur noch einmal seine Hand!
O daß ich nur noch Abschied nehmen könnte,
Nur einmal noch zu sagen: o verzeiht,
Nur noch zu hören: geh, dir ist verzieh'n!
Allein ich hör' es nicht, ich hör' es niel
Ich will ja geh'n, laßt mich nur Abschied nehmen,
Nur Abschied nehmen! Gott, o gebt mir nur
Auf einen Augenblick die Gegenwart
Zurück! Vielleicht genes' ich wieder. Nein,
Ich bin verstoßen, bin verbannt, ich habe
Mich selbst verbannt, ich werde diese Stimme
Nicht mehr vernehmen, diesem Bllicke nicht
Mehr begegnen!
Mich soll das Schiff
In seines Kerkers Räume nicht verschlingen!
Das letzte Boot, das mich hinüber führt,