breuhische König vollkommnen unbeschränkt.
welches in England schon seit der Berufung
des großen Oraniers Wilhelm’ auf den
Thron in Ubung ist, findet in der preußischen
Verfassung auch nicht den mindesten
Stützpunkt.
Sodann ist dem Königtum verfassungsmäßig
die volle Ehrenhoheit verbürgt.
Staatliche Würden und Ehren wie der
Adel, Orden, Rang, Titel werden von dem
König verliehen. Es ist sein schönes Vorzugsrecht,
das persönliche Verdienst aufzusuchen,
aufzumuntern und vor der Welt
zu ehren; er kann dadurch die moralischen
äfte in seinem Volk vielseitig anregen,
stärken und auf die öffentliche Wohlfahrt
hinlenken.
Endlich steht dem Königtum in Preußen
voll und ganz die Militär-, die Polizei-,
die Iunstiz., die Finanzhoheit sowie
die Sorge für die Kulturverhältnisse
zu. Er ist das Haupt der Kriegsverfassung
des Landes; das Heer schwört ihm Treue
und Gehorsam, nicht der Verfassung. Ebenso
wird die gesamte Staatspolizei im
Namen und unter der Oberleitung des
Königs geübt. Für dringende Notfälle
steht ihm eine Ausnahmegewalt und ein
Notrecht zu. Artikel 111 der Verfassung
bestimmt ausdrücklich, daß in solchen Fällen
einzelne Grundsatzungen über die persönliche
Freiheit der Bürger außer Kraft gesetzt
werden dürfen. Das Nähere ist in dem
Gesetz über die Verhängung des Belagerungszustandes
gesagt.
In der Rechtspflege ist dem Könige
allerdings kein persönlicher Einfluß anheimgegeben.
Aber der Grundsatz ist in der
Verfassung ausdrücklich zur Anerkennung
gelangt: Alle Gerichtsbarkeit geht vom
Könige aus. Der Titel VI der Verfassungsurkunde,
welcher von der richterlichen Gewalt
handelt, besagt in dieser Hinsicht. daß
die richterliche Gewalt im Namen des
Königs ausgeübt wird. Die Urteile werden
im Namen des Königs ausgeferligt und
vollstreckt, die Richter vom Könige ernannt.
Dem Könige steht gleichzeitig das Recht
der Oberaufsicht über den ordnungsmäßigen
Geschäftsgang der Gerichte zu;
er kann sich statistische Berichte über die
Geschäftetätigkeit derselben vorlegen lassen:
er hat das Recht, durch seine Organe,
die Staatsanwaltschaft, die gerichtliche
Verfolgung von Verbrechen zu veranlassen.
Ihm steht das wichtige Begnadigungsrecht,
das schönste Kronrecht, zu; anderseits
bestätigt er die Todesurteile.
as parlamentarische Regierungssystem,
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Endlich hat das Königtum in Preußen
ein volles Recht zur Leitung der Finanzverwaltung
im Reich. Dem Könige und
seinen Organen ist die Sorge für die Vestreitung
der Staatsbedürfnisse, für die
Verwaltung des Staatsvermögens, für den
Bezug der gesetzlich bewilligten Staatseinkünfte.
für die Verwendung derselben nach
dem Staatshaushaltsetat anheimgegeben.
Er läßt den Voranschlag für den Etat und
den Finalabschluß in der Staatsrechnung
feststellen. Desgleichen sorgt das Königtum
für die Kulturpflege, für die Schulen
und öffentlichen Bildungsanstalten, für die
Wissenschaften und Künste. Und seine
Willensäußerungen gibt es kund durch
den Erlaß allgemeiner Verordnungen, Befehle.
Verbote. .·
Also dem preußischen Königtum ist eine
ungemessene Fülle von Macht ver.
fassungsmäßig verbürgt worden; es steht
in ungeminderter Majestät und Sonveränität
da wie in den Zeiten vor Einführung der
Verfassung. Seine Befugnisse sind nur
begrenzt einerseits durch die Rücksichten,
welche es auf die Grundrechte der
Staatsbürger, anderseits auf die Befugnisse
der Volksvertretung zu
nehmen hat. Von den ersteren seien
folgende Grundsatzungen des Titels II der
Verfassung besonders hervorgehoben:
Standesvorrechte finden nicht statt; die
öffentlichen Amter sind unter Einhaltung
der gesetzlichen Bedingungen für alle dazu
Befähigten gleich zugänglich. Die persönliche
Freiheit ist gewährleistet; Verhaftungen
dürfen nur nach den gesetzlichen
Vorschriften vorgenommen werden. Die
Wohnung ist unverletzlich: niemand darf
seinem gesetzlichen Richter entzogen werden:
Ausnahmegerichte sind unstatthaft; Strafen
können nur in Gemäßheit des Gesetzes
verhängt werden; das Eigentum ist
unverletzlich: die Strafe der Vermögenseinziehung
fällt weg. Die Freiheit der
Auswanderung kann nur in bezug auf
die Wehrpflicht beschränkt werden. Die
Freiheit des religiösen Bekenntnisses und
der Religionsübung wird gewährleistet.
Der Genuß der staatsbürgerlichen Rechte
ist unabhängig von dem religiösen Bekenntnis.
Die Wissenschaft und ihre Lehre
ist frei. Für die Bildung der Jugend
soll durch öffentliche Schulen genügend
gesorgt werden: Eltern dürfen ihre Kinder
nicht ohne den für die öffentlichen Volksschulen
vorgeschriebenen Unterricht lassen.
Alle öffentlichen und Privat= Unterrichtsanstalten
stehen unter der Aufsicht vom